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Wie kann Innovation im Team gefördert werden?

Frage an die HR-Werkstatt: Wie können Führungskräfte und HR-Abteilungen Innovationen in Teams fördern?

Es antwortet: Rabea Thies, Head of People & Culture bei Meister, einem Hersteller für Online-Tools zum gemeinsamen Arbeiten und Brainstormen

Stillstand gilt als einer der größten Feinde für Unternehmen. Werden etablierte Denk- und Arbeitsweisen auch angesichts drastischer äußerlicher Veränderungen nämlich nicht angepasst, drohen selbst erfolgreiche Firmen den Anschluss zu verlieren. Die jüngere Geschichte liefert zahlreiche Beispiele dafür – sei es Kodak, Nokia oder Quelle. Nicht umsonst wird Stillstand im digitalen Zeitalter auch als Rückschritt bezeichnet. Doch obwohl der Stellenwert von Innovationen und der Nutzen von Veränderungen von Politikerinnen und Politikern oder in den Medien immer wieder hervorgehoben werden, tut sich manches Unternehmen schwer damit, entsprechend zu handeln.

Damit Betrieben nicht eines Tages die Ideen ausgehen oder sie sich im Allgemeinen schwertun, auf neue Trends zu setzen, braucht es das richtige Arbeitsumfeld. Dieses gibt den Mitarbeitenden Raum für kreative Ideen und fördert somit innovatives Denken und Handeln. Ein solches lässt sich bereits mit kleineren Maßnahmen herstellen.

Aktiv Zeit für Weiterbildung einräumen

Es kann sinnvoll sein, dass Mitarbeitende beispielsweise zehn Prozent der wöchentlichen Arbeitszeit zur eigenen Weiterentwicklung nutzen können. Manchmal reichen ein paar Stunden pro Woche allerdings nicht aus, um sich angemessen mit einem Thema zu beschäftigen. Eine sogenannte Innovation Week kann in solchen Fällen eine gute Alternative sein. Ganz gleich, ob wöchentlich oder alle paar Monate für eine intensivere Session Zeit zur Verfügung gestellt wird: Diese Zeit sollte der einzelnen Person beziehungsweise den jeweiligen Teams gehören und losgelöst vom Arbeitsalltag sein. In diesen Stunden können eine neue Sprache ausprobiert oder Prozesse mit anderen Teammitgliedern neu durchdacht, ein Buch gelesen oder ein Prototyp entwickelt werden. Letzteres gilt etwa für die Engineering-Teams, die die Zeit nutzen können, um neue Modelle und Features zu entwickeln.

Dabei steht der Austausch mit anderen Kollegen und Kolleginnen – auch abteilungsübergreifend – ebenso im Fokus wie die Beschäftigung mit neuen Dingen. Wenn einzelne Mitarbeitende beispielsweise eine Woche an einem neuen Feature gearbeitet haben, kann Ende der Woche auch das gesamte Unternehmen einbezogen werden. Dabei können die Erkenntnisse präsentiert und darlegt werden, aber auch jeder die Chance bekommen, Fragen zu stellen. So ein offener Austausch macht die Arbeit anderer Abteilungen greifbarer. Er fördert aber auch die Transparenz in der Organisation und das Verständnis für die Prioritäten in anderen Unternehmensbereichen und gibt damit wieder neue Impulse für das eigene Arbeiten.

Mit diesen kreativen Auszeiten erreichen Firmen zwei Ziele: Einerseits können sich Teams weiterbilden und kreativ sein, auf der anderen Seite kommen so auch Ideen und Innovationen zustande, die Betrieben auf anderem Wege möglicherweise entgangen wären.

Zeit für gegenseitiges Kennenlernen ermöglichen

Eine andere Möglichkeit, um Innovationen zu fördern, ist ein Retreat, an dem alle Abteilungen teilnehmen. Bei diesem sind alle Teammitglieder an einem Ort, sodass sich auch die Gelegenheit bietet, Kolleginnen und Kollegen aus unterschiedlichen Abteilungen außerhalb des Arbeitsalltags kennenzulernen. Dies hat nicht nur einen positiven Effekt auf den allgemeinen Teamzusammenhalt, sondern erweitert den Blickwinkel auf Bereiche außerhalb des gewohnten Arbeitsumfeldes. Etwa wird ein Bewusstsein für Themen geschaffen, an denen die anderen aktuell arbeiten. Auf diese Weise lassen sich beispielsweise mögliche Schnittstellen identifizieren oder auch ganz einfach Erfahrungswerte austauschen. Es braucht daher den Blick über den eigenen Tellerrand hinaus, um auch den Blick für das größere Ganze zu bekommen.

Wichtig ist, dass solch ein Retreat dazu genutzt werden sollte, um bewusst in anderen Teams oder anderen Konstellationen an Fragestellungen zu arbeiten. Es geht um Knowledge-Sharing zu aktuellen Problemstellungen und kommenden Projekten, genauso wie um die Entwicklung und das Ausprobieren von neuen Ideen, die bisher nicht umgesetzt werden konnten. Oder anders gesagt: Bei einem Firmen-Retreat steht der firmeninterne Austausch im Vordergrund, aus dem sich im Idealfall Synergieeffekte ergeben. Er sollte außerdem als eine bewusste Auszeit vom Büroalltag verstanden werden, der jedem Teammitglied ermöglicht, Neues auszuprobieren.

Mitarbeitenden mehr Freizeit genehmigen  

Durch Pausen ebenso wie räumliche Veränderungen ändert sich der Blickwinkel. Neue Ideen entstehen dadurch deutlich leichter. Deshalb ist es wichtig, dass Führungskräfte und Personalverantwortliche die Mitarbeitenden darin bestärken, Urlaub zu nehmen, um mal richtig abzuschalten. Unternehmen sollten dabei ruhig flexibel sein: Warum nicht mal im Frühling einen zusätzlichen Urlaubstag vergeben, weil das Wetter langsam wärmer wird und damit allen Teammitgliedern die Möglichkeit eines verlängerten Wochenendes geben?

Wenn nämlich alle freihaben, dann minimiert dies die Sorge, etwas zu verpassen oder auf Antworten von anderen Kolleginnen und Kollegen warten zu müssen. Solche scheinbar kleinen Maßnahmen helfen sehr bei der Entspannung und haben eine positive Wirkung: Das Energielevel in der darauffolgenden Woche steigt ebenso wie die Produktivität und Zufriedenheit. Derartige Investments in die Belegschaft bekommen Unternehmen definitiv sofort wieder zurück.

Ideen von Mitarbeitenden aktiv unterstützen und wertschätzen

Um ein innovatives Arbeitsumfeld herzustellen, ist es wichtig, dass alle Mitarbeitenden Ideen einbringen können – egal, ob sie Praktikant beziehungsweise Praktikantin oder Führungskraft sind. Dafür ist eine offene Kultur, die dies unterstützt, zentral. Sie ist die Basis dafür, dass sich Mitarbeitende trauen, eine Idee zu teilen.

Personelle Teamstärke

Schließlich ist das Allerwichtigste, was Führungskräfte bedenken sollten, um Kreativität und Innovationen im Unternehmen zu fördern, genug Mitarbeitende für die jeweiligen Projekte einzuplanen. Und wenn diese nicht vorhanden sind, gilt es klare Prioritäten zu setzen. Denn ist das Team überarbeitet und kann das Tagesgeschäft kaum meistern, hat es weder die Zeit noch die Energie, sich mit Innovation und neuen Ideen zu beschäftigen. 

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