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Recruiting-KPIs: Ist das Dauermessen wirklich eine so gute Idee?

Performe oder stirb: Alles ist heute in Daten und Zahlen erfassbar, sie bestimmen nicht erst seit den täglichen Inzidenzwerten der Pandemie unseren Alltag. Dass KPIs und Kennzahlen aber nicht die ganze Wahrheit zeigen, lernt man schon im Kinderbuch.
Karikatur zum Thema Performance.
Ist das Dauermessen wirklich eine so gute Idee? Karikatur: Kai Felmy

Wer wie die Verfasserin dieser Zeilen in den 80er-Jahren in Deutschland groß wurde, kennt vielleicht ein Bilderbuch namens “Frederick”, das auch heutigen Kindern gerne vorgelesen wird. Unternehmerisch ausgedrückt handelt es von einem durch Nager organisierten landwirtschaftlichen Kleinbetrieb. Hier arbeitet eine Gruppe Mäuse drei Quartale lang daran, ihre gesetzten Ziele zu erfüllen, nämlich Vorräte für den vierten, ertraglosen Teil des Jahres zu erwirtschaften. Nur ein Angestellter beteiligt sich nicht am Workflow, sondern priorisiert, augenscheinlich, seine Work-Life-Balance: Während die anderen Mäuse arbeiten, wird Frederick immer wieder beim Herumsitzen und Träumen beobachtet. In Retrospektiven kritisieren seine Kollegen und Kolleginnen diesen offensichtlichen Mangel an Commitment, doch Frederick behauptet, auch er trage zum Erfolg des Unternehmens bei. Am Ende, als der Winter anbricht und die Mäuse von ihren Vorräten zehren, stellt sich heraus, dass er tatsächlich Werte geschaffen hat. Allerdings keine physisch oder anderweitig greifbaren: Es sind Erinnerungen und Geschichten, um die Moral und die Motivation seiner Mitmäuse während der langen Wintermonate in der Firmenzentrale aufrechtzuerhalten.

Key Performance Indicators

Auf ihre Weise handelt diese Geschichte auch von einem der hartnäckigsten HR-Buzzwords: Performance. Sie ist das, was die Mitarbeitenden aus Unternehmenssicht ausmacht. Strikt übersetzt: die Leistung, die sie erbringen – die Nüsse, die in den Bau geschleppt werden. Allerdings umfasst Performance je nach Definition auch weit mehr als die Erfüllung eines Arbeitsvertrages. Denn die Key Performance Indicators, die Messwerte rund um die Performance, fangen schon an, Arbeitende abzuscannen, wenn es noch gar keine Arbeitsleistung gibt. Bereits im Recruiting-Prozess wird abgewogen: Lohnt es sich, diesen Menschen einzustellen? Kostet es uns weniger, die Stelle unbesetzt zu lassen, als einen suboptimalen Kandidaten zu beschäftigen? Oder wird es dann erst richtig teuer?

Auch die Performance von HR selbst wird hier bewertet. Die Zufriedenheit der Kandidatinnen und Kandidaten mit dem Bewerbungsverfahren und die Kosten, die für die Besetzung einer Stelle nicht vorwiegend im Auge des Betrachters liege – wie zum Beispiel dem von Henrik Zaborowski. Der Recruiting-Experte drückt eben dies in der Juli-Ausgabe im Interview in einer konkreten Zahl aus: Seinen Schätzungen nach sind etwa ein Drittel aller von anhand Bewerbungsunterlagen Abgelehnten eigentlich für die Stelle geeignet.

Mitarbeitenden zu Höchstleistungen anspornen

Passt das zu den Verheißungen der neuen, flexiblen und agilen Arbeitswelt, über die wir so oft hören, lesen und schreiben? In diesen paradiesischen Gefilden ist der Servant Leader nicht mehr Trommler an der Ruderbank, sondern schafft als feinfühliger Performance Manager die bestmöglichen Arbeitsbedingungen für Sinnsuchende. Widersprechen all die geschilderten Messvorgänge nicht diesen wohlklingenden Konzepten von niedrigen Schwellen, Freiwilligkeit, Selbstorganisation und offener Fehlerkultur? Nicht wirklich. Unterm Strich sollen doch auch sie vor allem einen Zweck erfüllen: die Mitarbeitenden zu Höchstleistungen anspornen. Das muss nichts Schlechtes bedeuten, aber es bleibt zu bedenken, was uns die Maus Frederick zeigte: Es gibt Leistungen, die nicht messbar sind.

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›› Hier geht es zum Themen-Special Recruiting KPIs.

Ist Redakteurin der Personalwirtschaft und als Projektmanagerin verantwortlich für die Heftplanung. Ihre inhaltlichen Schwerpunkte – Agilität, Technologie und New Work – bringt sie auch im redaktionellen Alltag ein.