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Copetri-Macher: „Convention ist für uns Austausch auf Augenhöhe“

Nadine Jäger und Ralf Hocke, die Gründer von Copetri, dem Start-up hinter der gleichnamigen Convention, sind in der HR-Event-Szene keine Unbekannten. Beide haben vorher für die Spring Messe GmbH und damit für die Messen „Zukunft Personal“ gearbeitet. Ralf Hocke war dort über sechs Jahre als Geschäftsführer tätig.

Personalwirtschaft: Wie viel Mut gehört dazu, in einer von der Pandemie geprägten Zeit ein neues Event-Unternehmen zu gründen?
Ralf Hocke: Wir verstehen uns nicht als Event-Unternehmen, sondern als Community-Plattform. Dafür ist unsere Convention ein zentraler Ankerpunkt, weil wir uns dort als Community persönlich austauschen, voneinander lernen und vernetzen können. Natürlich gehört dieser Tage einiges an Mut dazu, ein Live-Event auszurichten. Aber wir glauben so fest daran, dass die Themen Innovation, Transformation und People zusammengehören, dass es für uns keine Option war, dieses Jahr auf unser Event zu verzichten. Hinzu kommt, dass wir sehr viel positives Feedback und Unterstützung aus der Community erhalten haben und wir uns alle sehr darauf freuen, uns wieder zu sehen.
Nadine Jäger: Wir hatten keine Zweifel, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Die Menschen wollen sich nach zwei Jahren Pandemie auch wieder vor Ort vernetzen. Natürlich haben wir im Vorfeld die Corona-Situation immer kritisch im Blick gehabt und darauf vertraut, dass wir uns Ende Mai relativ entspannt zu einem Großevent treffen können. Und nun ist es so weit!

Das Event heißt Copetri Convention oder auch kurz CoCon, wie auf der Webseite zu sehen ist. Wie lautet der offizielle Name?
Ralf Hocke: COPETRI ist ein Akronym und steht für Community rund um die drei Leitthemen People, Transformation und Innovation. CoCon ist die leichtgängigere Kurzform für Copetri Convention.

Schaut man auf die neun Thementracks, so sind sie den Personalern durchaus auch von anderen HR-Messen bekannt. Was ist der USP der CoCon? Ist es das neue Thema Innovation oder ist es die Art, wie die Themen bespielt werden?
Ralf Hocke: Es ist beides, die Perspektivenvielfalt und die Art, wie wir die Themen erweitern und spielen. Die CoCon ist nicht nur Kongress oder Messe, sondern eine Convention – das ist schon mal ein wichtiger Unterschied. Darunter verstehen wir einen Mix aus Community, Expo und Conference für einen Austausch auf Augenhöhe zwischen Besuchern, Ausstellern und Speakern, unabhängig von Alter, Hierarchie oder Funktion. Die Vision dahinter lautet „Bridging Perspectives“. Wir glauben, dass die drei Themen Innovation, Transformation und People übergreifend zusammengedacht werden sollten und wir aus unseren Silos herausfinden müssen.
Nadine Jäger: Dafür bieten wir ein kuratiertes Programm mit 140 Keynotes, Deep Dives und über 50 interaktiven Workshops. Wir haben nicht zu einem Call-for-Paper aufgerufen, sondern bewusst geschaut, welche Pain Points die Zielgruppe hat. Und dann haben wir nach den richtigen Formaten und Speakern gesucht, die mögliche Antworten dazu geben können. Zudem präsentieren sich über 90 Anbieter und Partner – das Ganze in einem Setting, das Community-Feeling ausstrahlt.

Ihr wollt ein Feeling in Frankfurt inszenieren, wie es die Online-Marketing-Community vom Online Marketing Rockstars (OMR) Festival in Hamburg kennt. Ist das euer Anspruch?
Nadine Jäger: Durchaus. Auf der CoCon22 gibt es neben dem Innenbereich mit drei Bühnen, dem Ausstellungsbereich und einer Community-Bar einen großen Outdoor-Bereich mit weiteren drei Bühnen, Food Trucks und Torwand und besondere Acts, wie zum Beispiel am ersten Abend die FuckUp Night zum Thema Fehlerkultur und die Copetri Night mit Sundowner und Live-Musik von der Urban Club Band. Wir wollen eine Atmosphäre schaffen, in der Menschen entspannt ins Gespräch kommen.
Ralf Hocke: Es ist uns wichtig, den Community-Gedanken zu leben. Nicht nur auf dem Event, sondern auch darüber hinaus. So hatten wir bereits im Vorfeld einen Think & Do Tank gebildet – unsere fünf themenspezifischen Copetri Circles –, die sich über ein Jahr lang regelmäßig getroffen haben. Auf der Convention präsentieren sie ihre Ergebnisse. Im Spätsommer beginnen wir mit dem zweiten Zyklus. Wer Lust hat mitzumachen, darf sich jederzeit sehr gerne bei uns melden.

