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Engagement statt Arbeitssucht

Arbeitssucht führt letztlich eher zu weniger Leistung und Anerkennung und macht krank. Foto: © vchalup/Fotolia.de
Arbeitssucht führt letztlich eher zu weniger Leistung und Anerkennung und macht krank. Foto: © vchalup/Fotolia.de

Der 5. Juli ist den Menschen gewidmet, die vor allem für ihre Arbeit leben und ihr Wohlbefinden von ihrer Leistung abhängig machen. Workaholics arbeiten zuviel und sind permanent erreichbar. Knapp 19 Millionen Deutsche bezeichnen sich selbst als arbeitssüchtig. Ob es sich bei der Selbsteinschätzung jedoch tatsächlich schon um krankhafte Abhängigkeit handelt, ist fraglich. Auch ist Workaholismus offiziell gar nicht als Suchtkrankheit anerkannt, Schätzungen gehen aber von bis zu 500.000 Betroffenen aus.

Überarbeitung hat gravierende Folgen

Wirklich Arbeitssüchtige haben eine zwanghafte Haltung zu Leistung und Arbeit entwickelt, wobei die Dosis immer mehr gesteigert wird, und zeichnet sich durch eine perfektionistische Grundhaltung aus. Wer immer mehr in den Workaholismus hineinrutscht, bekommt Probleme in der Partnerschaft und im Job. Neben psychischen Folgeerscheinungen, etwa Angstzustände und Depressionen, können sich auch körperliche Beschwerden einstellen. Oft geht Arbeitssucht auch mit Tabletten-, Alkohol- und Nikotinmissbrauch einher. Letztlich kann man an Arbeitssucht auch sterben. In Japan bezeichnet man einen plötzlichen Tod durch Überarbeitung als Karōshi. Er wird meist durch einen Herzinfarkt und Schlaganfall herbeigeführt.

Auch Arbeit, die glücklich macht, kann im Übermaß gefährlich sein

Für manche Menschen sei Arbeiten auch sinnstiftend und ein wesentlicher Glücksfaktor und ein Leben am beruflichen Limit könne auch erfüllend sein, sagte Prof. Dr. Kerstin Alfes, Inhaberin des Lehrstuhls für Organisation und Personalmanagement am Berliner Campus der Wirtschaftshochschule > ESCP Europe, in einem Statement anlässlich des Tags der Workaholics. Verschiedene Studien zeigten, dass Arbeit glücklich macht und die Lebenszufriedenheit damit steigt. Jemand der leidenschaftlich seiner Arbeitstätigkeit nachgeht, sei aber natürlich potenziell gefährdet, überengagiert zu sein. Alle Energie ausschließlich in den Job zu stecken, sei sicherlich nicht gesund.

Das richtige Maß durch gute Führung und Mitbestimmung

Unternehmen können ihren Mitarbeitern jedoch dabei helfen, sich zwar zu engagieren, dabei aber ein gesundes Maß zu finden. Alfes führt drei Ansatzpunkte an: Zunächst sei eine gute Mitarbeiterführung sehr wichtig. Der Vorgesetzte müsse zuhören können, die Mitarbeiter ernst nehmen und gute Arbeit loben.

Anerkennung ist der einfachste Weg, um Engagement zu fördern,

so Alfes. Zweitens sollte das Jobprofil der Qualifikation, den Fähigkeiten und den Erfahrungen der Mitarbeitenden entsprechen, sodass diese sich vollständig in die Arbeitstätigkeit einbringen können und sich weder unter- noch überfordert fühlen. Als dritten Faktor nennt Alfes die Identifikation mit dem Unternehmen und dessen Vision. Das Engagement steige auch dann, wenn Mitarbeiter das Gefühl haben, dass ihre Arbeitstätigkeit einen Sinn hat, indem sie anderen helfen, sie unterstützen oder ihnen die Arbeit erleichtern.

Bisher kommt es häufig den HR-Abteilungen zu, die Rolle des Feel-Good-Managers zu übernehmen, dabei ist Engagement eine originäre Führungsaufgabe, die nur als Partnerschaft zwischen HR und den Linienvorgesetzten umgesetzt werden kann,

sagt Kerstin Alfes. Für positiv besetztes Engagement müssten Unternehmen auf ihre Mitarbeiter hören und die Organisationsstruktur auf Mitbestimmung und Austausch ausrichten.

Übrigens, wer den Tag der Workoholics oder Workaholics Day am 5. Juli ins Leben gerufen hat und wann, ist nicht bekannt. Fakt ist nur, dass er einen Tag nach dem amerikanischen Unabhängigkeitstag am 4. Juli stattfindet. Es gibt Vermutungen, dass der Tag der Workaholics mit dem National Labor Relations Act, dem sogenannten Wagner Act, in Verbindung stehen könnte, der am 5. Juli 1935 in den USA verabschiedet wurde. Damit wurde Arbeitnehmern das Recht zugestanden, sich gewerkschaftlich zu organisieren und Löhne und Arbeitsbedingungen kollektiv zu verhandeln.
Menschen, die von ihrer Arbeitssucht loskommen wollen, können sich den > Anonymen Arbeitssüchtigen anschließen, die dem Problem mit dem bewährten Programm der Anonymen Alkoholiker begegnen.

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