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Stress am Arbeitsplatz muss nicht zwingend belastend sein

Wer Unterstützung von Vorgesetzten und Kollegen bekommt, ist weniger gestresst.
Foto: © Focus Pocus LTD/Fotolia.com
Wer Unterstützung von Vorgesetzten und Kollegen bekommt, ist weniger gestresst.
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Jeder zweite Berufstätige hierzulande fühlt sich oft unter starkem Termin- und Leistungsdruck. An digitalen Arbeitsplätzen sind es noch etwas mehr. Dennoch sind die meisten Deutschen mit ihrer Arbeit zufrieden und empfinden die Anforderungen nicht zwingend als belastend, wie eine Studie zeigt. Danach bietet die Digitalisierung sogar Vorteile, außerdem kommt es auf das Arbeitsumfeld an.

Für viele Beschäftigte gehören das Arbeiten mit modernen Techniken und die ständige Erreichbarkeit per E-Mail zum Arbeitsalltag. Mitarbeiter von heute müssen aufgeschlossen für Neues sein, über Anpassungsbereitschaft verfügen und es wird von ihnen mehr Eigenorganisation und -verantwortung verlangt. Entsprechend empfindet die Hälfte starken Druck. An digitalen Arbeitsplätzen, an denen Mitarbeiter mit dem Internet und vernetzt mit Kollegen und Geschäftspartnern arbeiten, verspüren sogar sechs von zehn Arbeitnehmern starken Zeit- und Leistungsdruck. Rund 13 Prozent der Beschäftigten geben an, dass die ihnen zur Verfügung stehende Zeit zur Erledigung ihrer Aufgaben nur selten oder nie ausreicht. Das zeigt eine aktuelle Auswertung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln) der jüngsten BIBB/BAuA Erwerbstätigenbefragung 2012.

Neun von zehn Arbeitnehmern sind trotz Termin- und Leistungsdruck zufrieden

Dennoch ist die überwiegende Mehrheit – 89,9 Prozent – der Arbeitnehmer, die unter starken Termin- und Leistungsdruck stehen, zufrieden. Bei jenen, die nur manchmal Termin- und Leistungsdruck haben, sind 94,7 Prozent zufrieden, lediglich knapp fünf Prozent mehr. Ob sich Mitarbeiter durch den Druck und die Digitalisierung belastet fühlen, hängt stark von der jeweiligen Person und dem Arbeitsumfeld ab.

Das Arbeitsumfeld und Unterstützung wirken stressmindernd

Stressmindernd wirkt laut der Studie, wenn Kollegen und Vorgesetzte unterstützen, wenn Mitarbeiter ihre Arbeitsmenge und Pausenzeiten selbst beeinflussen und private Belange bei der Planung der Arbeitszeit berücksichtigen können. Und wenn sie mit ihrem Einkommen und ihren Aufstiegschancen zufrieden sind.

Die Stressbelastung wird durch andere Dinge am Arbeitsplatz kompensiert,

erklärt Oliver Stettes, Co-Autor der Studie.

Vor allem Mitarbeiter, die vernetzt und mit dem Internet arbeiten, haben größere Handlungsspielräume, erfahren mehr soziale Unterstützung und Anerkennung, so die Studie. Diese drei Faktoren können den Umgang mit unterschiedlichen psychischen Anforderungen am Arbeitsplatz unterstützen. Die Digitalisierung mit flexiblen Arbeitszeiten und -orten biete sogar eher Chancen als Risiken, sie ermögliche es Mitarbeitern, sich über räumliche Grenzen hinweg zu vernetzen, Teamarbeit und das Gemeinschaftsgefühl würden gestärkt. Zudem böten diese Jobs häufig attraktive Konditionen mit Zukunftspotenzial.

Gefragt sind die Personaler, keine neuen Antistress-Gesetze

Handlungsbedarf beim gesetzlichen Arbeitsschutz lässt sich aus der Befragung nach Ansicht der Studienautoren nicht ableiten. Eine gesetzliche Antistress-Verordnung sei nicht nötig. Durch Verordnungen könne der Gesetzgeber die Stressfaktoren nicht beeinflussen, so Stettes, schließlich würden sie von den Mitarbeitern unterschiedlich wahrgenommen. Gefragt sei vielmehr das Personalmanagement der Unternehmen. Die Personalarbeit sollte im Blick haben, wie Mitarbeiter die Bedingungen am Arbeitsplatz erleben und bewerten und Arbeitgeber sollten individuell auf die Bedürfnisse ihrer Beschäftigten eingehen und sie unterstützen.

Der Bericht über die Studie “Bewältigung von Stress in einer vernetzten Arbeitswelt – Befunde aus der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung” von Andrea Hammermann und Oliver Stettes ist in den IW-Trends 2.2015 veröffentlicht und steht > hier zum Download bereit.

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