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Bruchteile von Urlaubstagen: Wie ist damit umzugehen?

Nach dem Bundesurlaubsgesetz sind Bruchteile von Urlaubstagen, die mindestens einen halben Tag ergeben, auf volle Urlaubstage aufzurunden. Aber wie ist die Rechtslage, wenn der Bruchteil weniger als einen halben Tag ergibt? Dieser Fall ist gesetzlich nicht ausdrücklich geregelt. Wie aus der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts hervorgeht, ist ein Abrunden von Bruchteilen, die weniger als einen halben Urlaubstag ergeben, höchstens dann erlaubt, wenn eine spezielle Regelung oder Vereinbarung zum Abrunden existiert. Ansonsten bleibt der Bruchteil bestehen und ist durch stundenweise Arbeitsbefreiung auszugleichen.

Abrunden ohne entsprechende Regelung verboten

In einem Fall vor dem Bundesarbeitsgericht ging es um die Klage einer Fluggastkontrolleurin im Schichtdienst. Die Urlaubsberechnung ergab für sie 28,15 Urlaubstage im Jahr 2016. Der Arbeitgeber rundete ab und gewährte der Frau 28 Tage Jahresurlaub. Die Arbeitnehmerin war der Ansicht, ihr stehen die restlichen 0,15 Urlaubstage zu. Das Bundesarbeitsgericht entschied ebenso wie Vorinstanz, dass der Urlaubsanspruch der Klägerin nicht auf 28 Arbeitstage abzurunden ist (BAG, Urteil vom 08.05.2018, Az. 9 AZR 578/17). Demnach kommt eine Rundung von Bruchteilen von Urlaubstagen ohne eine gesonderte “Rundungsvorschrift” nicht in Betracht. Weder das Bundesurlaubsgesetz noch der im vorliegenden Fall anwendbare Manteltarifvertrag enthalten eine spezielle Regelung zu Abrunden von Urlaubstagen.

Bereits in einem vorangegangenen Urteil hatte das BAG entschieden: Hat ein Arbeitnehmer Anspruch auf Urlaub, der weniger als einen halben Urlaubstag beträgt, ist der Anspruch weder auf volle Urlaubstage auf-, noch auf volle Urlaubstage abzurunden, sofern nicht gesetzliche, tarif- oder arbeitsvertragliche Bestimmungen Abweichendes regeln (BAG, Urteil vom 23.01.2018, Az. 9 AZR 200/17).

Wie ein Bruchteil eines Urlaubstages entstehen kann

Wie kann es überhaupt dazu kommen, dass ein Bruchteil eines Urlaubstages entsteht? Möglich ist dies bei Kürzungen des Urlaubs. Ein Beispiel: Wenn ein Arbeitnehmer in der ersten Jahreshälfte aus dem Unternehmen ausscheidet, steht ihm für das jeweilige Kalenderjahr nur ein Teilurlaub nach dem “Zwölftelungsprinzip” zu. Dann kann es passieren, dass es durch die anteilige Kürzung des Urlaubs zu einem Bruchteil eines Urlaubstages kommt. Eine Kürzung des Urlaubs ist beispielsweise auch bei Mitarbeitern in Elternzeit erlaubt. 

Fazit: Das Bundesurlaubsgesetz erlaubt ein Aufrunden, wenn ein Bruchteil eines Urlaubstages einen halben Tag oder mehr beträgt. Falls der Bruchteil dagegen weniger als einen halben Urlaubstag beträgt, ist der Arbeitnehmer – vorausgesetzt es besteht keine spezielle Regelung zum Abrunden – entsprechend des Bruchteils stundenweise von der Arbeit zu befreien. 

Quelle: Bundesarbeitsgericht

ist freier Journalist aus Biberach/Baden und schreibt regelmäßig News und Artikel aus dem Bereich Arbeitsrecht.