Lufthansa baut ab: 5 Tipps, wie Unternehmen richtig sparen

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Durch den Irankrieg, die massiv gestiegenen Kerosinpreise und die aktuellen Streiks ist der Kostendruck auf die Lufthansa gestiegen Daher hat der Konzern umfassende Sparmaßnahmen beschlossen. Nicht nur will er sein Angebot für die Fluggäste reduzieren und einige Flugzeuge aus dem Verkehr nehmen – insbesondere solche, die kurz vor dem Ende ihrer technischen Einsatzfähigkeit stehen und vergleichsweise hohe Betriebskosten haben.

Des Weiteren soll der Betrieb der Tochtergesellschaft Cityline mit sofortiger Wirkung eingestellt werden, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen freigestellt werden, wie das Handelsblatt erfahren hat. Aber damit nicht genug: Auch hat der Konzern Sparvorgaben für Stellenbesetzungen, interne Veranstaltungen und externe Beratungsleistungen verkündet. Dadurch will er die administrativen Kosten reduzieren. Das teilte die Lufthansa in einer Pressemitteilung mit. Die Maßnahmen flankieren das bestehende Abbauziel von konzernweit 4.000 Stellen in der Verwaltung bis 2030.

Lufthansa schickt offenen Brief an Belegschaft

Über den Umfang weitergehender Maßnahmen, die der Vorstand von Lufthansa gegenüber der Belegschaft in einem offenen Brief geäußert haben soll, wie das Handelsblatt berichtete, gibt der Konzern auf Nachfrage der Personalwirtschaft keine Auskunft. Er bestätigte jedoch, dass aufgrund der aktuellen Lage Kostendisziplin geübt werden müsse, also nicht unbedingt notwendige Ausgaben vermieden werden sollten. Das Handelsblatt hatte beispielsweise erwähnt, dass der Konzern unter anderem Kürzungen bei den Budgets für Dienstreisen und Weiterbildungen vornehmen wolle.

Lufthansa-Restrukturierung: Sparmaßnahmen gut erklären

Ob es sinnvoll ist, bei den Weiterbildungskosten zu sparen, müssen Unternehmen grundsätzlich gut abwägen, denn Weiterbildungen sind langfristig notwendige Investitionen. Das betont Andreas Schmitz, Geschäftsführer des Dienstleisters B&H Digital. Sein Unternehmen bietet IT-Tools an, die Unternehmen unter anderem bei der Steuerung von Personalumbauvorhaben unterstützen.

Schmitz gibt aber auch zu bedenken: „Weiterbildungen sind nur dann effektiv, wenn sie sinnvoll geplant und auf die Ziele und Zukunft von Person und Unternehmen einzahlen. Falls das nicht der Fall ist, kann ein vorübergehendes Pausieren durchaus sinnvoll sein.“ Er rät allerdings, die Maßnahmen nicht pauschal zu pausieren, sondern die Verantwortung den direkten oder übergeordneten Führungskräften mit Budgetverantwortung zu überlassen und gegebenenfalls das Budget zu reduzieren. Grundsätzlich sei es richtig, so Schmitz, „alle Optionen zu prüfen und nicht direkt den Holzhammer zu ziehen und Stellen abzubauen.“

Restrukturierung: HR muss viel erklären

Unternehmen, die sparen müssen, rät der IT-Experte, zwei Perspektiven zu berücksichtigen, damit die Maßnahmen effizient sind: „Erstens braucht es oft sichtbare Maßnahmen, die auch als Signal der notwendigen Veränderung dienen. Diese sollen den Handlungszwang untermalen und direkt Wirkung erzielen. Zweitens liegt häufig viel Potenzial an Einsparungen brach.“ Um dieses zu heben, sollten Unternehmen die Belegschaft einbeziehen, denn diese kenne vor allem in ihrem direkten Arbeitsumfeld mögliche Einsparpotenziale. Er empfiehlt daher, die Belegschaft aktiv aufzufordern und ihr zu erlauben, „die vielen kleinen Verbesserungen und Sparpotenziale direkt am Arbeitsplatz anzugehen“.

Wichtig sei bei Restrukturierungen zudem, viel zu erklären: „Wenn alle die Gründe verstehen und nachvollziehen können, kann sich auch eine Zeit der Sparmaßnahmen positiv auf die Kultur auswirken, vor allem wenn durch sinnvolle Maßnahmen, die wirklich einschneidenden Interventionen vermeiden werden“, so Schmitz.

Darüber hinaus ist es aus seiner Sicht sinnvoll, „eine ganzheitliche und übergeordnete Koordination“ zu etablieren und die Führungskräfte zu befähigen. „Die nachhaltigsten Optimierungen kommen immer aus der direkten Verantwortung der Führungskräfte mit ihren Mitarbeitenden. Dies bedarf der bewussten Befähigung und Übertragung von Verantwortung“, stellt Schmitz fest.

5 Tipps hat unser Experte für effiziente Sparmaßnahmen

  • Sichtbare Maßnahmen umsetzen – als Signal der notwendigen Veränderungen.
  • Belegschaft aktiv auffordern, in ihren Bereichen Sparpotenzial zu identifizieren und kleine Verbesserungen anzugehen.
  • Viel erklären, damit alle die Gründe der Restrukturierung verstehen und nachvollziehen können; das kann einen positiven Effekt auf die Unternehmenskultur haben, vor allem wenn Stellenabbau verhindert werden kann.
  • Restrukturierungsmaßnahmen übergeordnet koordinieren.
  • Übertragung von Verantwortung auf die Führungskräfte, da die nachhaltigsten Optimierungen aus der direkten Verantwortung der Führungskräfte mit ihren Mitarbeitenden kommen

Auch bei einem anderen deutschem Konzern kommt es aktuell zu starken Eruptionen. Bei einer VW-Tochter kam es zu einem erheblichen Datenschutzverstoß, der Krankschreibungen von 600 Mitarbeitenden betrifft. Die Behörden wurden informiert.

Kirstin Gründel beschäftigt sich mit den Themen Compensation & Benefits, Vergütung und betriebliche Altersvorsorge. Zudem kümmert sie sich als Redakteurin um das Magazin "Comp & Ben". Sie ist redaktionelle Ansprechpartnerin für das Praxisforum Total Rewards.