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Elterngeld für Väter – eine Bestandsaufnahme

Ob Väter sich überhaupt für Elternmonate entscheiden, hängt vor allem davon ab, wie sicher der Arbeitsplatz und wie familienorientiert der Arbeitgeber ist. Für die Dauer der Nutzung ist unter anderem maßgeblich, ob es zwischen den Partnern Unterschiede bei Qualifikation und Einkommen gibt und wie groß diese sind.

Betriebliche Hemmnisse erschweren die Nutzung von Elterngeld für Männer

Auf betrieblicher Ebene haben die Vertretungsmöglichkeiten großen Einfluss, zudem spielten die direkten Vorgesetzten eine Schlüsselrolle: Insbesondere bei Vätern, die sich ihrer Entscheidung noch nicht sicher sind, führt ablehnendes Verhalten oft zu einer Verkürzung der Elterngeldphase oder zum völligen Verzicht. Das geht aus einer von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Untersuchung des Instituts für Sozialwissenschaftlichen Transfer (SowiTra) hervor. Für ihre Studie haben die Sozialwissenschaftler Interviews mit 43 Elterngeldvätern sowie eine Online-Umfrage mit mehr als 600 Teilnehmern durchgeführt.

Die befragten Väter machten von den gesetzlichen Möglichkeiten unterschiedlich Gebrauch. 71 Prozent beziehen für maximal zwei Monate Elterngeld, fünf Prozent setzen zwölf oder mehr Monate aus, die übrigen Befragten liegen dazwischen. Ein Viertel der Väter arbeitet während der Elterngeldphase in Teilzeit, einige Paare sind in Teilzeit-Teilzeit-Kombination erwerbstätig. Laut Studie kann davon ausgegangen werden, dass für viele von ihnen das ElterngeldPlus ein “willkommenes Angebot” wäre, das ab Juli 2015 bis zu 28 Elterngeldmonate ermöglicht, wenn beide Partner ihre Arbeitszeit reduzieren.

Nebeneffekt: neue berufliche Spielräume für Frauen

Als wichtigsten Effekt der Elternmonate nennen die befragten Väter eine stärkere Beziehung zu ihrem Kind. Darüber hinaus bessere sich durch die partnerschaftliche Arbeitsteilung die Qualität der Paarbeziehung. Dadurch eröffnen sich den Frauen neue berufliche Spielräume: Fast zwei Drittel der Männer mit mindestens drei Elternmonaten geben an, dass ihre Elterngeldzeit der Partnerin den Wiedereinstieg in den Beruf erleichtert hat. Von den anderen Vätern mit maximal zwei Monaten bestätigt das immerhin noch ein Drittel.

Elterngeldphase lässt Väter über Alternativen zur Vollzeit nachdenken

Ein Zusammenhang zwischen der Nutzung von Elterngeld und der Rollenverteilung in der Partnerschaft ist auch langfristig feststellbar. Etwa jeder vierte Vater reduziert unmittelbar im Anschluss an die Elternmonate seine Arbeitszeitdauer im Vergleich zu der Zeit vor der Geburt. Von denjenigen, die mindestens drei Monate eine berufliche Auszeit nehmen, sind es 40 Prozent, von den anderen 22 Prozent. Jeder Fünfte arbeitet längerfristig kürzer, von den Vätern mit längerem Elterngeldbezug fast jeder Dritte. Die Interviews deuten darauf hin, dass die Elterngeldphase vielen Vätern als “Schnupperkurs” diene, um sich mit Alternativen zur Vollzeit vertraut zu machen, so die SowiTra-Forscher.

Temporäre Nachteile für die Karriere

Langfristige berufliche Nachteile für die Elterngeldväter sind laut der Studie kaum nachweisbar. Mit vorübergehenden Beeinträchtigungen sei allerdings durchaus zu rechnen. Jeder zehnte Befragte berichtet von temporären Auswirkungen auf den Karriereverlauf, wobei die Gefahr mit der Dauer der Elterngeldnutzung ansteigt. Nach der Elterngeldphase erweist sich insbesondere Teilzeit als Karrierehindernis für Väter, die hier die gleichen negativen Erfahrungen wie Frauen machten. Ein beruflicher Aufstieg ist mit Teilzeit anscheinend nach wie vor in den wenigsten Betrieben vereinbar.

Handlungsempfehlungen für eine egalitäre Betriebskultur

Um das Potenzial des Elterngelds noch besser auszuschöpfen, empfehlen die Wissenschaftler, auf eine “vätersensible” und gleichstellungsorientierte Betriebskultur hinzuwirken. Dass männliche Mitarbeiter familiengerechte Maßnahmen in Anspruch nehmen, müsse zur Selbstverständlichkeit werden. Handlungsbedarf bestehe auch bei den Vertretungsmöglichkeiten am Arbeitsplatz. Darüber hinaus seien Angebote zur vorübergehenden Reduzierung und familienorientierten Gestaltung der Arbeitszeit nötig. Denkbar wäre etwa, dass Unternehmen die ElterngeldPlus-Regelung durch eine Aufstockung der Zahlungen noch attraktiver machen. Nicht zuletzt gelte es, geschlechtsspezifische Unterschiede am Arbeitsmarkt abzubauen.

Eine Zusammenfassung der Studie steht zum Download bereit.