Update vom 27. März 2026: Nun ist es offiziell: Die Deutsche Bahn (DB) und ihre Finanzvorständin Karin Dohm beenden ihre Zusammenarbeit. Die Trennung erfolge einvernehmlich, heißt es in einer entsprechenden Pressemitteilung der DB.
Die Trennung stehe ausdrücklich nicht im Zusammenhang mit öffentlich diskutierten Vorwürfen, heißt es weiter in der Mitteilung. An Dohms fachlicher Qualifikation, Integrität oder Amtsführung bestünden keine Zweifel.
Als Grund für die Trennung nennt die Bahn unterschiedliche Vorstellungen über die künftige Ausgestaltung der Funktion sowie zentrale Fragen der Unternehmensentwicklung. Die ersten Monate der Zusammenarbeit seien von „vertieften Abstimmungen über Entscheidungsprozesse, Zuständigkeiten und Steuerungsmechanismen“ geprägt gewesen.
Aufsichtsrat und Vorstand dankten Dohm für ihre Tätigkeit in einer „anspruchsvollen Phase des Unternehmens“.
Dohm hatte erst seit dem 1. Dezember 2025 die Position der Finanzvorständin bei dem Staatskonzern inne und erhält für die knapp vier Monate Amtszeit laut Medienberichten eine satte Abfindung.
Deutsche Bahn: Schwerwiegende Differenzen
Update vom 10. März 2026: Der Vorstand der Deutschen Bahn hat sich klar für die Abberufung von Noch-Finanzvorständin Karin Dohm ausgesprochen. Laut Informationen der Süddeutschen Zeitung haben alle Vorstandskollegen von Dohm, inklusive der Bahn-Chefin Evelyn Palla und dem Personalvorstand Martin Seiler, den Aufsichtsrat in einem Schreiben um die Abberufung Dohms gebeten. Es gebe schwerwiegende Differenzen zwischen Dohm, dem restlichen Vorstand und der Belegschaft, welche dem Unternehmen schaden könnten.
„Das Vertrauensverhältnis eines jeden Einzelnen zu Frau Dohm ist nachhaltig, tiefgreifend und unwiederbringlich gestört“, heißt es dem Medienbericht zufolge im Brief. „Die Zerrüttung ist derart, dass eine gedeihliche, konstruktive und vertrauensvolle Zusammenarbeit im Gremium nicht mehr möglich ist, solange Frau Dohm diesem angehört.“ Aktuell liefen wohl Gespräche, um eine mögliche einvernehmliche Trennung zu beschließen.
Info
FINANCE, unser Schwestermagazin, hat sich in einem Kommentar mit den Hintergründen zur aktuellen Debatte um Karin Dohms Abberufung beschäftigt. Hier gelangen Sie zum Beitrag.
Update von 2. März 2026: Deutsche-Bahn-Finanzvorständin Karin Dohm soll nach nur drei Monaten im Amt wieder abberufen werden. Trotz der extrem kurzen Amtszeit hat sie Anspruch auf eine Abfindung von bis zu zwei Jahresgehältern inklusive variabler Bestandteile, berichtet der Spiegel. Bahn-Vorstände verdienen üblicherweise 700.000 bis 850.000 Euro an Grundgehalt. Es handelt sich also mutmaßlich um eine Abfindung im siebenstelligem Bereich. Dohm war erst zum 1. Dezember 2025 als Nachfolgerin von Levin Holle zur Deutschen Bahn gewechselt, nachdem sie zuvor Finanzchefin bei Hornbach war.
Was war geschehen? Im Dezember, also kurz nach ihrer Berufung in den Vorstand, hatte Dohm ohne vorherige Abstimmung mit dem Konzernbetriebsrat (KBR) eine Gesellschafterweisung zur Aufspaltung der Bahn-Tochter DB Services unterzeichnet. Ein gravierender Verstoß gegen die Spielregeln der Mitbestimmung in einem Unternehmen, in dem der Betriebsrat traditionell eine starke Stellung hat.
Die KBR-Vorsitzende Heike Moll reagierte entsprechend scharf und sprach von einem „Fehlstart“, wie die „Süddeutsche Zeitung“ weiter berichtet. In einem Konzern mit rund 340.000 Beschäftigten und starker gewerkschaftlicher Verankerung wiegt ein solcher Affront besonders schwer – offenbar so schwer, dass eine Zusammenarbeit nicht mehr möglich erscheint.
Zudem wird Dohm ein unsensibler Führungsstil vorgeworfen, unter anderem mit dem Spruch, wer Freunde wolle, solle sich einen Hund kaufen, berichtet der Spiegel weiter. Die Abberufung steht im Widerspruch zum geplanten Neustart unter Bahnchefin Evelyn Palla. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) wollte sich zu den Vorgängen bis dato nicht äußern.
CFO soll KBR ausgebootet haben
Es ist bereits das zweite Mal innerhalb kurzer Zeit, dass Dohm eine Führungsposition vorzeitig verlässt. Erst im vergangenen Jahr hatte sie beim Reifenkonzern Continental als designierte Finanzchefin der Autozuliefersparte Aumovio angeheuert, legte ihr Amt dort aber bereits nach acht Wochen wieder nieder.
Lehrstück für Bedeutung der Unternehmenskultur
Zum 1. Dezember war sie dann als Nachfolgerin von Levin Holle zur Deutschen Bahn gewechselt. Der Fall Dohm ist ein Lehrstück dafür, wie wichtig das Verhältnis zwischen Führungskraft und Unternehmenskultur ist. Die Deutsche Bahn als staatsnahes Unternehmen mit starker Mitbestimmungskultur unterscheidet sich fundamental von mittelständisch geprägten Handelsunternehmen, bei denen Dohm zuvor tätig war.
Was in einem weniger mitbestimmungsgeprägten Umfeld vielleicht durchgegangen wäre, wurde nun bei der Bahn anscheinend zur Karrierefalle. Offenbar hatte Dohm die Bedeutung der Einbindung der Arbeitnehmervertreter unterschätzt – ein Fehler, der in einem Konzern mit paritätisch besetztem Aufsichtsrat besonders schwer wiegt.
Die Deutsche Bahn hat sich bis dato noch nicht offiziell zu der Personalie geäußert.
Konflikt mit Lokführern abgewendet
An anderer Stelle kann der Konzern hingegen auf einen Erfolg im Dialog der Arbeitnehmerseite verweisen. Denn wie heute bekannt wurde, haben sich die DB AG und die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) auf einen neuen Tarifvertrag verständigt. Die von der GDL in den vergangenen Jahren immer wieder anberaumten Warnstreiks in Tarifkonflikten sind daher in diesem Jahr laut Experten und Expertinnen nicht zu erwarten.
(Dieser Artikel wurde ursprünglich am 27. Februar 2026 veröffentlicht und am 10. März 2026 zuletzt aktualisiert.)
Rebecca Scheibel ist Redaktionsleiterin Online und verantwortlich für die digitalen Kanäle der Personalwirtschaft.

