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Flughafen München: So lief das Onboarding der türkischen Aushilfskräfte

Der Flughafen München gehört zu den Wenigen, bei denen türkische Aushilfskräfte zum Einsatz kommen. Wann haben die ihre Tätigkeit in München begonnen?
Kerstin Bahr: Die ersten 34 türkischen Mitarbeiter reisten am 25. August 2022 an. Schlussendlich konnte die AeroGround, der Bodendienstleister am Flughafen München, bis zum 5. September 2022 insgesamt 41 türkische Mitarbeiter begrüßen. Bereits eine Woche nach ihrer Ankunft starteten die ersten Mitarbeiter in ihren regulären Dienst.

Wo sind sie untergebracht?
Die Mitarbeiter sind in unserem Mitarbeiterhotel in der Nähe des Flughafens untergebracht.

Haben sie schon Deutschkenntnisse oder erhalten sie Sprachkurse?
Voraussetzung für den Einsatz als Mitarbeiter oder Mitarbeiterin in der Flugzeug- oder Gepäckabfertigung am Flughafen München ist, das Deutsch-Sprachniveau A2, also grundlegende Kenntnisse, mit einem entsprechenden Zertifikat vorzuweisen. Alle türkischen Mitarbeiter sind im Besitz eines solchen Zertifikats und benötigen vor diesem Hintergrund keinen weiteren Sprachkurs.

Welche Vorerfahrungen haben sie?
Zu Beginn wurde uns versprochen, dass die Mitarbeiter bereits Vorerfahrungen am Flughafen mit sich bringen. Dies war letztendlich nicht der Fall. Nichtsdestotrotz konnten die Mitarbeiter nach den erforderlichen Schulungen im Betrieb eingesetzt werden. 

Wie würden Sie das Onboarding zusammenfassen?
Motiviert, offen und begeistert: Das waren meine Gedanken, als ich die ersten Mitarbeiter gesehen habe. Das hat sich auch bestätigt, denn die Kollegen sind von Beginn an engagiert und machen einen guten Job.

Welche Maßnahmen gehören zu dem Onboarding von Hilfskräften aus dem Ausland?
Nach der Ankunft haben die türkischen Aushilfskräfte alle notwendigen Schritte durchlaufen, um bei uns unterstützend in der Gepäckabfertigung arbeiten zu können. Vom Einzug in die Unterkunft, über die Anmeldung im Bürgerbüro, bis hin zur Eröffnung eines Bankkontos. Sämtliche erforderlichen Schulungen wurden absolviert, eine medizinische Untersuchung durchgeführt, der Arbeitsvertrag unterschrieben und schlussendlich wurden alle Mitarbeiter mit einem Flughafenausweis und der Dienstkleidung ausgestattet. 

Die Personalleiterin des Bodenverkehrsdienstleisters AeroGround Flughafen München Kerstin Bahr (ganz vorne) mit den Neuankömmlingen aus der Türkei. (Foto: AeroGround Flughafen München GmbH)

Wie lange können die Aushilfskräfte bleiben?
Bedingung der erleichterten Einreise war, dass das Arbeitsverhältnis mit den türkischen Arbeitskräften zum 6. November wieder endet. Aufgrund der langen Vorlaufzeiten inklusive der vorgeschriebenen Zuverlässigkeitsüberprüfung (ZUP) hat sich der mögliche Einsatzzeitraum leider auf gut zwei Monate reduziert. Unter anderem erklärt dies auch, warum viele Flughäfen dieses Angebot nicht genutzt haben.

Warum dauert die ZUP so lange?
Zum Beispiel weil bei ausländischen Arbeitskräften häufig die Arbeitsnachweise oder Meldebescheinigungen fehlen. Erforderlich ist aber ein lückenloser, nachzuweisender Lebenslauf. Inzwischen helfen da Selbsterklärungen der Bewerber, aber es dauert eben und ist ein hoher bürokratischer Aufwand.

In diesem Sommer sprachen die Medien von einem Flugchaos. Zweieinhalb Jahre nach Ausbruch der Pandemie schien die Personalsituation an Flughäfen so kritisch wie nie. Woran lag das?
Der Sommer 2022 stellte die Airlines, die Flughäfen und auch die zugehörigen Dienstleister vor besondere Herausforderungen. Wir verzeichnen derzeit eine deutlich erhöhte Verkehrsmenge gegenüber den prognostizierten Plänen. Auch die Auslastung der einzelnen Flüge liegt deutlich über den Prognosen der Airlines. Womöglich haben die Reisenden sehr viel kurzfristiger gebucht als noch vor Corona. Dabei waren wir personell eigentlich gut vorbereitet.

Was heißt das genau?
Seitens AeroGround wurde gezielt daraufgesetzt, möglichst viele Mitarbeiter während der Pandemie an Board zu halten. Der Personalkörper beträgt in etwa 85 Prozent der Belegschaft im Vergleich zum Vorkrisenniveau. Das Verkehrsaufkommen hingegen liegt derzeit bei etwa 74 Prozent im Vergleich zum Verkehrsaufkommen vor der Corona-Pandemie.

Dann war doch genug Personal für das Verkehrsaufkommen da?
In der Theorie schon. Die gesamte Branche litt diesen Sommer aber unter erheblichen Störungen im Gesamtsystem. Noch nicht wieder eingeschwungene Prozesse und Abläufe, Kapazitätsengpässe bei Systempartnern und auch an anderen Stationen führten zu deutlichen Unregelmäßigkeiten. Selbst ein perfekt vorbereiteter Flughafen würde unter diesen Umständen ins Wanken geraten.

Wie würden Sie abgesehen von dem Flugchaos in den Ferien die Personalsituation in Ihrem Bereich des Münchner Flughafens beschreiben?
Bereits vor Corona war es eine Herausforderung, neues Personal für die Flugzeug- und Gepäckabfertigung zu akquirieren. Vor der Pandemie 2019 lag die Arbeitslosenquote in Bayern bei nur 3,5 Prozent, bundesweit lag sie bei 5 Prozent. Wir haben deshalb unsere Rekrutierungsmaßnahmen erweitert und unter anderem im Ausland, zum Beispiel in Kroatien, Slowenien und auch außerhalb Europas, rekrutiert. Nach wie vor ist die Personalsituation in der Dienstleistungsbrache sehr angespannt, vor allem in der Region scheint der Arbeitsmarkt leergefegt.

Ist Redakteurin der Personalwirtschaft und schreibt off- und online. Ihre inhaltlichen Schwerpunkte sind die Themen Arbeitsrecht, HR-Start-ups und Recruiting.

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