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Arbeitsminister will Recht auf Homeoffice einführen

Mann und Frau in Wohnung auf Sofa mit Laptops
Homeoffice kann so schön sein, je nach Arbeitsbedingungen und persönlichen Prioriäten. Wie auch immer, Arbeitsminister Hubertus Heil will nun das Recht auf die Arbeit von zuhause aus einführen. Foto: © Carlo-stock.adobe.com

Nach dem Entwurf des Arbeitsministers sollen Vollzeitbeschäftigte künftig einen gesetzlichen Anspruch darauf haben, 24 Tage pro Jahr von zuhause aus oder mobil zu arbeiten.

Der Entwurf beruft sich auf die von vielen Arbeitnehmern während der in der Corona-Krise gewonnen Erfahrungen sowie auf eine im eigenen Auftrag initiierte Umfrage, laut der Beschäftigte mehrheitlich einen Rechtsanspruch auf Homeoffice und mobiles Arbeiten fordern. Aber auch der Koalitionsvertrag vom 12. März 2018 sah bereits vor, dass mobiles Arbeiten gefördert und erleichtert werden soll.

Arbeitgeber müssen zwingende Gründe für eine Ablehnung von Telarbeit anführen

Laut Heils Plan sollen Arbeitgeber, die den Rechtsanspruche auf Heimarbeit ablehnen, dafür zwingende betriebliche Gründe anführen oder aber begründen, warum sich die Tätigkeit grundsätzlich nicht dafür eignet. Der Entwurf sieht vor, dass Gewerkschaften, Betriebs- und Personalräte ein Mitbestimmungsrecht haben sollen, wenn es darum geht, mobile Arbeit einzuführen und auszugestalten.

Konkrete Vereinbarungen und “digitale Stechuhr” verpflichtend

Arbeitgeber und Arbeitnehmer sollen sich nach den Vorstellungen des Ministers konkret darüber verständigen, wann Mitarbeiter im Homeoffice erreichbar sein müssen und wann nicht. Außerdem soll es eine verpflichtende digitale Arbeitszeiterfassung geben. Unternehmen, die die Arbeits- und Ruhezeiten der Telearbeiter nicht per “digitaler Stechuhr” kontrollieren, sollen bis zu 30 000 Euro Bußgeld zahlen.

Meinungen aus Politik, von Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite und aus der Forschung

Während die oppositionelle FDP betont, die Regierung habe zuviel Zeit verloren, und das Vorhaben sei zu restriktiv, gibt es innerhalb der CDU/CSU Unmut, weil sich die SPD mit dem Vorhaben auf Kosten der Unionsfaktion profiliere.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) findet, dass die Entscheidung überfällig war, kritisiert die Pläne des Arbeitsministers aber als unzureichend. Ein Rechtsanspruch von lediglich bis zu 24 Tagen im Jahr sei eindeutig zu wenig.

Prof. Dr. Bettina Kohlrausch, wissenschaftliche Direktorin des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung, hält das Recht auf mobile Arbeit und klare Regeln zu Zeiterfassung für absolut sinnvoll. “Homeoffice kann die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erleichtern. Allerdings müssen dafür die Rahmenbedingungen stimmen: Fairer Zugang für alle, die mobil arbeiten möchten und bei denen die Arbeitsinhalte mobiles Arbeiten möglich machen. Und klare Abgrenzungen zwischen Arbeit und Freizeit, damit beides nicht immer weiter verschwimmt”, so die Forscherin.

Das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW Köln) hält den “Eingriff” für verfehlt. “Ob Homeoffice sinnvoll, effektiv und effizient ist, sollten weiterhin zunächst Personalverantwortliche und Führungskräfte entscheiden, am besten im Dialog mit den betroffenen Beschäftigten”, so Dr. Oliver Stettes, Leiter des Kompetenzfelds Arbeitsmarkt und Arbeitswelt des Instituts. Er sieht in den Plänen hauptsächlich Konfliktstoff: Erstens müssten Arbeitsgerichte darüber entscheiden, ob es aus Sicht des Arbeitgebers berechtigt sei, den Wunsch auf Homeoffice abzulehnen. Zweitens berge der Vorschlag Konfliktstoff, wenn die Tätigkeit im Homeoffice zwar möglich sei, der Arbeitgeber dies aber ablehne, weil er durch das Arbeiten von Zuhause die Arbeitsroutine gefährdet sehe. Drittens werfe der Vorschlag die Frage auf, wer für die Arbeitsplatzausstattung, den Arbeits- und Gesundheitsschutz zuständig sei, wenn der Rechtsanspruch gegen den Willen des Betriebs gerichtlich durchgesetzt würde – die Arbeitgeberseite könne es dann nicht mehr sein.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.