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Sechs Etappenziele bei der Schulung zur Nachhaltigkeit

Frage an die HR-Werkstatt: Wie können Mitarbeitende für nachhaltiges Wirtschaften geschult werden?
Es antwortet: Dr. Sven Gerritsen, Head of Employee Learning bei Microsoft
Deutschland

Das Interesse an Nachhaltigkeit ist vorhanden. So hat zum Beispiel eine Umfrage aus dem Jahr 2021 von Forsa im Auftrag von Porsche Consulting ergeben, dass vier von zehn Angestellten das mangelnde Engagement ihres Arbeitgebers für mehr Umwelt- und Klimaschutz kritisieren. Sechs von zehn Angestellten wünschen sich, dass das Thema eine größere Rolle in ihrem Arbeitsalltag spielt. Allerdings gibt jeder und jede Dritte an, keine Möglichkeit zu haben, sich selbst für Nachhaltigkeit im eigenen Unternehmen einbringen zu können. An den Mitarbeitenden liegt es also nicht, und genau da können Unternehmen auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit ansetzen.

Veränderung ist eine Frage der Kultur

Konsequente Veränderungen in Unternehmen verlangen nach einem kollektiven Mindset, das unternehmensweite Beteiligung und den Zugang der Beschäftigten zu Wissen unterstützt. Denn Transformationsprojekte gedeihen generell nur in einem Unternehmensklima, das Veränderungen schätzt, Fehler verzeiht und Umwege erlaubt, also in einer Kultur des Lernens. Ohne diese Kultur ist umgekehrt jeder Versuch, ein Unternehmen nachhaltiger zu gestalten, zum Scheitern verurteilt.

Transparenz – Mind the Gap!

Zu einer transformationsfreundlichen Kultur gehört Transparenz über die Ziele, die Maßnahmen und die Auswirkungen von Veränderungen. Die Führungsebene eines Unternehmens und die internen Nachhaltigkeits-Experten und -Expertinnen werden immer einen Wissensvorsprung vor den Mitarbeitenden haben. Diese Lücken lassen sich auch nicht vollständig schließen, aber es muss das Ziel sein, sie bestmöglich zu verkleinern, damit niemand darüber stolpert oder fällt („Mind the Gap!“). Dazu ist es wichtig, die zentralen Strategien und Ziele klar und offen zu kommunizieren und die Belegschaft mitzunehmen.

Ein Beispiel: Bei Microsoft Deutschland richten wir jedes Jahr zehn interne Learning Days aus, um allen Mitarbeitenden einen ganzen Tag Zeit für gemeinsames oder individuelles Lernen zu geben. Im Dezember 2022 haben wir zum Beispiel einen Learning Day veranstaltet, der sich ausschließlich um das Thema Nachhaltigkeit drehte. Dafür haben wir interne Fachkolleginnen und Fachkollegen, aber auch Kunden, Partner und andere externe Sprecher und Sprecherinnen eingeladen, um gemeinsam mehr über das Thema zu lernen. Zudem wollten wir unsere Kollegen und Kolleginnen dazu anregen, sich mit einem passenden Kurs unser „Sustainability in Action“-Abzeichen zu verdienen. Als Dankeschön für die Teilnahme haben wir für jede bestandene Prüfung einen Baum gepflanzt.

Zugang und Beteiligung

Eine Umfrage von YouGov und Microsoft Deutschland zum Thema Nachhaltigkeit hat ergeben, dass zwei von drei Mitarbeitenden (63 Prozent) die Teilhabe an ökologischen Umbauprojekten und Mitsprachemöglichkeiten bei ihrer Umsetzung vermissen. Hier als Firmenleitung konkrete Mitmachangebote und Optionen für die Teilhabe aller zu schaffen, ist auch eine Frage der Veränderungskultur. Mittlerweile gibt es in zahlreichen Städten Angebote für das sogenannte Corporate Volunteering, bei dem Unternehmen ihre Mitarbeitende für gemeinnützige Zwecke freistellen können. Viele Beschäftigte nehmen solche Angebote sehr gerne an und leisten damit ihren eigenen Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit.

