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Ein Wandel der Unternehmenskultur muss her

Bild der Veranstaltung
Foto: Kolja Matzke

Diese luden Experten ein, um in einem offenen Meinungsaustausch nach Lösungen und neuen Handlungswegen für die Thematik psyschische Gesundheit am Arbeitsplatz zu suchen. Die Teilnehmer erlebten eine anregende und aktive Veranstaltung. Moderiert wurde das Event von Frank Hauser, Geschäftsführer von Great Place to Work.

Psychische Erkrankungen – steigende Fallzahlen

Es ist schon mutig, eine Veranstaltung mit der Frage einzuläuten: Warum dringen wir mit unseren Bemühungen nicht durch? Ein Eingeständnis an Hilflosigkeit, angesichts der bisherigen Anstrengungen. Denn schaut man auf die Zahlen, so stehen psychische Erkrankungen und Verhaltensstörungen auf der Hitliste der Ursachen von Krankheiten am Arbeitsplatz immer noch ganz oben. Mit 109 Millionen Arbeitsunfähigkeitstagen, steht die psychische Erkrankung auf Platz zwei hinter Muskel- und Skeletterkrankungen. Oft ist sie die Ursache für eine Frühverrentung. Die Menschen, die es betrifft sind jung, im Durchschnitt 48 Jahre alt. Für das Bundesarbeitsministerium bietet sich hier ein großer Handlungsauftrag. Mit der Veranstaltung in Köln soll die wichtige Bedeutung dieses Themas einmal mehr hervortreten.

Das Bild der Gesundheit

Die Teilnehmer diskutierten impulsiv und steuerten auf zwei wichtige Aspekte zu: Zum einen, wo liegen die Gründe der Erfolglosigkeit, wenn es um die Durchdringung der Bemühungen im Unternehmen geht und zum anderen, wo liegen sie außerhalb des Unternehmens? In einem offenen Meinungsaustausch, dem sogenannten Fishbowl-Format, tragen ausgewählte Redner ihre Meinung vor und Zuhörer aus dem Publikum kommen unaufgefordert nach vorne und wohnen der Diskussion bei.

Die Erkenntnis, dass die Akteure im betrieblichen Kontext nicht das erreicht haben, was sie sich vorgestellt haben, ist grundlegend. Doch muss man sich auch fragen, wie überhaupt der Aspekt der Gesundheit in Unternehmen behandelt wird. Hier ist im Vorfeld eine Studie relevant, die von der PsyGa-Teilnehmerin und Unternehmensberaterin Kristine Dahlhaus durchgeführt wurde. “Das Ergebnis der Studie ist, dass wir unter dem Label Gesundheit über unterschiedliche Dinge sprechen. Wir haben zwei unterschiedliche Bilder von Gesundheit gefunden: Einmal im Sinne von Leistungskraft und einmal im Sinne von Lebendigkeit. Je nachdem welches Bild im Vordergrund steht, handelt ein Unternehmen auf verschiedene Weise”, so Dahlhaus.

Transformation zur besseren Führungskultur

Nicht nur das Thema der Studie lässt die Experten der PsyGA-Arena konstruktiv diskutieren, sondern auch die Frage, warum es so schwer fällt Unternehmensführer bei deisem Thema mit ins Boot zu holen. Und hier sind sich die Teilnehmer der PsyGA-Arena einig: Viele Geschäftsführer tun sich schwer mit dem Thema psychische Gesundheit. Oft ist auch eine starre Unternehmenskultur das Problem, bei der erfolgreiche Maßnahmen nicht greifen können.

Das sieht auch Peer-Oliver Villwock, Leiter der Abteilung Arbeitsschutz beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales, so: “Wichtig ist, dass Unternehmen immer weniger auf Top-down-Prozesse vertrauen. Es braucht Entscheidungsprozesse, bei denen alle Beteiligten im Unternehmen miteinbezogen werden. In der neuen Arbeitswelt liegt das Wissen nicht mehr alleine an der Spitze des Unternehmens, das Wissen ist auf viele Köpfen im Unternehmen verteilt.” Villwock macht hier deutlich, dass eine agile Unternehmenskultur besser darauf vorbereitet ist, sich der Frage nach der psychischen Gesundheit ihrer Mitarbeitenden zu stellen als konservative und traditionsbewusste Firmen.

Tatsache ist, dass viele Unternehmen oft verunsichert sind, welche Präventionsstrategien für eine gesunde Arbeit 4.0 sinnvoll und praktikabel sind. “Das ist auch eine Frage nach dem Reifegrad eines Unternehmens, der sogenannte Präventionsreifegrad. Unternehmen müssen im Kopf langsam dahin kommen, dass die psychische Gesundheit ihrer Mitarbeiter langfristig nur ein Gewinn sein kann”, so Dr. Julia Schröder, Abteilungsleiterin Gesundheitsförderung bei der BKK.

Das Thema psychische Gesundheit schmackhaft machen

Den meisten Geschäftsführern fehlt es an Expertise, um Maßnahmen zu entwickeln und umzusetzen, die einer psychischen Erkrankung ihrer Mitarbeiter entgegenwirken können. Viele Entscheider nehmen dieses Thema aber auch gar nicht wahr. Und wenn es wahrgenommen wird, scheitert eine Umsetzung häufig an der Angst, etwas loszutreten, das mit Forderungen und Kosten einhergeht.

Da versteht es sich von selbst, dass Anreize für Unternehmen geschaffen werden müssen. Das sehen auch die Anwesenden der psyGA-Arena so. Im weiteren Verlauf der Veranstaltung gingen die Teilnehmer bewusst auf die Problemanalyse ein, die in einem anschließenden Ideenlabor mündete. So ist die zentrale Frage, wie die psychische Gesundheit in der Arbeitswelt zukünftig besser geschützt und gestärkt werden kann.

Die eingebrachten Ideen reichten von einer besseren Zusammenarbeit und Kommunikation aller Stakeholder über explizitere Nutzenargumente für Entscheider in Betrieben hin zu Entstigmatisierungs-Kampagnen. So müsse Unternehmen Anreize geboten werden, um Maßnahmen einzuführen, heißt es. Für die Experten der Veranstaltung ist auch ein weiterer Punkt von eminenter Bedeutung: die Motivation des Managements, um gesundheitsförderliche Maßnahmen einzuführen, die für den Mitarbeitenden attraktiv und nützlich sind.

Bei der Durchdringung außerhalb des Unternehmens, sticht folgendes hervor: die Netzwerkarbeit. So erklärt André Große-Jäger, Referatsleiter im Bundesministerium für Arbeit und Soziales: “Alle überbetrieblichen Akteure müssen mit dem gleichen Wording auf die Betriebe zugehen. Das überzeugt mehr. Da ist eine neue Strategie wichtig, um die Bündelung aller überbetrieblichen Akteure voranzutreiben. Und dabei müssen wir helfen”.