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Teamarbeit – wie Fach- und Führungskräfte sie sehen

Mitarbeiter an einem Tisch, vor dem eine weibliche Führungskraft steht
Teamarbeit ist für die meisten Berufstätigen wichtig und trägt zur Zufriedenheit im Job bei.
Foto: © Syda Productions/StockAdobe

Eine Studie von Stepstone hat untersucht, wie Teamarbeit in Deutsch- land heute abläuft. Danach haben sich die Arbeitsweisen auch im Zeitalter von Digitalisierung und New Work nicht wesentlich verändert – man setzt bei der Zusammenarbeit auf klassische Tugenden, weniger auf innovatives Denken. Die meisten sind mit ihren Teamwork-Erfahrungen zufrieden, allerdings stimmt die Selbstwahr- nehmung der Chefs mit der Bewertung ihrer Mitarbeiter oft nicht überein.

Die Kollegen und das Team sind für die meisten Berufstätigen hierzulande besonders wichtig, um im Job zufrieden und erfolgreich zu sein. Fast alle Fach- und Führungskräfte hierzulande (95 Prozent) arbeiten gerne in einem Team, das im Schnitt aus elf Mitgliedern besteht. Für mehr als drei Viertel der Fach- und Führungskräfte (77 Prozent) ist Teamarbeit ein zentraler Aspekt der Unternehmenskultur. Neun von zehn Jobsuchenden achten darauf, ob die Unternehmenskultur eines potenziellen Arbeitgebers zu ihnen passt – und dabei ist Teamarbeit der wichtigste Aspekt. Fast zwei Drittel der Kandidaten (63 Prozent) wollen bereits im Bewerbungsprozess einen ihrer zukünftigen Kollegen kennenlernen, allerdings bekommen sie diese Möglichkeit in vielen Unternehmen nicht. Für die Studie “Erfolgsgeheimnis Team” hat Stepstone rund 14 000 Fach- und Führungskräfte befragt sowie circa 2000 Recruiter und Manager, die für Personalbeschaffung zuständig sind.

Fehlerkultur und Aufgeschlossenheit für Ideen nicht immer vorhanden

Gefragt nach den methodischen Kompetenzen, die für eine erfolgreiche Teamarbeit wichtig sind, geben mit 82 Prozent die meisten Fach- und Führungskräfte Organisationsfähigkeit an. An zweiter Stelle steht Zeitmanagement mit 72 Prozent, an dritter Stelle Sorgfalt mit 60 Prozent. Es folgen Analysefähigkeit (57 Prozent), Beurteilungsvermögen (53 Prozent) und Kreativität (51 Prozent). Weiter hinten rangieren konzeptionelle Fähigkeiten (45 Prozent), Projektmanagement (44 Prozent), visionäres Denken (30 Prozent) und Risikobereitschaft (18 Prozent). Dass die beiden letzten Aspekte nur eine vergleichsweise geringe Bedeutung haben und auch Kreativität nicht weit vorne steht, liegt laut Studie auch daran, dass die Kultur in vielen Teams kein innovatives Denken ermöglicht. So sagen 40 Prozent der Fachkräfte und jede dritte Führungskraft, dass sie in Teams arbeiten, die Ideen gegenüber nur wenig aufgeschlossen sind und in denen Fehler nicht offen thematisiert werden können. Ebenfalls vier von zehn Fachkräften geben an, dass konstruktive Kritik nicht möglich sei. Eine solche Atmosphäre führt laut Studie zu Frustration und behindert Innovation. Auch beurteilen Mitarbeiter, die eine solche Teamkultur erleben, ihre Leistungsfähigkeit geringer.

