Krankenstand 2026: Psychische Erkrankungen erstmals häufigste Ursache für Fehlzeiten

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Erstmals sind psychische Erkrankungen die Hauptursache für Fehlzeiten der Mitarbeitenden in Deutschland. Das geht aus der DAK-Gesundheitsanalyse für das erste Halbjahr 2026 hervor, für die das Berliner IGES Institut Daten von rund 2,2 Millionen erwerbstätigen Versicherten der DAK ausgewertet hat.  

Meldeten sich bisher die meisten Beschäftigten in der Bundesrepublik aufgrund von Atemwegsbeschwerden krank, tun sie es nun wegen psychischer Leiden. Zumindest, was die Anzahl der Fehltage angeht.  

21 Prozent weniger Fehltage aufgrund von Atemwegserkrankungen

Für das erste Halbjahr 2026 verzeichnet die DAK-Gesundheit einen Rückgang der Fehltage aufgrund von Atemwegserkrankungen um 21 Prozent auf 175 Krankentage pro 100 Versicherte. Bei den psychischen Erkrankungen dahingegen ist der Wert um neun Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 auf 184 Fehltage pro 100 Versicherte gestiegen. Auf dem dritten Platz bleiben unverändert Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems mit 174 Fehltagen pro 100 Versicherten. 

Der Gesundheitsreport 2026 von der Barmer-Krankenkasse zeichnet ein ähnliches Bild: Zwar sind psychische Erkrankungen dort nicht die Haupttreiber für die Zahl der Krankschreibungen, sondern weiterhin Atemwegserkrankungen, allerdings führen psychische Leiden zu den längsten Ausfallzeiten. So entfiel im vergangenen Jahr ein Fünftel aller krankheitsbedingten Fehltage auf psychische Erkrankung und Verhaltensstörungen. Im Durchschnitt dauerte die einzelne Krankschreibung aufgrund psychischer Erkrankungen im Schnitt 40 Tage pro Fall. 

Welche psychischen Erkrankungen dabei genau die Krankheitstage in die Höhe treiben, geht aus den Reporten der Krankenkassen nicht direkt hervor. Zahlen der Deutschen Gesellschaft für Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde vom Juni 2025 bieten hier weitere Erkenntnisse: Demnach sind in Deutschland jährlich 27,8 Prozent der erwachsenen Menschen von einer psychischen Erkrankung betroffen. Darunter befinden sich in erster Linie Angststörungen, Depressionen sowie Störungen durch Alkohol- und Medikamentengebrauch. 

Krankenstand in Deutschland sinkt im ersten Halbjahr 2026  

Davon abgesehen zeigt die DAK-Gesundheitsanalyse eine positive Entwicklung: der Krankenstand in Deutschland ist im ersten Halbjahr 2026 erstmals seit Mitte der 2000e-Jahre leicht gesunken. Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2025 sank er um 0,1 Prozentpunkte auf 5,3. Somit waren in den ersten sechs Monaten dieses Jahres täglich im Durchschnitt etwa 53 von 1.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern krankgeschrieben.  

„Der leichte Rückgang beim Krankenstand ist erfreulich“, sagt DAK-Vorstandschef Andreas Storm. „Unsere Analyse zeigt, wie schnell sich Fehlzeiten durch das reale Krankheitsgeschehen nach oben oder unten entwickeln können.“ So hatte es etwa in der Corona-Pandemie  durch die Schutzmaßnahmen weniger Atemwegserkrankungen gegeben. Nach der Pandemie gab es wieder einen Anstieg, da sich das Immunsystem vieler Menschen wieder an die Viren gewöhnen musste, denen man etwa aufgrund von Abstandsregelungen längere Zeit nicht mehr ausgesetzt gewesen war. Von 2021 auf 2022 hatte es zudem einen sprunghaften Anstieg der Fehlzeiten gegeben, der aber größtenteils auf die Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung zurückzuführen ist.  

Die durchschnittliche Krankschreibungsdauer ist nach Angaben der DAK-Analyse hingegen minimal gestiegen. Sie lag im ersten Halbjahr im Durchschnitt bei 9,7 Tagen. Im ersten Halbjahr 2025 lag der Wert noch bei 9,5 Tagen.  

