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Personaldienstleister: Licht am Horizont

Foto: © RizaldyMusa – stock.adobe.com
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Amadeus Fire:
“Die Pandemie hat den Fachkräftemangel nicht beseitigt”

Portraitfoto Dennis Gerlitzki

Über die Folgen des Lockdowns in der Arbeitnehmerüberlassung, Zeitarbeitskräfte im Homeoffice und Unternehmen, die trotz konjunkturellem Einbruch Arbeitnehmer für die Festanstellung suchen, berichtet Dennis Gerlitzki, COO bei Amadeus Fire.

Personalwirtschaft: Wie zeigten sich in Ihrem Unternehmen die Auswirkungen des Lockdowns?

Dennis Gerlitzki: Die fehlende Nachfrage und die Auftragsabmeldungen unserer externen Mitarbeiter haben mit den Schulschließungen zu einem nie dagewesenen Einbruch geführt. Da die Leitungskräfte der Kunden vielfach auch zu Hause arbeiteten, scheiterten Neuaufträge daran, dass niemand die überlassenen Arbeitskräfte hätte anleiten können. Eine “Noteinarbeitung” funktionierte nur in den Fällen, in denen Zeitarbeitnehmer schon mal in demselben Unternehmen tätig waren. Gleichzeitig konnten aber über die Hälfte unserer externen Mitarbeiter – Fach- und Führungskräfte aus dem kaufmännischen und IT-Bereich – im Homeoffice arbeiten. Das haben wir als sehr positiv erlebt. Da unsere Kunden teilweise nicht in dem Maße Laptops zur Verfügung stellen konnten, wie sie praktisch über Nacht gebraucht wurden, haben wir die Mitarbeiter selbst ausrüstet.

Gab es auch Branchen, in denen die Nachfrage anzog?

Zum einen haben wir festgestellt, dass der Bedarf an Fachkräften in Prüfungs- und Beratungsunternehmen unverändert blieb. Zum anderen nahm die Nachfrage im Bankenumfeld eindeutig zu, da das Transaktionsvolumen bei Depot- und Online-Banken gestiegen ist. Gleichzeitig benötigten auch die Investitions- und Strukturförderbanken des Bundes mehr qualifiziertes Personal. Im gesamten Sektor Geld- und Zahlungsabwicklung – ob bei Online-Händlern oder in der Verwaltung – waren fachspezifische Mitarbeiter sehr gefragt.

Wie erleben Sie die Entwicklung in der zweiten Jahreshälfte?

Die Nachfrage steigt seit Juni wieder ganz langsam an. Aber erst wenn die Kurzarbeit in den Betrieben wieder ausläuft, können unsere externen Mitarbeiter in vollem Umfang vom Anlaufen der Wirtschaft profitieren. Parallel beobachten wir, dass trotz der konjunkturellen Entwicklung Unternehmen über unsere Personalvermittlung neue Mitarbeiter festanstellen. Die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie haben den Fachkräftemangel nicht beseitigt. Jede Organisation hat eine Verwaltung und viele suchen Fachkräfte mit spezifischen Qualifikationsprofilen, die wir derzeit besser als zuvor bedienen können.

Page Personnel Deutschland GmbH:
“Viele Unternehmen sichern sich passende Fachkräfte”

Portraitfoto Pablo Galan

Page Personnel vermittelt Fachkräfte für die Bereiche Einkauf, Logistik, Rechnungswesen, Controlling, IT und Engineering. Über die Entwicklung der Nachfrage in und nach dem Lockdown berichtet Managing Director Pablo Galan.

Personalwirtschaft: Welche Reaktionen haben Sie in der Corona-Krise erlebt?

Pablo Galan: Kunden aus fast allen Branchen haben einen Teil der überlassenen Arbeitnehmer abgemeldet. Daneben reagierten viele Einsatzbetriebe sehr flexibel auf das Thema Homeoffice. Während der Ausgangbeschränkungen konnten etliche unserer Mitarbeiter von zu Hause aus arbeiten. Das hat uns positiv überrascht. Gleichzeitig stieg in einigen Bereichen die Nachfrage nach qualifizierten Kräften.

In welchen Tätigkeitsbereichen stieg der Bedarf an Fachkräften oder blieb gleich hoch?

Da gab es einige. Unternehmen aus dem Lebensmitteleinzelhandel suchten vermehrt Fachkräfte für die Logistik, das Warencontrolling, die Buchhaltung und das Reporting. Ihr Arbeitsanfall ist zwischen März und Mai deutlich gestiegen, sodass sie dringend temporäre Unterstützung brauchten. Auch aus den Steuerberatungskanzleien bekamen wir viele Anfragen nach qualifizierten Mitarbeitern, weil durch das Kurzarbeitergeld bei den Mandanten der Beratungs- und Handlungsbedarf stieg.

Weitere Bereiche?

Ebenso waren in allen Branchen Fachkräfte für die Lohnabrechnung stark gefragt. Auch hier lag und liegt weiterhin die Ursache in der Berechnung des Kurzarbeitergelds. Beim Lohn- und Gehaltsbuchhaltern übersteigt die Nachfrage definitiv das Angebot. Außerdem wurden IT-Fachkräfte händeringend gesucht, da die unternehmensweite IT auch für die Mitarbeiter im Homeoffice aufgesetzt werden musste. Die Spezialisten für IT-Sicherheit und Organisation waren und sind hoch begehrt.

Kommt das Wiederanlaufen der Wirtschaft auch in der Zeitarbeit an?

Die Nachfrage nimmt seit Mitte Juni in vielen Branchen wieder zu. Mit dem Zeitpunkt, an dem Arbeitnehmer wieder ins Büro zurückkehren konnten, steigt der Bedarf nach und nach. Natürlich sind wir noch nicht auf dem Level von vor dem Corona-Ausbruch. Und auch die Automotive-Industrie, die sich in einer Umstrukturierung befindet, ist weiterhin zurückhaltend.

Ihre Prognose für die nächsten zwölf Monate?

Der springende Punkt ist: Das Virus hat den grundlegenden Fachkräftemangel nicht eliminiert. Das haben viele Unternehmen verstanden und nutzen diesen Moment, sich passende Fachkräfte zu sichern. Gleichzeitig erhalten wir mehr Bewerbungen, weil viele Arbeitnehmer ihren Arbeitsplatz als unsicher empfinden. Daher bin ich für unsere Branche recht optimistisch.

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Dieser Beitrag ist Teil des Themen-Specials „Zeitarbeit“. Mehr
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Christiane Siemann ist freie Journalistin und Moderatorin aus Bad Tölz, spezialisiert auf die HR- und Arbeitsmarkt-Themen, die einige Round Table-Gespräche der Personalwirtschaft begleitet.