Ob bei der Bahn, in der Kita, am Flughafen oder im Einzelhandel – 2023 streikten zahlreiche Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Meist forderten sie gemeinsam mit den entsprechenden Gewerkschaften aufgrund des Fachkräftemangels und der Inflation höhere Löhne. Während – gerade auch im Falle des Bahn-Personals – zahlreiche Menschen stöhnten, sieht die Mehrheit der Fachkräfte die Streiks als positiv an. Das zeigt eine Studie von meinestadt.de und dem Marktforschungsinstitut Bilendi. Im Juli 2023 hatten sie rund 3.000 Fachkräfte mit Berufsausbildung repräsentativ befragt – unter anderem auch zur Streiksituation.
Die Ergebnisse im Detail: 77 Prozent der Fachkräfte rechnen damit, dass der zunehmende Fachkräftemangel zu mehr Streiks führen wird. Fast genauso viele der Befragten würden diese Entwicklung als richtig empfinden. Etwas weniger, aber immerhin noch zwei Drittel, möchten, dass auch in ihrer Branche gestreikt wird.
Mehr Streiks gleich mehr Lohn?
Mehr Streiks versprechen aber nicht unbedingt verbesserte Arbeitsbedingungen und höhere Löhne. Das sieht die Mehrheit der Befragten allerdings anders. Rund 71 Prozent der Fachkräfte sind davon überzeugt: Streiks rufen Aufmerksamkeit für die Forderungen der Mitarbeitenden hervor und das führt dazu, dass sie langfristig besser bezahlt werden. Dass sich Streiks auf ihr eigenes Verhalten auswirken, sagen dahingegen etwas weniger. Etwa 38 Prozent fühlen sich persönlich durch die Zunahme von Streiks darin bestärkt, gegenüber ihrem Arbeitgeber und im Bewerbungsprozess mehr Forderungen zu stellen. Dies trifft besonders auf Beschäftigte aus Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitenden (45 Prozent) und Fachkräfte aus der Pflege (55 Prozent) zu.
Rein positiv sehen die Fachkräfte die möglichen Auswirkungen der Streiks dann doch nicht. Rund 49 Prozent sind der Meinung, dass Streiks dem Image der betroffenen Berufsgruppe schaden. Das Fazit der Studienverfasserinnen und -verfasser: „Wenn mehr Fachkräfte beginnen zu entdecken, dass für sie vor dem Hintergrund der Situation auf dem Arbeitsmarkt mehr drin ist, dürften sich die Verhältnisse für die Arbeitgeberseite deutlich verschlechtern. Es wird zwar schon jetzt viel über den Fachkräftemangel geklagt. Das Phänomen gleicht aber eher noch einem schlafenden Riesen.“
Lena Onderka ist redaktionell verantwortlich für den Bereich Employee Experience & Retention – wozu zum Beispiel auch die Themen BGM und Mitarbeiterbefragung gehören. Auch Themen aus den Bereichen Recruiting, Employer Branding und Diversity betreut sie. Zudem ist sie redaktionelle Ansprechpartnerin für den Deutschen Human Resources Summit.

