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Feuerwehr Berlin: Mit Dualem Studium gegen den Fachkräftemangel

Feuerwehr Berlin
Gut 20 Studierende pro Jahr können sich via dualem Studium für den gehobenen Dienst qualifizieren. (Foto: Feuerwehr Berlin)

Im Schnitt müsste das Recruiting-Team der Berliner Berufsfeuerwehr an jedem Tag des Jahres mindestens eine Feuerwehrfrau oder einen Feuerwehrmann neu einstellen, damit sie ihr Soll erfüllt. “Wir brauchen jährlich rund 500 neue Menschen quer durch alle Laufbahnen”, sagt der Verwaltungsbeamte Oliver Hoffmann, der im Recruiting bei Deutschlands größter Berufsfeuerwehr tätig ist. Doch die gesuchten Kräfte sind auf dem Markt kaum vorhanden.

Der Fachkräftemangel ist bei der Berliner Feuerwehr genauso ein Thema wie in den allermeisten anderen Bereichen der öffentlichen Verwaltung. Um dem zu begegnen, bietet sie seit dem Herbst 2019 als erste und bislang einzige Berufsfeuerwehr in Deutschland einen dualen Studiengang an. Zwischen 20 und 24 Studierende pro Jahrgang können sich innerhalb von dreieinhalb Jahren für den gehobenen feuerwehrtechnischen Dienst zu Brandoberinspektorinnen und Brandoberinspektoren qualifizieren. Beworben haben sich schon im ersten Jahr mehrere Hundert junge Menschen.

Einstieg ohne Umwege

Ein duales Studium aufzusetzen war eine strategische Entscheidung der Behördenleitung und der Berliner Feuerwehr- und Rettungsdienst- Akademie. Mehr als sechs Jahre lang hat die Feuerwehrfrau und studierte Pädagogin Dorina Wächter an dem Projekt gearbeitet. “Am Anfang stand die Frage, wie wir uns aufstellen können, um langfristig qualifiziertes Personal zu rekrutieren. Dabei hatten wir zwei Probleme im Fokus: Die allgemeine Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt und die Zulassungsvoraussetzungen bei der Feuerwehr”, sagt die Mitarbeiterin aus dem Stab Strategie.

Knackpunkt bei der herkömmlichen Praxis sind die Einstiegsvoraussetzungen: “Traditionell braucht man vor der Feuerwehrausbildung eine abgeschlossene Berufsausbildung, beispielsweise als Elektriker oder Mechatroniker, und vor dem Vorbereitungsdienst zum gehobenen Dienst einen Bachelor etwa im Ingenieurbereich”, erläutert Oliver Hoffmann. Wer aber bereits einen Berufsabschluss oder ein Studium in der Tasche habe, sei meist gar nicht mehr daran interessiert, noch eine weitere Ausbildung mit entsprechendem Entgelt zu machen. Dafür seien die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt einfach zu gut.

Maßgeschneiderte Studienmodule

Oliver Hoffmann, Feuerwehr Berlin
Oliver Hoffmann ist bei der Feuerwehr Berlin für das Recruiting zuständig. (Foto: Feuerwehr Berlin)

Die Berliner zogen die Konsequenz aus diesem Dilemma – für den mittleren Dienst, die Brandmeisteranwärter, entwickelten sie die Ausbildung “112 Direkt”, die sich unmittelbar an Schulabgänger wendet. “112 Dual” kombiniert den Bachelorstudiengang Brandschutz und Sicherheitstechnik an der Beuth Hochschule für Technik Berlin mit der Feuerwehrausbildung an der Berliner Feuerwehr- und Rettungsdienst-Akademie. “Die 42 Studienmodule haben wir so konzipiert, dass die Inhalte genau zum Aufgabenfeld der Feuerwehr passen”, sagt Dorina Wächter. Das nutzt der Feuerwehr – und die Studierenden wiederum profitieren davon, dass ihre Aussichten, nach dem Studium übernommen zu werden, bei guten Leistungen garantiert sind.

Außerdem sind sie bereits während der Ausbildungsjahre Beamtinnen und Beamte mit entsprechendem Salär. Die ersten Feuerwehr-Studierenden werden zwar erst in knapp zwei Jahren fertig, trotzdem zieht Oliver Hoffmann schon jetzt eine positive Zwischenbilanz. “Auch wenn nur vergleichsweise kleine Gruppen ‚112 Dual‘ oder ‚112 Direkt‘ absolvieren, haben sich die Bewerberzahlen insgesamt deutlich verbessert.”


Titel PWT 6/2021

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Ist Redakteurin der Personalwirtschaft. Ihre inhaltlichen Schwerpunkten sind die Themen Aus- und Weiterbildung, Hochschule und Studium sowie Employer Branding.