Update vom 20.04.2026, 15 Uhr: Vergangene Woche wurde bekannt, dass es bei Volkswagen Group Services einen Datenschutzverstoß gab. Jetzt bestätigt die VW-Tochter auf Nachfrage, welche Daten konkret im Führungskreis behandelt wurden. Folgende Daten wurden in Power-Point-Präsentationen thematisiert:
- Klarnamen
- Alter
- Fehlzeiten
„In den vorliegenden Datensätzen gab es zum Teil auch qualitative Gesundheitsbetrachtungen, die auf Erfahrungen und Wissen aus dem Arbeitsalltag beruhen“, teilte die Unternehmenskommunikation personalwirtschaft.de mit. Hierbei soll es sich jedoch nicht um diagnostische Daten der Mitarbeitenden gehandelt haben. Volkswagen Group Services verweist speziell noch einmal auf die „Initiative Fehlzeitenquote“, welche verschiedene Maßnahmen umfasst. Darunter etwa „betriebliche Gesundheitsangebote und die Suche nach passenden Einsatzmöglichkeiten entsprechend der gesundheitlichen Konstitution des Mitarbeitenden“. Das Ziel dieser Initiative soll gewesen sein, krankheitsbedingte Fehlzeiten zu verringern.
Entgegen anderer Medienberichte teilte Lutz Bertram, Direktor des Arbeitsgerichts Braunschweig, auf Anfrage mit, dass bisher keine Klagen bezüglich des Datenschutzverstoßes vorliegen.
VW-Skandal um Fehlzeiten: Bußgelder drohen
Update, 14:40 Uhr: Gegenüber dem NDR ordnet der Arbeitsrechtler Michael Fuhlrott den Vorfall rechtlich ein: Zwar dürfen Unternehmen die Krankenzeiten ihrer Beschäftigten einsehen, doch das Besprechen von Diagnosen und persönlichen Krankheitsumständen in großer, abteilungsübergreifender Runde sei unzulässig. Solche Daten dürften ausschließlich mit der Personalabteilung geteilt und in einem besonders gesicherten Personalordner gespeichert werden.
Da VW den Datenschutzverstoß bereits eingeräumt habe, müsse nun genau aufgeklärt werden, welche Informationen in welchem Umfang weitergegeben wurden. Fuhlrott zufolge drohen dem Konzern in einem weiteren Verfahren Bußgelder. Darüber hinaus könnten betroffene Beschäftigte Entschädigungsansprüche für immaterielle Schäden geltend machen – die Höhe hänge vom jeweiligen Einzelfall ab.
Auch politisch wächst der Druck: Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) fordert lückenlose Aufklärung mit „klaren Konsequenzen, wo ein Fehlverhalten festgestellt wird.“ Beschäftigte müssten sich darauf verlassen können, dass sensible Informationen vertraulich blieben.
Warum die Führungskräfte die Daten in großer Runde besprachen, ist bislang ungeklärt. Die Volkswagen Group Services erklärte, der Datenaustausch sei im Rahmen der „unternehmensseitigen Fürsorgepflicht“ erfolgt, um Belastungen einzelner Mitarbeitender zu reduzieren. Ein Betroffener widerspricht gegenüber dem NDR dieser Darstellung: Er vermutet, dass es um die Steuerung von Fehlzeiten geht – wer mehr als 15 Tage fehle, dem drohe eine Nichtverlängerung oder Kündigung des Vertrags. Er habe bereits selbst gekündigt und wolle sich nun anwaltliche Unterstützung suchen.
Datenskandal bei VW: Jetzt reagiert der VW-Betriebsrat
Update vom 17.04.2026, 10:20 Uhr: Nachdem das Nachrichtenmagazin Spiegel erstmals am 16.04.2026 über den Datenskandal bei der VW-Konzerntochter Group Services berichtet hatte, reagiert nun der VW-Betriebsrat. Auf NDR-Anfrage teilt er mit: „Wir kennen das Thema und nehmen diesen Vorfall bei der Konzerntochter Group Services sehr ernst. Der Datenschutzverstoß ist intern festgestellt worden und ersten Erkenntnissen zufolge haben die Verantwortlichen umgehend alles Nötige in die Wege geleitet, um die Aufklärung selbst anzustoßen.“
Außerdem heißt es gegenüber dem NDR weiter: „Unsere klare Erwartungshaltung ist, dass die Ausermittlung lückenlos geschieht und dass alles in die Wege geleitet wird, um solche Vorfälle zukünftig zu vermeiden“. Der VW-Betriebsrat betont, es sei wichtig, dass die Betroffenen intern ausreichend Gehör fänden.
Datenskandal bei VW: Fehlzeiten von Beschäftigten rechtswidrig geteilt
Erstmeldung, 16.04.2026: Bei der Volkswagen Group Services kam es zu einem sensiblen Datenschutzvorfall, der etwa 600 Beschäftigte betrifft. Wie der Spiegel berichtet, sollen Informationen über Fehlzeiten konkreter Beschäftigter intern weitergegeben worden sein. In Konferenzen mit unterschiedlichen Führungskräften soll sich über Details der Abwesenheiten ausgetauscht worden sein.
Volkswagen Group Services erbringt Dienstleistungen und stellt in diesem Rahmen Personal für technische Services oder etwa Logistik für den Volkswagen-Konzern. Das Unternehmen informierte die Mitarbeitenden per Schreiben über die Verletzung des Datenschutzes. Volkswagen Group Services bestätigt den Vorfall gegenüber unserer Redaktion und teilt mit: „Die erforderlichen internen Prozesse zur Klärung des Sachverhalts wurden umgehend angestoßen. Die zuständige Landesdatenschutzbehörde wurde frühzeitig und umfassend eingebunden. Zudem informieren wir die betroffenen Mitarbeitenden transparent über den Sachverhalt.“

Unklar, was mit den Gesundheitsdaten bei VW passierte
Laut des Unternehmens erfolgte der Austausch „in erster Linie im Rahmen der unternehmensseitigen Fürsorgepflicht mit dem Ziel, Belastungen für einzelne Mitarbeitende zu reduzieren und krankheitsbedingte Fehlzeiten zu verringern.“ Der Brief an die Betroffenen, der dem Spiegel vorliegt, enthält laut Medienbericht allerdings die Information, dass es sich um eine „Initiative Fehlzeitenquote“ gehandelt haben soll. Zur Planung sollen sich „Projektleiter und -manager, Personaler und Meister seit Juni 2025 alle zwei Wochen online getroffen“ haben. Einige Betroffene, deren Daten weitergegeben wurden, haben laut Spiegel angekündigt, gegen den Konzern zu klagen.
Der Krankenstand ist seit Jahren ein sensibles Thema im Konzern. Volkswagen hat vergangenes Jahr mehreren hundert Beschäftigten wegen mutmaßlichen Fehlverhaltens gekündigt, vor allem wegen unentschuldigten Fehlens.
(Dieser Beitrag wurde ursprünglich am 16. April 2026 veröffentlicht und am 17. April 2026 aktualisiert.)
