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Datenerzähler

Foto: istock/gettyimages
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Personalern und Führungskräften stehen seit Jahrzehnten Leistungskennzahlen zur Verfügung, die per Software berechnet werden. Die technische Grundlage für diese Analysen bilden Business-Intelligence-Lösungen, der IT-Dienstleister Gartner nennt sie Analytics- und Business-Intelligence- Plattformen (ABI). Sie stehen den meisten Unternehmen mit unterschiedlicher Leistungsfähigkeit zur Verfügung. Genutzt werden sie, um KPIs zu berechnen, Reports zu erstellen und für die optische Aufbereitung von Daten in Dashboards. Manche Lösungen haben prädiktive Fähigkeiten, das heißt, sie können bis zu einem gewissen Grad mögliche Zukunftsszenarien abbilden. Aber das reicht nicht mehr. Denn die Unternehmen brauchen immer aufwendigere Analysen in immer kürzer werdenden Abständen.

Ohne geht nicht

Jetzt haben die Entwicklungen der künstlichen Intelligenz eine neue, eine erweiterte Analysetechnik entstehen lassen, von der sich Unternehmen viel versprechen: Augmented Analytics. Bis zu 90 Prozent Zeitersparnis sollen sie gegenüber konventionellen Methoden bei der Suche, Aufbereitung und Analyse von Daten bringen. Data Scientists verbringen laut Aberdeen Group in traditionellen Analysemodellen noch 19 Prozent ihrer Zeit mit der Sammlung von Daten und weitere 60 Prozent ihrer Zeit damit, diese Daten aufzubereiten und zu organisieren. Der Hype ist mittlerweile so enorm, dass Gartner schätzt, Augmented Analytics (kurz “AA”) werde bereits in diesem Jahr der Hauptgrund für Anschaffungen von ABI-Lösungen sein.

Augmented Analytics in HR

AA beschränkt sich nicht auf einzelne HR-Funktionen oder Bereiche. Ähnlich wie das Internet verfügt AA über das Potenzial, Prozesse aller Unternehmensbereiche vollständig zu transformieren. Data Scientists und Anbieter von Augmented Analytics können sich beispielsweise darauf fokussieren, effektive Trainingssets für Machine Learning zu entwickeln und Analytics- Algorithmen zu verfeinern. HR muss lediglich die richtigen Daten über eine Schnittstelle in das System übergeben und kann dann auf die relevanten Erkenntnisse zugreifen. Die Analyse personalbezogener Daten ist dann mittels AA erheblich einfacher.

Zusätzlich zur enormen Geschwindigkeit, mit der AA strukturierte und unstrukturierte Datenbestände verarbeitet, erhöht sich laut Analysen der Aberdeen Group auch die Zufriedenheit der Mitarbeiter. Der Grund: Entscheidungen werden schneller und effektiver getroffen. Das sei, so die Forscher, darauf zurückzuführen, dass es mittels AA einfacher sei, auf Daten zuzugreifen, um damit Handlungsanweisungen vorzubereiten. Was wiederum damit zu tun habe, dass man immer schneller auf die Daten zugreifen kann.

Ein weiterer Einsatzort ist die Identifikation und Entwicklung neuer Mitarbeiterkompetenzen. AA könnte zum Beispiel Lücken in der Leistungsfähigkeit von Mitarbeitern analysieren und passende Trainings vorstellen. Oder ein Unternehmen könnte in den Bereichen Talent Management, Talentgewinnung und Talententwicklung Karriereentwicklungsmöglichkeiten für Mitarbeiter analysieren und daraus weltweit konsistente Stellenausschreibungen entwickeln.

Mensch-Maschine-Kooperation

Der Brite Dave Millner ist Berater und Co-Autor des Buches “Introduction to People Analytics”. Im Hinblick auf die weiteren Entwicklungen von Augmented Analytics meint er: “Sowohl Standalone-Analytics-Lösungen als auch Augmented-Analytics-Systeme werden sich auf eine höhere kognitive Ebene bewegen, auf der dann Maschine und Anwender eine Art lösungsorientierten Dialog über die benötigten Daten und die daraus gewonnenen Erkenntnisse miteinander führen können.” Das könnte passen. Denn 2025 sollen laut Gartners aktuellem Magic Quadrant for Analytics “Datengeschichten” die am weitesten verbreitete Methode zur Darstellung von Erkenntnissen aus Analytics-Anwendungen sein. 75 Prozent dieser Geschichten würden, so die Marktforscher, automatisch generiert werden: Personaler würden sich dann auf Kollege Algorithmus verlassen und dessen Vorschläge umsetzen. Es müssen nur die zugrunde liegenden Daten stimmen.


Diesen Beitrag können Sie in voller Länge in der Hauptausgabe der Personalwirtschaft 6/2020 nachlesen. Sie können das Heft › in unserem Shop bestellen.

Ulli Pesch ist freier Journalist und schreibt regelmäßig über das Thema HR-Software in der Personalwirtschaft.