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„Eine massive Veränderung in Richtung Big Data“

Mario Fischer
Mario Fischer, Unternehmensberater und Experte für Zeitwirtschaft und Zutritt; Bild: privat

Personalwirtschaft: Herr Fischer, welche Lösungen hält die moderne Zeiterfassung bereit?
Mario Fischer: Es gibt zum einen Unternehmen, die ganz simple Zeiterfassungssysteme anbieten. Teilweise mit eigenen Terminals, deren Daten über ein Netzwerk in eine Excel-Tabelle überführt werden und beispielsweise beim Geschäftsführer oder Personalchef auflaufen. Auf der anderen Seite gibt es auch hochkomplexe softwarebasierte Zeitwirtschaftslösungen. Fest steht: Jeder Lösungsansatz trifft auf eine weiterhin wachsende Nachfrage im deutschen Markt.

Sie weisen in Ihrem Report darauf hin, dieser Markt sei konvergent. Würden Sie das bitte kurz erklären?
Es geht dabei im Grunde genommen darum, dass hier Systemwelten miteinander verschmelzen. Hardwareorientierte Zutrittskontrolle im Sinne von Access Control als auch Zeiterfassung, bis hin zu komplexen HRM/CRM-Modellen. Zudem spielen immer mehr ganzheitliche Security-Aspekte eine Rolle.

Ist bei dieser ganzen neuen Technik eigentlich noch RFID relevant?
Ja, der RFID-Markt ist riesig und im Teilsegment Zeit und Zutritt wächst der Einsatz. RFID substituiert dabei andere Erfassungsträger, die immer mehr an Bedeutung verlieren. Die Transpondertechnologie ist auch erheblich vielseitiger als beispielsweise die Magnetkarten.

Wie sieht es mit biometrischen Verfahren aus?
Biometrische Systeme sind in Deutschland stark im Kommen, doch das Umsatzniveau ist, gemessen an den anderen Zeiterfassungs- und Zutrittsverfahren, bescheiden. Wenn, dann gibt es wachsende Umsatzzahlen für Fingerprint-Lösungen. Denn zusätzlich zu Kartenlösungen setzt man in Kombination die Fingerprint-Technologie zur Verifikation ein, um zu prüfen, ob der Inhaber wirklich die Person ist, für die die Karte ausgestellt wurde. Man könnte zwar auch Iris-, Handflächen- oder Venenerkennung dazu einsetzen, aber das wird in der Praxis, mit Ausnahme von sensiblen Hochsicherheitsbereichen, selten genutzt.

In Ihrem Report von 2016 zeigen Sie, dass sich der Anbietermarkt komplett gewandelt hat. Aufgrund technischer Entwicklungen?
Es ist eine eher gewachsene Veränderung. Viele Errichter hatten vor Jahren Schwierigkeiten, neben der Hardware die dazugehörende Software kundenspezifisch zu konfigurieren und im Bedarfsfall auch mit dahinterliegenden HR- beziehungsweise ERP-Lösungen zu verbinden. Dafür existierte gar kein Schnittstellen-Know-how und man arbeitete mit Partnern, beispielsweise IT-Dienstleistern und Systemhäusern, zusammen. Inzwischen wurde erheblich an Wissen und Machbarkeit aufgebaut.

Womit generiert der Markt seinen Umsatz?
Da gibt es sowohl den Markt der Ersatzbeschaffung, der Umrüstung und natürlich den der Neuinstallationen. Neuinstallationen in Netzwerkinfrastrukturen bilden gegenwärtig den Großteil der Nachfrage bei Zeitwirtschaftslösungen mit einem Anteil von fast 70 Prozent. Aber auch der Umrüstmarkt wächst beständig mit erheblichen Potenzialen aus bereits bestehenden Altbeständen.

Folgen die Anforderungen der Kundenunternehmen an die Anbieter allgemeinen Trends?
Ich sehe zum Beispiel eine massive Veränderung in Richtung Big Data.

Unternehmen wollen zunehmend die Daten, die bei Zeitwirtschaft und Zutritt anfallen, noch stärker als bisher für Analysen nutzen und Planungen darauf aufbauen.

Seit einigen Jahren steigt etwa der Anteil leistungsfähiger Zeiterfassungs-Softwarelösungen, die über das Web und mittels SaaS-Technologie bedient werden, stark an. Es gibt auch viele kleine bis mittelständische Unternehmen, die sich nicht mehr mit dem Aufbau und der Installation ganzer Infrastrukturen auseinandersetzen wollen, sondern eigentlich nur noch eine App für die Zeiterfassung brauchen. Das betrifft auch die Anbieterstruktur. In den vergangenen Jahren sind sehr viele Softwareanbieter mit Cloud-Lösungen für die Bereiche Zeiterfassung und Zeitwirtschaft in den Markt eingetreten.

Das schafft natürlich auch mehr Flexibilität für die Unternehmen.
Richtig. Diese Form der Softwarebereitstellung ist ideal für schwankende Beschäftigungszahlen. Dann macht es auch Sinn zu überlegen, ob man als Unternehmen nicht vielleicht noch andere Komponenten, die man sonst selbst betreibt, auslagern möchte. Mittlerweile überlegen erste Anbieter, große Teile ihres Portfolios im Outsourcing anzubieten. Dann brauchen Firmen unter anderem auch nicht mehr die erforderliche IT-Infrastruktur bereitzuhalten. Wenn sich das durchsetzt, würde das den Markt ebenfalls stark verändern.

Werden heute Daten aus der Betriebs- und Maschinendatenerfassung noch stärker als früher mit Daten aus der Zeiterfassung verknüpft und miteinander korreliert?
Ich sehe da einen Trend, denn mittlerweile reden ja alle über Industrie 4.0. So kann beispielsweise die Zeit automatisiert über die Maschine, an der ein Mitarbeiter tätig ist, erfasst werden. Sie erkennt, welcher Mitarbeiter es ist, an welchem Prozess er arbeitet und für welche Kostenstelle. Alle Daten werden dann gemeinsam in eine Datenbank geschrieben, aus der sie ausgelesen und beliebig miteinander korreliert werden können.

Das Interview ist eine Ergänzung des Beitrags „Mehr als
Schlüssel und Stechuhr“ aus der Personalwirtschaft 08/2017. Die Ausgabe
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Ulli Pesch ist freier Journalist und schreibt regelmäßig über das Thema HR-Software in der Personalwirtschaft.

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