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Was Mitarbeiter wollen – und was nicht

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Wie sehen Beschäftigte weltweit bestimmte Themen des Arbeitslebens, angefangen bei der Bleibeabsicht über den bevorzugten Arbeitsort bis hin zur Offenlegung ihrer beruflichen Mail-Kommunikation und der Einschätzung von Künstlicher Intelligenz? Qualtrics, ein Spezialist für Enterprise Feedback Management, fragte nach. An der Studie „2024 Employee Experience Trends Report“ nahmen rund 37.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus 32 Ländern teil. Aus den Befragungsergebnissen leitete Qualtrics fünf Trends für dieses Jahr ab.

Neuzugänge springen schnell wieder ab


In der EMEA-Region haben zwei Drittel (66 Prozent) der Befragten die Absicht, mindestens drei Jahre im neuen Unternehmen zu bleiben; in Deutschland sind es 69 Prozent. Insgesamt zeigen sich Beschäftigte derzeit weniger engagiert als in der Vergangenheit, weisen ein geringeres Wohlbefinden auf und fühlen sich auch weniger integriert als länger beschäftigte Mitarbeitende. 39 Prozent aller Befragten, die weniger als ein halbes Jahr bei ihrem Arbeitgeber sind, wollen innerhalb der nächsten zwölf Monate das Unternehmen verlassen – das sind sechs Prozent mehr als letztes Jahr. Einige planen sogar, an ihren früheren Arbeitsplatz zurückzukehren. Neu Rekrutierte denken auch seltener als andere Beschäftigte, dass sie ihre Karriereziele erreichen können und führen weniger oft Gespräche über ihre berufliche Entwicklung. Hier könnten Unternehmen ansetzen, um die Loyalität der Neuzugänge zu erhöhen, so die Studie. Doch obwohl die ersten Monate wichtig sind, geben nur 41 Prozent der Personalverantwortlichen an, dass sie dem Onboarding Priorität einräumen.

Unzufrieden mit Gehalt und Karriereaussichten


Mitarbeitende mit Kundenkontakt, ob in der Gastronomie, im Verkauf, bei der Patientenbetreuung oder im Service, IT-Support sowie im Schulungsbereich, sind unzufriedener als andere Beschäftigte. So ist nur jeder Zweite (50 Prozent) mit der Bezahlung zufrieden im Vergleich zu fast zwei Dritteln (63 Prozent) der Angestellten ohne Kundenkontakt. Auch haben sie weniger Vertrauen zu Führungskräften (60 Prozent) als die restliche Belegschaft (70 Prozent). Gleichzeitig haben sie weniger als andere den Eindruck, Änderungen an den Arbeitsabläufen vorschlagen zu können. Dazu kommt die Personalknappheit in einigen der Berufsfelder. Die Beschäftigten würden ihre kollektive Stärke erkennen und forderten bessere Löhne, Sozialleistungen und Arbeitsbedingungen, sagt Dr. Benjamin Granger, Qualtrics Chief Workplace Psychologist. Er vertritt die Ansicht, dass selbst scheinbar kleine Verbesserungen bewirken können, dass sich diese Mitarbeiter anerkannter und geschätzter fühlen.
Was den Arbeitsort betrifft, schätzen die Beschäftigten hybride Modelle am positivsten ein. Mitarbeitende, die hybrid arbeiten, weisen sowohl in Bezug auf das Engagement als auch auf Wohlbefinden, Bleibeabsicht und Integration im Schnitt etwa um zehn Prozent höhere Werte auf als Arbeitnehmende, die ausschließlich vor Ort tätig sind und auch als jene, die nur remote arbeiten. Eine Qualtrics-Studie von 2022 ergab jedoch auch, dass der Grad der vertrauensvollen Beziehungen zu Kolleginnen und Kollegen abnimmt.

Jüngere sehen „passives Zuhören“ weniger kritisch

Die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer wurden auch dazu befragt, wie sie „passives Zuhören“ bewerten. Gemeint ist die Möglichkeit, Informationen über das Verhalten von Teams durch Mitlesen von E-Mails, Gesprächsnotizen, virtuellen Sitzungsprotokollen und Chat-Nachrichten zu erlangen. Damit soll die Employee Experience verbessert werden, wobei das Vorgehen mit weniger Aufwand verbunden sei als das direkte Einholen von Feedback, jedoch wertvolle Erkenntnisse bringe, so die Argumentation. 46 Prozent der deutschen Befragten geben an, damit einverstanden zu sein, dass ihr Unternehmen E-Mails auswertet. 41 Prozent weltweit haben auch nichts gegen die Nutzung von Beiträgen in sozialen Medien. Gen Z und Millennials sind eher bereit, sich vom Unternehmen über die Schulter schauen zu lassen als die Vertreter älterer Generationen. Offenbar machen sich die sogenannten Digital Natives weniger Gedanken um die Risiken, die mit solchen Techniken verbunden sein können. Die Frage ist auch, ob geringerer Aufwand das „passive Zuhören“ rechtfertigen kann und ob die Kommunikation dadurch letztlich nicht beeinträchtigt wird – auch wenn Vertrauen und Transparenz das A und O seien, so Granger, und Führungskräfte offen darüber sprechen müssten, wie sie die Informationen nutzen und wie nicht.

KI im Job: Unterstützung ja, aber keine Bewertung


Ein weiterer Aspekt der Studie beschäftigt sich mit Künstlicher Intelligenz im Unternehmensalltag. Auch hier geht es um Vertrauen. 61 Prozent der befragten Beschäftigten sagen, dass sie KI für die Erstellung von Aufgaben nutzen würden. 51 Prozent können sie sich als persönlichen Assistenten vorstellen. Aber nur 37 Prozent sind mit KI bei der Leistungsbewertung einverstanden und lediglich 29 Prozent befürworten den Einsatz bei Einstellungsentscheidungen. Das heißt, Mitarbeitende sind KI gegenüber positiver eingestellt, wenn sie das Gefühl der Kontrolle darüber haben. Führungskräfte sind eher bereit, KI zu nutzen: Von den Befragten der C-Suite geben zwei Drittel (65 Prozent) an, der Technologie offen gegenüberzustehen, während bei den Mitarbeitenden nur ein Drittel (32 Prozent) zustimmt. Hierarchieübergreifend ist knapp jeder vierte Befragte (23 Prozent) noch unentschlossen, ob er KI am Arbeitsplatz einsetzen wollen würde.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.

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