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Öffentlicher Sektor: Frauen im Top-Management unterrepräsentiert

Frau im Business-Kostüm mit Laptop in der Hand auf Felsen oberhalb einer Stadt
Eine Frau an der Unternehmensspitze – auch in öffentlichen Unternehmen eher eine Seltenheit. Foto: © metamorworks-stock.adobe.com

In öffentlichen Unternehmen sind Frauen in den Chefetagen immer noch in der Minderheit. Der Anteil von Frauen im Topmanagement auf kommunaler Ebene liegt bei 19,7 Prozent. Gegenüber dem letzten Jahr ist die Quote lediglich um 0,4 Prozent gestiegen. Dies sind Ergebnisse der Studie “Repräsentation von Frauen im Top-Management öffentlicher Unternehmen: Ein deutschlandweiter Städtevergleich” der Zeppelin Universität (> ZU) in Kooperation mit der Personalberatung > ZFM. Ausgewertet wurden Daten aus 1469 öffentlichen Unternehmen, unter anderem Stadtwerke und Krankenhäuser, in 69 deutschen Städten.

In Ostdeutschland haben Frauen mehr Chancen auf den Chefsessel

Die Auswertung nach Bundesländern zeigt, dass Frauen in Berlin mit einem Anteil von gut einem Drittel (35,7 Prozent) am häufigsten Spitzenpositionen besetzen. Es folgen Bremen sowie Thüringen und Sachsen mit einem Frauenanteil von je einem Viertel (24,7 Prozent). Insgesamt sind in den ostdeutschen Bundesländern häufiger Frauen im Top-Management vertreten als im Westen. Auf Thüringen und Sachsen folgen Mecklenburg-Vorpommern mit jeweils 23,4 Prozent sowie Brandenburg mit 22,5 Prozent. Schlusslichter hinsichtlich des Frauenanteils an der Unternehmensspitze sind Niedersachsen mit 13 Prozent, Schleswig-Holstein mit 10,4 Prozent und Rheinland-Pfalz mit 10,3 Prozent.

In Offenbach ist jede zweite Spitzenposition weiblich besetzt, in Heidelberg keine

Auch der Städtevergleich ergibt, dass Frauen in den Chefetagen sehr unterschiedlich repräsentiert sind. Offenbach am Main steht mit einem Anteil von gut 50 Prozent wie im Vorjahr an der Spitze. Auf dem zweiten Platz liegt Freiburg mit einem ebenfalls überdurchschnittlichen Anteil von einem Drittel (33,3 Prozent). Auf dem dritten Platz mit 21,9 Prozent befindet sich Karlsruhe. Im Mittelfeld und bereits unter dem bundesweiten Schnitt rangiert Mannheim mit 18,4 Prozent. Deutlich abgeschlagen bei weiblichen Topmanagement-Positionen ist Stuttgart mit nur 8,8 Prozent und in Heidelberg sind sogar überhaupt keine Chef-Jobs mit Frauen besetzt.

Besonders bemerkenswert ist, dass in einigen Städten Anstiege bei der Repräsentation erreicht wurden, in vielen weiteren die Repräsentation aber stagniert oder sogar zurückgegangen ist,

sagt Professor Dr. Ulf Papenfuß, Inhaber des Lehrstuhls für Public Management & Public Policy an der ZU. Seiner Ansicht nach ist die öffentliche Hand gehalten, durch konkrete Maßnahmen ihre gesellschaftspolitische Vorbildfunktion und ihre Einflussmöglichkeiten als Eigentümerin wahrzunehmen.

Laut ZFM-Geschäftsführer Edmund Mastiaux gibt es genügend Kandidatinnen auf dem Markt, die die erforderlichen Erfahrungen und Qualifikationen mitbringen. Gefragt seien nach wie vor die Aufsichtsgremien. Die öffentliche Hand sollte geeignete Kandidatinnen aktiv ansprechen und ermutigen, ihre Managementfähigkeiten in den entsprechenden Auswahlverfahren unter Beweis zu stellen, so Mastiaux. Außerdem müssten die öffentlichen Unternehmen attraktiver werden, indem sie in den Chefetagen zum Beispiel vermehrt flexible Arbeitszeitformen etablieren.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.