Altersgruppen: Jüngere Beschäftigte seltener krank – Ältere häufiger und länger 

Beim Blick auf die unterschiedlichen Altersgruppen zeigen sich starke Unterschiede: Während die Krankenstände bei Beschäftigten unter 55 Jahren durchweg sanken, entwickelten sie sich bei Älteren in die entgegengesetzte Richtung. 

Der stärkste Rückgang verzeichnete sich bei den jüngsten Erwerbstätigen. Bei den 15- bis 19-Jährigen sowie den 20- bis 24-Jährigen fiel der Krankenstand um jeweils 0,3 Prozentpunkte. Eine Indeed-Umfrage von Dezember 2025 zeigt, dass Präsentismus bei jüngeren Generationen, insbesondere der Gen Z, eine große Rolle spielt. Sie gehen oft lieber krank zur Arbeit aus Sorge, andernfalls die eigenen Karrierechancen zu beeinträchtigen oder weil sie glauben, dass ihre Führungskraft das erwarte. Bei den über 60-Jährigen stieg der Krankenstand hingegen um 0,3 Prozentpunkte. Hier hat nicht die Zahl der Krankmeldungen zugenommen, sondern deren Dauer. 

Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag: Löst sie das Problem? 

Die aktuellen Entwicklungen des Krankenstands passen nur bedingt zu den politischen Diskussionen zu Fehlzeiten in Deutschland. Die Bundesregierung will in ihren Augen die zu hohen Fehlzeiten der Beschäftigten in Deutschland durch Maßnahmen senken. Eine viel diskutierte Maßnahme ist dabei die Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag.  

Dabei stellt sich für viele Expertinnen und Experten die Frage, ob die neue Attestpflicht das Ziel, Fehlzeiten zu verringern, überhaupt erreicht. Wer sich bereits für einen einzigen Krankheitstag beim Arzt vorstellen muss, werde möglicherweise direkt für eine ganze Woche krankgeschrieben, damit weder die Praxis noch der Patient oder die Patientin unnötig belastet werden. Christian Lorenz, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Personalführung (DGFP), warnt etwa, dass dies dann den gegenteiligen Effekt haben könnte: höhere Krankenstände. 

Die aktuellen Daten der DAK-Gesundheit zeigen zudem, dass das eigentliche Problem womöglich woanders liegt: bei den Langzeiterkrankungen statt den kurzweiligen Krankheiten wie Erklärungen oder Magen-Darm-Infektionen. Sie gehen oft mit längeren Ausfallzeiten einher. Fraglich bleibt damit, ob eine Attestpflicht ab dem ersten Tag Fehlzeiten tatsächlich reduziert.   

Handlungsbedarf für Arbeitgeber und HR: Betriebliche Gesundheitsförderung rückt in den Fokus 

Um Mitarbeitende mit Langzeiterkrankungen besser wieder in die Arbeitswelt integrieren zu können, gab es allerdings auch einen politischen Vorschlag: die Teilkrankschreibung. Angesichts der aktuellen Zahlen begrüßt DAK-Chef Andreas Storm die geplante Präventionsoffensive von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU). 

Sie hatte die Initiative am vergangenen Donnerstag in Berlin vorgestellt. Ziel ist es, das Präventionsgesetz von 2015 weiterzuentwickeln. Besonders relevant für Personalverantwortliche: Künftig sollen kleine und mittlere Unternehmen stärker bei der betrieblichen Gesundheitsförderung unterstützt werden. Wie das konkret aussehen soll, ist allerdings noch nicht klar. 

So können Mitarbeitende mit psychischen Erkrankungen unterstützt werden:  

  • Mitarbeitende zur „First Aiders“ ausbilden. Sie können als erste Ansprechpersonen für Betroffene dienen und sie weitervermitteln.  
  • Eine Unternehmenskultur kreieren, in der offen und vorurteilsfrei über mentale Gesundheit gesprochen wird und die sich möglichst flexibel an die Bedürfnisse mental beeinträchtigter Menschen anpasst.  

Mara Marx ist Volontärin bei der Personalwirtschaft.