Kommunikation und Unterstützung im Team zumeist positiv eingeschätzt

Rund drei Viertel der Studienteilnehmer bewerten grundlegende Aspekte der Teamarbeit positiv. So sagen 71 Prozent der Fach- und Führungskräfte, dass ihre Teams sich ihrer Ansicht nach ausreichend häufig treffen, um effektiv zu kommunizieren. 80 Prozent geben an, dass sie sich gegenseitig über alle relevanten Dinge auf dem Laufenden halten. 79 Prozent unterstützen ihre Teamkollegen bei deren Aufgaben und fühlen sich selbst auch unterstützt. Ebenso viele bieten bei Schwierigkeiten Hilfe an oder bekommen diese angeboten. In fast zwei Drittel der Teams spricht man regelmäßig über den Fortschritt bei der Erreichung der gemeinsamen Ziele und sucht gemeinsam nach Mitteln und Wegen, neue Ideen umzusetzen.

Fachkräfte bewerten Zielvereinbarung und -einhaltung anders als ihre Chefs

An einigen Punkten geht die Wahrnehmung von Fach- und Führungskräften jedoch auseinander. So geben gut drei Viertel (77 Prozent) der Fachkräfte gegenüber 86 Prozent der Führungskräfte an, dass die Kollegen sich an gemeinsam vereinbarte Regeln halten und liefern, was sie zuvor versprochen haben – eine Grundvoraussetzung für gute Zusammenarbeit. Nach eigener Einschätzung arbeiten 87 Prozent der Führungskräfte in Teams, in denen allen klar ist, was sie gemeinsam erreichen wollen, während von den Fachkräften nur 74 Prozent dieser Meinung sind. 70 Prozent der Fachkräfte gegenüber 79 Prozent der Führungskräfte geben an, dass sich alle in ihren Teams den gemeinsamen Zielen verpflichtet fühlen.

Auch in der neuen Arbeitswelt brauchen Mitarbeiter unbedingt klare Zielvorgaben. Führungskräfte müssen den Rahmen abstecken, in dem ihre Teams auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten,

sagt Dr. Sebastian Dettmers, Geschäftsführer bei Stepstone. Innerhalb dieser Grenzen sollten Mitarbeiter dann aber durchaus Gestaltungsspielraum haben. Damit dieser ausgeschöpft werden kann, brauche es eine vertrauensvolle und offene Teamkultur, die neue Wege und Ideen belohnt, so Dettmers.

Führungskräfte haben ein positiveres Bild von Teamarbeit und sich selbst

Die Studie zeigt, dass die Teamleiter bei den Fachkräften mehrheitlich gut abschneiden. Es gibt jedoch teilweise einen deutlichen Unterschied zwischen der Selbstwahrnehmung von Führungskräften und der Einschätzung der Fachkräfte ihren Chefs gegenüber. Führungskräfte erleben Teamarbeit nicht nur deutlich positiver als ihre Mitarbeiter, sondern sie schätzen auch ihre eigene Leistung als Teamleiter besser ein. 97 Prozent der Führungskräfte sind als Teamleiter der Meinung, gute Leistungen und besondere Anstrengungen von Teammitgliedern anzuerkennen und sie darin zu unterstützen, aus Fehlern zu lernen. Von den Fachkräften sagen allerdings nur 57 Prozent, dass sie für ihre Leistungen und Anstrengungen von ihren Teamleitern genügend gewürdigt werden. Rund 90 Prozent der Führungskräfte denken, dass sie die Ansprüche an gute Teamführung auch erfüllen, das heißt, Mitarbeiter mit allen wichtigen Informationen versorgen, klare Leistungserwartungen formulieren und bei Problemen ansprechbar sind. Die Fachkräfte sehen das kritischer: 40 Prozent fühlen sich von ihrem Chef nicht darin unterstützt, aus Fehlern zu lernen und erhalten keine ausreichenden Informationen. Auch empfinden 43 Prozent ihre Leistungen nicht hinreichend gewürdigt. Darüber hinaus sagt jeder zweite Mitarbeiter, der Vorgesetzte trage nicht dafür Sorge, dass das Team genug Informationen mit anderen Teams austauscht.

Die vollständigen Studienergebnisse gibt es > hier zum Download.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.

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