Ihr habt ein sehr abwechslungsreiches Programm kuratiert. Was sind die Highlights?
Ralf Hocke: Bei über 140 Programmpunkten ist es fast unmöglich, sich für einzelne zu entscheiden. Ich versuche es trotzdem einmal. Die Convention startet mit der Keynote von Sascha Lobo. Er wird unsere drei Leitthemen in seinem Zukunftsblick sehr gut verknüpfen. Zum Thema „Bridging Perspectives“ wird Astrid Schulte von Berendsohn einen fantastischen Use Case präsentieren. Ich freue mich als Radsportbegeisterter natürlich auch besonders auf Markus Storck, innovativer CEO von Storck Bicycle, und auf Armin Landgraf von Specialized. Innovative Produkte entwickeln, Menschen mitnehmen, Transformation vorantreiben – dazu sehen wir im Programm sehr viele Beispiele.
Nadine Jäger: Bei uns kommen CHROs, CEOs und CDOs zusammen, beispielsweise bei der Paneldiskussion mit Sirka Laudon, Mirjam Pütz und Tom Dapp über Mythen der Transformation. Wir haben über 150 Speaker, darunter Cawa Younosi von SAP, Nari Kahle von VW und Hendric Mostert von der Deutschen Bahn. Weitere Top-Unternehmen schicken ihre Expertinnen und Experten zu uns, etwa Axa, Bayer, BMW, Bosch, Deutsche Telekom, Evonik, Frosch, Lapp, Metro, Siemens, Stihl, Vaude, Weleda und Wingcopter. Die Bandbreite reicht vom Start-up über den Hidden Champions aus dem Mittelstand bis zum Dax-Unternehmen. Zudem sind renommierte Universitäten und Institute vertreten, wie etwa die IMD Business School aus Lausanne oder das Fraunhofer Institut.
Ralf Hocke: Und Nono Konopka wird in seiner Closing-Keynote über „The Magic of New Ways“ sprechen. Hinzu kommen noch 50 Workshops, bei denen kleine Gruppen aus 10 bis 25 Teilnehmern aktiv an diversen Themen arbeiten und lernen.

Das Programm ist sehr abwechslungsreich, aber im Gegensatz zur OMR nicht international.
Ralf Hocke: Die Themen und Perspektiven haben – wo immer es sinnvoll ist – auch den internationalen Blick, allerdings haben wir bei der Auswahl der Speaker dieses Jahr den Fokus auf den DACH-Raum gelegt.

Ihr erwartet 3.000 Besucherinnen und Besucher. Das ist eine echte Ansage. Bleibt ihr dabei?
Nadine Jäger: Wir erleben derzeit eine deutliche Verschiebung in Richtung Kurzfristigkeit. Noch immer erreichen uns Anfragen von Ausstellern und die Anmeldungen der Besucherinnen und Besucher steigen täglich. Alte Indikatoren passen dieses Jahr daher nicht. Wir rechnen aktuell mit 2.000 bis 2.500 Besuchern und freuen uns sehr, das großartige Gelände Fredenhagen mit Leben zu füllen.

Wird sich die Community vor Ort tatsächlich anders zusammensetzen als bei anderen großen HR-Messen oder -Kongressen?
Ralf Hocke: Wir haben einen zweigleisigen Ansatz. Auf der einen Seite möchten wir zwischen den drei Themen „bridgen“, auf der anderen Seite ist es uns sehr wichtig, dass die einzelnen Themen auch genügend Raum haben, um in die Tiefe gehen und konkrete Lösungen aufzeigen zu können. So haben wir in Summe neun Thementracks, davon allein im Bereich People drei: Recruiting & Employer Branding, Operations & Services und Learning & Development. Je Track haben wir rund 30 Keynotes, Deep Dives und Workshops. Entsprechend der Vielfältigkeit der Themen ist auch die Vielfältigkeit der Besucher. Aktuell geben 47 Prozent unserer registrierten Besucher an, aus dem People-Umfeld zu kommen, 27 Prozent aus dem Transformationsumfeld und 26 Prozent aus dem Innovationsumfeld.
Nadine Jäger: Unsere Erfahrung aus unserem physischen Copetri-Circle-Treffen im letzten Herbst hat gezeigt, dass gerade der Austausch der drei Teilnehmer-Gruppen untereinander einer der energiegeladensten und wertvollsten Bausteine der Veranstaltung war, da sich die Gruppen in der Konstellation vorher so noch nicht begegnet sind.

Ihr habt euch als Start-up in Frankfurt positioniert und dort findet auch die Convention statt. Warum ist der Frankfurter Raum so interessant?
Nadine Jäger: Frankfurt liegt geografisch in der Mitte Deutschlands und im Herzen Europas. Das Rhein-Main-Gebiet ist mit sechs Millionen Einwohnern eine der größten Metropol-Regionen in Europa. Es ist ein sehr dynamischer Wirtschaftsstandort mit starkem Dienstleistungsfokus und hoher Diversität. Und die Skyline symbolisiert in unseren Augen sehr gut Aufbruchsstimmung und Zukunft. Und genau dafür wollen wir stehen.

Info

Erwin Stickling ist langjähriger Herausgeber der Zeitschrift Personalwirtschaft und zudem Mitglied der Geschäftsleitung beim F.A.Z.-Fachverlag F.A.Z. Business Media.