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Investieren Unternehmen zu Corona-Zeiten weniger in Innovation?

Die Corona-Pandemie hat dafür gesorgt, dass Unternehmen weniger stark in Innovation investieren. Dies betrifft einzelne Branchen allerdings unterschiedlich stark. Zu diesem Ergebnisse ist die Innovationserhebung 2021 gekommen, für die das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH (ZEW) Mannheim im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) rund 331.000 Unternehmen befragt hat.

Demnach verzichten elf Prozent der Unternehmen vollständig auf Innovationsprojekte, weitere 13 Prozent stellten einzelne Pläne ein oder entschieden, sie nicht umzusetzen. Gleichzeitig haben elf Prozent der Firmen in zusätzliche Produktinnovationen investiert und zwölf Prozent trieben zusätzliche Prozessinnovationen voran.

Rückgang der Ausgaben für Innovationen um 3,6 Prozent

Was die konkreten Innovationsausgaben betrifft, so hat die deutsche Wirtschaft ihre Innovationsausgaben im ersten Jahr der Corona-Krise um 3,6 Prozent auf 170,5 Milliarden Euro reduziert. Der Industriesektor, der generell hohe Innovationsausgaben hat, verringerte sein Budget um 4,8 Prozent, während die Dienstleistungsbranche ihre Ausgaben gegenüber 2019 nicht veränderte. Da der Industriesektor jedoch deutlich höhere Innovationsausgaben verzeichnet (2020 waren es 126,8 Milliarden Euro) als der Dienstleistungssektor (43,7 Milliarden Euro), bestimmt maßgeblich die gesamtwirtschaftliche Entwicklung, so das ZEW. Branchen mit erhöhten Innovationsausgaben waren technische, Informations- und Kommunikationsdienstleistungen sowie die Chemie- und Pharmaindustrie. Besonders starke Rückgänge meldeten dagegen die Branchengruppen Beratung/Werbung, Ver- und Entsorgung/Bergbau, Metallindustrie, Kunststoffverarbeitung und Großhandel/Transport. Der Fahrzeugbau, dessen Anteil an den gesamtwirtschaftlichen Innovationsausgaben 2020 fast ein Drittel (30,1 Prozent) ausmachte, reduzierte sein Budget um immerhin sieben Prozent.

Krise trifft vor allem Mittelstand und Kleinbetriebe

Während die Großunternehmen ihre Innovationsausgaben 2020 im Schnitt um 4,4 Prozent senkten, gaben KMU 0,3 Prozent mehr aus als im Vorkrisenjahr. Allerdings rechnen die Großunternehmen für 2022 mit einem Anstieg von knapp drei Prozent und KMU gehen von einem Rückgang von acht Prozent aus. Die Krise hinterlasse im Mittelstand und bei den kleinen Betrieben offenbar stärkere und langfristigere Spuren, so die Studie.

Innovationsintensität und Innovatorenquote nahezu gleichgeblieben

Neben den Ausgaben für Innovationen untersuchte die Studie auch die Innovationsintensität, den Anteil der Innovationsausgaben am Umsatz. Sie blieb 2020 mit 3,3 Prozent auf dem Vorjahresniveau. Das bedeutet, dass die Innovationsausgaben im selben Ausmaß verringert wurden, wie die Umsätze zurückgingen. Die Innovatorenquote – der Anteil der Unternehmen mit Produkt- oder Prozessinnovationen – ist im ersten Krisenjahr minimal von 55 auf 56 Prozent angestiegen. Die höchsten Innovatorenquoten wiesen die Chemie- und Pharmaindustrie und die Elektroindustrie mit jeweils 79 Prozent auf – Branchen, die mit am meisten von der Krise profitieren.

Digitalisierung als Impulsgeber

Ein weiteres Befragungsergebnis ist, dass die Unternehmen auf die Krise strategisch in erster Linie mit einer verstärkten Digitalisierung reagiert haben. 50 Prozent der befragten Firmen gaben dies an, davon nannten 37 Prozent die Digitalisierung als dauerhafte Reaktion. Außerdem hat fast ein Drittel der Firmen (31 Prozent) digitale Produkt- und Dienstleistungsangebote sowie Vertriebswege ausgeweitet, was für 24 Prozent dauerhaft beibehalten werden soll. Dieser Digitalisierungsschub habe trotz der insgesamt verringerten Ausgaben in vielen Unternehmen zusätzliche Innovationsaktivitäten angestoßen und sei dafür ein wesentlicher Treiber, so die Studie.

Die vollständige Studie steht hier zum Download bereit.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.

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