Der Trend sinkender Auszubildendenzahlen in Deutschland setzte sich auch letztes Jahr weiter fort. 2022 nahmen 469.900 junge Menschen eine duale Berufsausbildung auf. Das waren zwar 0,8 Prozent mehr als 2021, aber acht Prozent weniger als im Vor-Corona-Jahr 2019, als gut 500.000 Neuverträge abgeschlossen wurden, und 14 Prozent weniger als 2012 mit noch 544.400 begonnenen Ausbildungen. Das geht aus einer aktuellen Auswertung des Statistischen Bundesamts (Destatis) hervor. Danach befanden sich Ende letzten Jahres insgesamt 1.216.300 Personen in Ausbildung – ein Rückgang von drei Prozent gegenüber 2021. Damit erreichte das Ausbildungsgeschehen hierzulande laut Destatis einen historischen Tiefstand.
Weiterhin fünf Berufe am beliebtesten
Was die Wahl der Ausbildungsberufe betrifft, änderte sich letztes Jahr kaum etwas. Wie zuvor entfiel gut ein Fünftel (22 Prozent) aller neuen Verträge auf fünf Berufe. Auf Platz eins stand der Ausbildungsberuf Kaufmann/-frau im Einzelhandel, gefolgt von Kaufleuten für Büromanagement, Kraftfahrzeugmechatroniker/-innen, Verkäufer/-innen und Fachinformatiker/-innen.
Überdurchschnittlich wenig Neuverträge in Handwerk und Landwirtschaft
Der einzige Ausbildungsbereich, in dem 2022 ein Zuwachs an Neuverträgen verzeichnet wurde, war Industrie und Handel mit einem Plus von drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dagegen erzielten die Handwerksberufe mit einem Minus von zwei Prozent die bisher geringste Zahl an Neuabschlüssen – eine bedenkliche Entwicklung, da in Deutschland bereits jetzt Handwerker fehlen. In der Landwirtschaft, wo in den letzten Jahren ein Positivtrend zu beobachten war, ging die Zahl der neuen Ausbildungsverträge um fünf Prozent zurück. Leicht rückläufig waren Abschlüsse im öffentlichen Dienst, den Freien Berufe und in der Hauswirtschaft.
Allgemein stärkerer Zuwachs an Neuabschlüssen bei Frauen als bei Männern
Mit fast zwei Dritteln (65 Prozent) aller Auszubildenden fiel der Männeranteil 2022 höher aus als vor zehn Jahren, als er noch bei 61 Prozent lag. Allerdings schlossen 1,6 Prozent mehr Frauen als im Vorjahr einen neuen Ausbildungsvertrag ab, während der Anteil bei den Männern mit einem Zuwachs von 0,4 Prozent niedriger ausfiel. In den Handwerksberufen entschieden sich sogar 1,9 Prozent mehr Frauen als im Vorjahr für eine Ausbildung, doch bei den Männern gingen die Neuabschlüsse hier um 3,3 Prozent zurück. Dadurch, dass der Anteil der Männer an Neuabschlüssen im Handwerk 81 Prozent beträgt, erklärt sich der insgesamt deutliche Rückgang an Neuverträgen in diesen Berufen. in anderen Bereichen gab es weniger Geschlechterunterschiede bei der Entwicklung der Berufswahl; lediglich die Freien Berufe stellen eine Ausnahme dar. Dort nahmen die neuen Ausbildungsverträge bei Männern um neun Prozent zu, während bei Frauen 1,2 Prozent weniger Verträge abgeschlossen wurden.
Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.