Qualifizierung als Schlüssel

Über ihre Mitarbeit an den Nachhaltigkeitszielen ihres Arbeitgebers verändern die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter übrigens auch ihre eigene Arbeit, ihren Arbeitsplatz und den Arbeitsalltag. Aber oft haben sie das Gefühl, es würde ihnen an den dafür notwendigen Qualifikationen fehlen – und teils ist dieser Mangel auch objektiv spürbar. Dennoch verzichten viele Unternehmen auf Nachhaltigkeitsschulungen für ihre Mitarbeitenden. Wer aber Qualifizierung als den Schlüssel für nachhaltige Zukunftsmodelle sieht, muss es seinen Beschäftigten ermöglichen, sich kontinuierlich weiterzubilden – das heißt: auch am Arbeitsplatz und während der Arbeitszeit. Unternehmen müssen dafür individuelle Angebote schaffen und ihren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen die Zeit und den Raum geben, sich gezielt fortzubilden – persönlich und nicht nur mit Blick auf die Unternehmensaufgaben.

Wie viele andere Unternehmen haben wir in der Pandemie vollständig auf Remote-Learning umgestellt. Bei Microsoft haben wir aber schon vor Corona den überwiegenden Teil unserer Lerninhalte als Online-Trainings angeboten, die unsere Kolleginnen und Kollegen eigenständig durchführen konnten. Inzwischen setzen wir auf eine Mischung aus Online-, Präsenz- und hybriden Trainings und lernen auch selbst noch, welche Formate sich dazu besonders eignen und wie diese bei unseren Beschäftigten ankommen. Neben den schon erwähnten Learning Days bieten wir auch andere Bildungsevents und Veranstaltungen an, etwa verschiedene Formen von Hackathons. Ein weiteres, immens wichtiges Standbein unserer Lernformate ist das Peer-to-Peer Learning. Dabei bringen sich Kollegen und Kolleginnen gegenseitig etwas bei. Die Frage der individuellen Förderung und der kollektiven Befähigung ist für die nachhaltige Transformation von entscheidender Bedeutung.

Wertschätzung zeigen

Wahrscheinlich haben die eigenen Mitarbeitenden in den vergangenen zwei Jahren schon zahlreiche Erfahrungen mit der Verringerung des CO2-Fußabdrucks gemacht – weil sie pandemiebedingt im Homeoffice gearbeitet haben und damit Fahrten zum und vom Büro weggefallen sind. Zudem haben sie mit modernen Kommunikations- und Kollaborationstools Ressourcen einsparen können.

Für viele Mitarbeitende war und ist das eine Win-Win-Situation, weil flexibles Arbeiten auch den eigenen Work-Life-Flow verbessert. Wie unser Microsoft Work Trend Index aus dem September 2022 gezeigt hat, ist es enorm wichtig, dass Führungskräfte ihren Mitarbeitenden darin vertrauen, auch außerhalb der klassischen Büroräume produktiv zu sein, und sie im hybriden Arbeitsalltag unterstützen. Die individuellen Erfahrungen helfen Unternehmen dabei, dauerhaft hybride Arbeitsmodelle zu etablieren und weiterzuentwickeln. Auch das ist ein Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit.

Soziale Verantwortung übernehmen

Den 17 Nachhaltigkeitszielen der UNO zufolge geht es bei dem Thema Nachhaltigkeit nicht nur um ökologische, sondern auch um soziale Fragen, die unser ganzes Leben betreffen.  Darunter fällt zum Beispiel die Gleichstellung der Geschlechter, die in Ziel 5 gefordert wird: „Geschlechtergerechtigkeit und Selbstbestimmung für alle Frauen und Mädchen erreichen.“ Unternehmen sollten ihren Beitrag leisten: vom gezielten Recruiting von Frauen entlang aller Hierarchiestufen bis hin zu individuellen Förder- und Qualifizierungsprogrammen für Frauen, wie wir das mit unserer Initiative „SkillHer“ praktizieren. Das kann aber auch über die Einrichtung von Antidiskriminierungsstellen und -maßnahmen gehen, die für solche Themen sensibilisieren und Diskriminierungen verhindern. Solch ein Engagement hat zwei, vielleicht sogar drei positive Effekte: Unternehmen punkten beim Recruiting, ihre Mitarbeitenden sind zufriedener und damit auch produktiver.

Fazit

Nachhaltigkeit im Unternehmen zu verankern, ist eine Herkules-, aber keine Sisyphos-Aufgabe. Sie wird nur dann funktionieren, wenn Entscheiderinnen und Entscheider möglichst viele Mitarbeitende im Unternehmen in diesen Lernprozess einbeziehen.

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