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Der durchschnittliche Arbeitnehmer arbeitet weniger als vor Corona

Im zweiten Quartal 2022 waren hierzulande 45,5 Millionen Menschen erwerbstätig, 664.000 mehr als im gleichen Quartal des letzten Jahres und rund 400.000 mehr als im letzten Vor-Coronaquartal Anfang 2020. Damals betrug die Anzahl 45,1 Millionen, bevor sie im zweiten Quartal 2020, mit Beginn der Pandemie, auf 44,7 Millionen zurückging. Weil gleichzeitig das Arbeitsvolumen, also die Gesamtzahl der geleisteten Arbeitsstunden, von 15,6 Milliarden im ersten Quartal 2020 auf 14,5 Milliarden im zweiten Quartal 2022 zurückging, sank auch die rechnerische Arbeitszeit jedes Erwerbstätigen um gut 27 Stunden. Das sind Ergebnisse der aktuellen Arbeitszeitrechnung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).

Ein Erwerbstätiger arbeitete demnach im zweiten Quartal 2022 durchschnittlich 319,3 Stunden, 0,5 Prozent weniger als im Vorjahresquartal, aber wesentlich weniger als vor Corona: Im ersten Quartal 2020 betrug die Arbeitszeit pro Person noch 346,4 Stunden.

Mehr Teilzeit, höherer Krankenstand

Dass sich die Zahlen bei Arbeitsvolumen und Erwerbstätigen in den vergangenen gut zwei Jahren in unterschiedliche Richtungen entwickelt haben, liegt auch an einer höheren Teilzeitquote. Sie stieg zuletzt gegenüber dem Vorjahresquartal um 0,3 Prozent auf 38,8 Prozent; damit hat sie ihren Höchstwert vom zweiten Quartal 2019 wieder erreicht. Ein Grund für den Anstieg ist laut IAB-Forscherin Susanne Wanger der Beschäftigungszuwachs gerade in Branchen mit einem hohen Teilzeitanteil wie dem Gesundheits- und Sozialwesen oder dem Bereich Erziehung und Unterricht.

Ein weiterer Grund: Die Menschen meldeten sich häufiger krank. Insgesamt lag der Krankenstand im zweiten Quartal 2022 mit 5,18 Prozent deutlich über dem Vorjahresquartals (4,11 Prozent). Auch im ersten Corona-Jahr, als noch die gefährlichere Alpha-Dominante des Virus dominierte, war der Krankenstand niedriger als zuletzt: im zweiten Quartal 2020 betrug er 4,13 Prozent und im dritten Quartal nur 3,95 Prozent.

Die Kurzarbeit ging nach vorläufigen Hochrechnungen im zweiten Quartal dieses Jahres gegenüber dem entsprechenden Vorjahresquartal um 1,78 Millionen Erwerbstätige auf 390.000 zurück.

„Wegen des Beschäftigungsaufschwungs werden in Deutschland wieder fast so viele Stunden gearbeitet wie vor der Pandemie. Die Omikron-Welle und andere Infektionen sowie der Teilzeit-Boom lassen die geleistete Arbeitszeit pro Kopf aber trotz des Rückgangs der Kurzarbeit sinken“,
fasst Enzo Weber, Leiter des Forschungsbereichs „Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen“ des IAB, die Ergebnisse zusammen.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.