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Jeder sechste Mitarbeiter fürchtet sich

Digitalisierung, mir graut vor dir - das sagen vor allem die jüngeren Mitarbeiter.
Foto: © Syda Productions/Fotolia.de
Digitalisierung, mir graut vor dir – das sagen vor allem die jüngeren Mitarbeiter.
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Bei den Führungskräften hegen sogar noch etwas mehr solche Ressentiments.

Zunächst setzt die Digitalisierung der Arbeitswelt erst einmal Unternehmen unter Druck: 93 Prozent der Entscheider hierzulande stimmen dem Argument zu, dass nur durch digitale Fähigkeiten die Marktposition ausgebaut werden kann. Knapp sieben von zehn Führungskräften attestieren ihrem Unternehmen Nachholbedarf gegenüber Mitbewerbern.

Führungskräfte und jüngere Mitarbeiter am skeptischsten

Gleichzeitig löst der digitale Wandel bei einigen Mitarbeitern Angst aus: 17 Prozent aller Beschäftigten in deutschen Unternehmen geben dies an. Jeder Fünfte (20 Prozent) sagt, dass es ihm vor der Einführung neuer Digitaltechnologien graut. Bei Führungskräften ist diese Haltung sogar mit 22 Prozent anzutreffen. Das lässt sich damit erklären, dass sie für die Umsetzung der damit verbundenen Ablauf- und Organisationsveränderungen verantwortlich sind. Erstaunlich ist jedoch, dass der Anteil der Mitarbeiter unter 30, die diese Bedenken teilen, mit 27 Prozent noch höher liegt. Deutlich weniger Digitalisierungsvorbehalte (14 Prozent) haben dagegen die 40- bis 50-Jährigen. Zu diesen Ergebnissen kommt die aktuelle Studie “Digitale Überforderung im Arbeitsalltag” von Sopra Steria Consulting. Dafür wurden im Juli 2016 insgesamt 211 Angestellte und Führungskräfte aus Unternehmen verschiedener Branchen (darunter keine IT-Dienstleister und Beratungsunternehmen) mit mehr als 500 Mitarbeitern befragt.

Ursache für die verbreitete Skepsis gegenüber digitalen Lösungen ist in den meisten Fällen Unsicherheit hinsichtlich der konkreten Auswirkungen auf den eigenen Arbeitsplatz,

kommentiert Matthias Frerichs, Senior Manager Digital Banking bei Sopra Steria Consulting, die Studienergebnisse. Dass die jungen Mitarbeiter trotz ihrer digitalen Sozialisation neuen Technologien im Arbeitsalltag mit gemischten Gefühlen entgegensehen, erklärt sich laut Studie damit, dass viele Digitalisierungsinitiativen die Usability-Ansprüche dieser Generation noch nicht erfüllen. Wer im privaten Alltag ganz selbstverständlich Facebook und WhatsApp nutze, sei nicht zu begeistern, wenn im Unternehmen gerade erst die Fax-Geräte abgeschaltet würden. Die 40- bis 50-Jährigen aber hätten im Lauf ihres Berufslebens anscheinend gelernt, dass die Umstellung eingefahrener Prozesse infolge technischer Neuerungen vorteilhaft für ihre alltägliche Arbeit sei.

Jedem Sechsten ist das Warum nicht klar

Gut jeder sechste Studienteilnehmer (17 Prozent) räumt ein, nicht zu verstehen, warum er bestimmte digitale Hilfsmittel überhaupt einsetzen soll. Führungskräfte sieht Matthias Frerichs daher in der Pflicht, ihren Mitarbeitern die Digitalisierungsziele so konkret wie möglich zu vermitteln und die Belegschaft rechtzeitig auf die damit verbundenen Prozessveränderungen vorzubereiten. 21 Prozent aller Befragten geben darüber hinaus an, mit digitalen Hilfsmitteln weniger konzentriert und effektiv zu arbeiten; auch hier sind es bei den unter 30-Jährigen mehr (33 Prozent).

Permanente Erreichbarkeit als negative Folge der Digitalisierung

Eine Entwicklung, die durch die steigende Verbreitung digitaler Technologien im Arbeitsalltag gefördert wird, ist die permanente Erreichbarkeit. So geben rund zwei Drittel der Befragten (65 Prozent) an, für Kunden, Kollegen und Vorgesetzte permanent und in knapp vier von zehn Fällen sogar nach Feierabend erreichbar sein zu müssen. Am meisten betroffen sind hier Führungskräfte mit 68 Prozent und die Altersgruppe zwischen  30 und 40 Jahren am Beginn der Karriere (76 Prozent)..

Qualifizierungsinitiativen nehmen zu

Wenn sie mit neu eingeführten Digitaltechnologien nicht zurechtkommen, können fast neun von zehn Befragten auf Spezialisten im Unternehmen zurückgreifen. Die Information bezüglich neuer Technologien erfolgt für knapp zwei Drittel der Mitarbeiter großer Unternehmen durch Kollegen und nicht durch externe Fachleute. Dass es hier bisweilen auch Defizite bei der Deckung des Wissensbedarfs gibt, sagen vergleichsweise häufig die unter 30-Jährigen. 37 Prozent der Mitarbeiter insgesamt geben an, dass sie erst eine Schulung benötigen, bevor sie ein neues digitales Tool einsetzen. Ein gutes Viertel der Beschäftigten nutzt jedoch private Bildungsangebote oder erwirbt autodidaktisch im Beruf benötigte digitale Fähigkeiten und Kenntnisse. Inzwischen bauen aber immer mehr Unternehmen in ihrer Belegschaft digitale Kompetenzen auf: Knapp 60 Prozent der Befragten haben bereits innerbetrieblich eine entsprechende Weiterbildung absolviert – unter den Führungskräften sind es zehn Prozent mehr. Fast 90 Prozent der Führungskräfte sehen in betrieblichen Fortbildungsinitiativen die wichtigste Quelle für digitales Wissen und Können.

Eine Zusammenfassung der Studie kann > hier zum Download angefordert werden.