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Wie geht es den Millennials und der Generation Z?

Eine Studie hat weltweit nachgefragt, wie das Stimmungsbild der jüngsten Arbeitnehmerinnen und Arbeitneher nach einem Jahr Corona-Krise aussieht. Ein Ergebnis: Fast jeder zweite Vertreter der Generationen X und Y findet, dass sein Arbeitgeber nicht genug getan hat, um das psychische Wohlergehen der Mitarbeitenden zu unterstützen.

Gestresste Generation Y
Die Corona-Krise bringt vor allem für die junge Arbeitsmarktgeneration Zukunftssorgen mit sich. Foto: © lordn-stock.adobe.com

Anfang 2020, vor Corona, hatte das Stressniveau junger Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer einen alarmierenden Stand erreicht. Nach einem Jahr ist das Level trotz der Krise nicht gestiegen, allerdings haben sich die Ursachen etwas geändert und viele denken mit Sorge an ihre berufliche und finanzielle Zukunft.

Wie bereits seit zehn Jahren hat Deloitte auch 2021 den “Global Millennial and Gen Z Survey” erhoben. Für die aktuelle Ausgabe wurden im Januar und Februar weltweit 22.928 junge Menschen zur aktuellen Lebens- und Arbeitssituation befragt. Zur Generation Y, auch Millennials genannt, gehören die Jahrgänge von 1983 bis 1994, zur Generation Z die von 1995 bis 2003 Geborenen.

40 Prozent fehlt psychische Unterstützung vom Arbeitgeber

Mehr als sechs von zehn der Studienteilnehmer gaben an, dass ihre Arbeitgeber im vergangenen Jahr flexible Arbeitszeiten und Urlaubs- oder Krankheitsregelungen angeboten haben. Etwa ebenso viele sind mit den Maßnahmen zufrieden, die ihre Unternehmen für ihre psychische Gesundheit angesichts der Krise getroffen haben. Immerhin 40 Prozent sagen jedoch, ihr Arbeitgeber hätte sie diesbezüglich schlecht unterstützt. Dabei bestand oder besteht hierfür jedoch offenbar Bedarf: 46 Prozent der Gen Z- und 41 Prozent der Gen Y-Vertreter fühlten sich die ganze oder die meiste Zeit während der Corona-Pandemie gestresst. Erstaunlicherweise gibt es hier jedoch keinen Anstieg gegenüber der Zeit vor der Krise: In der Umfrage aus dem vergangenen Jahr noch vor dem Ausbruch von Corona gaben 48 Prozent der jüngsten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie 44 Prozent der Millennials an, oft oder meistens gestresst zu sein. In einer Umfrage vom April 2020 war dieser Anteil sogar jeweils um acht Prozent zurückgegangen. Die Autoren vermuten, der zwischenzeitliche Rückgang könne damit zu tun haben, dass das Leben für einige Befragte einfacher geworden sei, da sie zuhause bleiben konnten oder mussten.

Stress betrifft vor allem Finanzen, Familie und Karrierechancen

Bei den gegenwärtigen Stressfaktoren dominieren drei Aspekte: 48 Prozent der Generation Z und 46 Prozent der Millennials machen sich Gedanken über ihre persönliche finanzielle Situation und Zukunft. 46 Prozent der Gen Z und 47 Prozent der Millennials sorgen sich um das Wohlergehen ihrer Familien und die Unsicherheit hinsichtlich Jobs und Karriereaussichten ist für die Hälfte der Vertreter der Gen Z (50 Prozent) sowie 41 Prozent der Gen Y einer der Hauptgründe für Stress. Aufgrund von “pandemiebedingten Ängsten” hat sich fast jeder dritte Studienteilnehmer (35 Prozent der Gen Z und 31 Prozent der Gen Y) eine Auszeit von der Arbeit genommen. Unter den anderen, die nicht pausiert haben, fühlten sich zwar vier von zehn Befragten auch ständig gestresst, entschieden sich aber, dennoch zu arbeiten und durchzuhalten.

Psychischer Stress im Job wird immer noch stigmatisiert

Die Befragungsergebnisse zeigen, dass nur ein Drittel der Betroffenen offen mit Vorgesetzten über den Stress gesprochen hat. Fast die Hälfte der jungen Mitarbeitenden, die sich eine Auszeit vom Job genommen hatten, nannte ihrem Arbeitgeber nicht den wahren Grund für die Abwesenheit. Das sei vor allem auf die anhaltende Stigmatisierung von psychischer Gesundheit am Arbeitsplatz zurückzuführen, sagt Anna Nowshad, Partnerin bei Deloitte Österreich.

Es braucht ein offenes und inklusives Arbeitsumfeld, in dem Gespräche über Stress und psychische Probleme nicht tabu sind. In Unternehmen sollte eine Umgebung geschaffen werden, die das Wohlergehen und die persönliche Entfaltung der Mitarbeitenden unterstützt,

so Nowshad. Da auch immer mehr Millennials bereits in führenden Positionen tätig sind, seien auch sie gefordert, aktiv Veränderungen anzutreiben.

Vier von zehn Befragten schätzen Wirtschaft pessimistisch ein

Aufgrund der jüngsten Erfahrungen würde ein Viertel der Millennials und rund ein Fünftel (22 Prozent) der Gen Z gerne etwas bis viel seltener im Büro arbeiten als vor der Pandemie. Die Loyalität dem aktuellen Arbeitgeber gegenüber ist, verglichen mit dem Rekordhoch des vergangenen Jahres, etwas gesunken. Was die Zukunft betrifft, so denken nur circa 40 Prozent aller Befragten, dass sich ihre persönliche finanzielle Situation bis zum nächsten Jahr verbessern wird. 43 Prozent der Millennials und 41 Prozent der Generation Z befürchten, dass die lokale wirtschaftliche Situation im Januar 2022 schlechter sein wird als zum Befragungszeitpunkt – das entspricht einer Zunahme von zehn Prozent gegenüber der Vorjahresstudie.

Von Vermögensungleichheit bis Umweltschutz

Als gesellschaftliches Problemen sehen die jungen Menschen unter anderem die Vermögensungleichheit: Zwei Drittel glauben, dass Vermögen und Einkommen ungleich verteilt sind. 60 Prozent erwarten, dass der Gesetzgeber Gehaltsunterschiede zwischen leitenden Angestellten und Mitarbeitenden begrenzt. Wichtigstes persönliches Anliegen der Millennials war vor einem Jahr noch der Umweltschutz; derzeit stehen Gesundheitssorgen und Angst vor Jobverlust im Zentrum. Die Sorge um Umwelt und Klima folgt jedoch gleich dahinter. Bei den Jüngsten, der Generation Z, stehen jedoch Umweltfragen nach wie vor auf dem ersten Platz. Als weiteres wichtiges Thema stufen die Befragten das Rassismusproblem ein.

Die vollständigen Studienergebnisse stehen > hier in englischer Sprache zum Download bereit.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.