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Vorstandsposten: Frauen haben kürzere Amtszeiten 

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Frauen haben es nicht nur schwerer, einen Vorstandsposten zu erreichen. Sie sind ihn oftmals auch verhältnismäßig schnell wieder los. Laut einer neuen Untersuchung der Beratung Russel Reynolds Associates waren 80 Prozent der 2023 ausgeschiedenen weiblichen DAX 40-Vorstände drei Jahre oder weniger im Amt, bei den Männern schieden nur 15 Prozent so früh wieder aus. 

Dieses Phänomen zeigt sich auch – und aufgrund der überdurchschnittlich vielen Frauen auf den entsprechenden Positionen ganz besonders – im Vorstandsressort Personal, wie zuletzt etwa bei unserer „Sesselwechsel”-Wahl Ende vergangenen Jahres deutlich wurde. Gleich mehrfach wurden Posten neu besetzt, die vor wenigen Jahren auch schon Teil unseres Rankings waren. 

Da ist beispielsweise Sabine Bendiek zu nennen. Die frühere SAP-Personalvorständin kam erst 2021 zu dem Softwarehersteller. Sie ließ ihren Vertrag nach drei Jahren Ende 2023 auslaufen – auf eigenen Wunsch, wie es in einer Unternehmensmitteilung hieß. In einem langen und emotionalen LinkedIn-Post verabschiedete sich die Managerin kürzlich von ihren Weggefährten aus der SAP-Zeit. Warum genau sie nicht weitermacht, ging daraus nicht hervor, wie es für die bisherige Top-Managerin weitergeht, auch nicht. Von einem Wechsel in eine Führungsposition bei einem anderen Unternehmen ist jedenfalls nicht die Rede.  

Auch Sarena Lin war nur zweieinhalb Jahre lang als Chief Talent Officer und Arbeitsdirektorin bei Bayer tätig. Ende August legte sie ihr Amt bei dem Pharma- und Agrarchemiekonzern nieder. Seither ist sie „nur“ noch als Mitglied des Supervisory Boards bei den Siemens Healthineers tätig, als Non-Executive Director. 
Oder Xenia Meuser: Sie verließ ihre Position als CHRO bei RTL Deutschland bereits im April nach gerade einmal einem halben Jahr. Bei RTL hatte sie die Restrukturierung des Medienkonzerns organisiert. Heute ist Xenia Meuser ausweislich ihres LinkedIn-Profils freiberuflich unterwegs und taucht als HR-Expertin in Talkrunden auf. 

Dax-Vorständinnen bleiben weniger als drei Jahre  

Ohnehin sind Frauen in den obersten Leitungsebenen noch immer schlecht vertreten. Die Frauenquote in DAX-Vorständen stagniert laut Russel Reynolds bei 23 Prozent, so werden die gesetzlichen Vorgaben erfüllt, mehr aber auch nicht. Im vergangenen Jahr schieden neun Frauen aus, nur acht neue kamen.  

Dazu kommt eine thematische Unwucht: Die Hälfte der Frauen, die 2023 neu auf dieser Ebene bestellt wurden, führen das Personalressort. Thomas Tomkos, Leiter der Deutschen Board & CEO Praxisgruppe von Russell Reynolds Associates kommentierte das so: „Viele Frauen stiegen historisch betrachtet über eine Karriere im Personalbereich in den Vorstand auf.” 

Je größer das Unternehmen, desto weniger Frauen an der Spitze  

Wie schwierig es für Frauen gerade in größeren Unternehmen ist, sich an die Spitze durchzubeißen, zeigt eine Befragung von 1000 Unternehmen durch das ifo-Institut im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen aus dem vergangenen Frühjahr. Danach sind Frauen vermehrt in Betrieben mit weniger als zehn Millionen Euro Umsatz in Führungspositionen tätig sind. Mit steigender Unternehmensgröße – bezogen auf die Anzahl der Mitarbeitenden – nehme der durchschnittliche Anteil von Frauen auf der ersten und zweiten Führungsebene kontinuierlich ab. In Betrieben mit mehr als 2000 Mitarbeitenden und mehr als 50 Millionen Euro Umsatz lag der Frauenanteil auf Vorstands- und Geschäftsführungsebene um 14 Prozent niedrigerer Frauenanteil als im Durchschnitt aller Unternehmen. Auch auf der zweiten Führungsebene war der Frauenanteil dort deutlich geringer.  

So bleiben die die Männer in vielen Unternehmen deutlich senioriger – in beiden Bedeutungen des Wortes. Denn bei den DAX-Vorständen kamen die 2023 ausgeschiedenen Männer Russell Reynolds zufolge auf eine Amtszeit von fast acht Jahren. Außerdem waren sie im Durchschnitt sechs Jahre älter als die ausgeschiedenen Frauen. Dazu sagt Thomas Tomkos: „Keine (ehemalige Vorständin) ist durch das Erreichen der Altersgrenze ausgeschieden, bei den Männern spielte hingegen bei 35 Prozent der scheidenden Vorstände das Alter eine Rolle.“  

Christina Petrick-Löhr betreut das Magazinressort Forschung & Lehre sowie die Berichterstattung zur Aus- und Weiterbildung. Zudem ist sie verantwortlich für die redaktionelle Planung verschiedener Sonderpublikationen der Personalwirtschaft sowie den Deutschen Personalwirtschaftspreis.