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Analyse: aktuelle CEO-Trends

Jennifer Morgan hat im Herbst 2019 den Co-Vorstandsvorsitz von SAP übernommen.
Jennifer Morgan ist bisher die einzige Vorstandsvorsitzende (Co-CEO) eines DAX-Konzerns.
Foto: SAP AG

Weltweit liegt das derzeitige durchschnittliche Alter der CEOs bei 56 Jahre, in Deutschland bei 55 Jahren. Die Verweildauer der aktuellen Unternehmenslenker im Amt beträgt sechs Jahre; hierzulande sind es sieben Jahre. Bei ihrer Berufung waren die derzeitigen Vorstandsvorsitzenden im Schnitt 49,6 Jahre alt, in Deutschland lag das Alter bei 48 Jahren. Das sind Ergebnisse der aktuellen Studie “Route to the top 2019” von > Heidrick & Struggles.
Dafür wurden die Lebensläufe von über 900 CEOs in 16
Industrienationen untersucht. Für Deutschland wurden die
Vorstandsvorsitzenden von DAX und MDAX berücksichtigt.

Ein Posten als CFO ist vor allem in Deutschland das beste Sprungbrett an die Spitze

Die neu berufenen CEOS, die gerade ein Jahr oder kürzer im Amt sind, sind mit 52 Jahren weltweit etwas älter als der bisherige Schnitt – viele Firmen setzten auf Erfahrung, da sie schwierige Zeiten erwarten, so die Studie. Bevor sie die Unternehmenslenkung übernehmen, sind die CEOs hierzulande und auch global durchschnittlich 14 Jahre in der Firma. Zwei Drittel der CEOs weltweit kommen aus dem eigenen Unternehmen, bei den Neuberufungen waren rund drei Viertel interne Kandidaten. Für 18 Prozent der CEOs war das Finanzressort das Sprungbrett für die
Leitung des Unternehmens, in Deutschland waren sogar 29 Prozent vorher
CFOs. 40 Prozent der Unternehmenslenker verfügen über Auslandserfahrung, in Deutschland liegt der Anteil mit 44 Prozent etwas höher. Im internationalen Schnitt sind 19 Prozent der Vorstandsvorsitzenden
Ausländer; hierzulande sind 23 Prozent der CEOs Nicht-Deutsche.

Anteil weiblicher CEOs steigt weltweit von vier auf fünf Prozent

Die Zahl an weiblichen CEOs stieg im letzten Jahr geringfügig von vier auf fünf Prozent. Von den neu berufenen CEOs waren bereits neun Prozent Frauen. Norwegen hat mit 16 Prozent den höchsten Frauenanteil unter den Unternehmenslenkern. Deutschland hingegen befindet sich am unteren Ende dieser Skala. Zum Stichtag der Untersuchung Anfang September 2019 lag der Anteil weiblicher CEOs bei lediglich zwei Prozent mit Antje Leminsky vom MDAX-Unternehmen Grenke und Claudia Hoyer (sie ist COO, ohne dass das Unternehmen einen CEO ausweist) von TAG Immobilien, ebenfalls im MDAX gelistet. Danach wurde Jennifer Morgan zur Co-Vorsitzenden von SAP berufen – die erste Frau an der Spitze eines DAX-Konzerns – und zum 1. Oktober wurde Martina Merz CEO von Thyssenkrupp.

Bei geringer Basis nimmt der Zug, mehr Frauen an der Unternehmensspitze zu installieren, zwar langsam, aber stetig an Fahrt auf. Dies spielt sich vor dem Hintergrund weiter steigender Anforderungen an moderne Unternehmenslenker ab,

sagt Michael Oberwegner, Deutschlandchef von Heidrick & Struggles.

Anteil weiblicher Vorstandsmitglieder im DAX deutlich höher als in MDAX und SDAX

Berücksichtigt man nicht nur die CEOs, sondern alle Vorstandsmitglieder, so ist der Anteil von Frauen in den Chefetagen der DAX-, MDAX- und SDAX-Unternehmen laut einer aktuellen Untersuchung von > EY  in 2019 von 8,3 Prozent auf 9,2 Prozent gestiegen – 2015 betrug er erst fünf Prozent. Im DAX ist der Anteil weiblicher Vorstandsmitglieder mit 14,7 Prozent am höchsten, im MDAX sind es 8,4 Prozent, im SDAX 5,6 Prozent. Dass erstmals ein DAX-Unternehmen von einer Frau geführt werde, sei ein wichtiges Signal, denkt Markus Heinen, Leiter des Bereichs People Advisory Services Deutschland, Österreich und Schweiz bei EY. Es sei zu hoffen, dass andere Unternehmen daraus einen Lerneffekt erzielen.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.

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