Bestimmt haben Sie schon einmal von der „Great Resignation“ oder dem „Big Quit“ in den USA gehört. Millionen von Mitarbeitenden verlassen jenseits des Atlantiks ihre gewohnten Jobs – die Zahl der Kündigungen befindet sich auf einem nie dagewesenen Höchststand. Längst hat die Welle andere Länder erreicht und auch in Deutschland werden ihre Folgen für Arbeitgeber inzwischen diskutiert.
Steigende Wechselbereitschaft
Als Ursache für das Phänomen vermuten Experten:innen eine allgemeine, durch Corona ausgelöste Sinnkrise im Job. Immer mehr Menschen haben sich unter den plötzlich geänderten Arbeits- und Lebensbedingungen gefragt, was ihnen im Job wirklich wichtig ist. Und sie kommen zu dem Schluss, dass sie diese Ziele und Prioritäten bei einem anderen Arbeitgeber, in einer anderen Branche oder mit einem anderen Job besser erreichen können. Das hat Folgen fürs Recruiting wie für die Mitarbeiterbindung. Beides wird deutlich schwieriger.
Akademisches Bild vom „Big Quit“
Corona sei „eine Art Brandbeschleuniger für Sinnsuchende“ geworden, schrieb eine große deutsche Tageszeitung Anfang 2022. Die Art und Weise, wie über die Great Resignation gesprochen wird, weckt unweigerlich Assoziationen mit akademischer Arbeit: IT-Spezialisten oder Betriebswirte stellen unter den Bedingungen des Homeoffice plötzlich fest, dass sie sich beruflich etwas ganz Anderes wünschen. Das Bild ist nicht falsch, aber unvollständig, weil es nur den begrenzten, akademischen Ausschnitt der Arbeitswelt zeigt. Der Big Quit droht nämlich auch bei nicht-akademischen Fachkräften mit Berufsausbildung.
Selbstbewusste Fachkräfte
Hintergrund der bevorstehenden Wechselwelle sind die Verhältnisse auf den Stellenmärkten, in denen – insbesondere in Fachkräfte-Branchen – die Anzahl der Stellenangebote, die der Job-Nachfragenden deutlich übersteigt. 57,2 % der Fachkräfte mit Berufsausbildung sind einer Studie von meinestadt.de zufolge davon überzeugt, sich aufgrund der eigenen Qualifikation und Erfahrung, den Job aussuchen zu können. Unter den jüngeren Fachkräften (18-24 Jahre) sind es sogar 68,1 %, in der Pflege 89,4 %.
Steigende Nachfrage in Fachkräfte-Branchen
Wer die Wahl hat, besinnt sich auf seine Prioritäten, nutzt die damit verbundenen Chancen und stellt Ansprüche. Und immer mehr Fachkräfte haben die Wahl: Aktuell ist die Nachfrage so hoch wie nie. Im Stellenindex April 2022 meldet die Bundesagentur für Arbeit einen besonders starken Anstieg an Jobangeboten in klassischen Fachkräfte-Branchen wie verarbeitendes Gewerbe (zum Beispiel Metallbau), Handel sowie Verkehr und Logistik. Es wird für Fachkräfte zunehmend leichter, etwas Besseres zu finden – und für Arbeitgeber zunehmend schwieriger, Fachkräfte an sich zu binden und neue Fachkräfte zu gewinnen.
Drohende Fluktuationswelle
Zusammen mit einer geringen Bindung an ihre Arbeitgeber baut sich eine Fachkräfte-Fluktuationswelle auf. „Sehr verbunden“ mit ihrem Arbeitgeber fühlen sich aktuell nur 29,1 % der Fachkräfte. Deutlich niedriger ist der Anteil bei jüngeren Fachkräften zwischen 18 und 24 Jahren (22,2 %), in größeren Betrieben zwischen 500 und 1000 Mitarbeitende (24,1 %) sowie in der Pflege (20,3 %). Hinzu kommt, dass für Fachkräfte der Wechsel immer normaler wird: Selbst unter den 18- bis 24-jährigen Fachkräften hat knapp die Hälfte schon mindestens einmal den Arbeitgeber gewechselt. Über die Hälfte der
Fachkräfte sucht aktuell aktiv oder passiv nach einem neuen Job laut einer aktuellen Studie von meinestadt.de.
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