Unbezahlte Praktika könnten ab Juni verboten sein

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Unbezahlte Praktika sind weiterhin keine Seltenheit. Laut dem diesjährigen Future-Talents-Report der HR-Beratung Clevis haben 21 Prozent aller Studierenden ein freiwilliges Praktikum absolviert, ohne Geld dafür zu bekommen. Nun will das Europäische Parlament unbezahlte Praktika verbieten. Noch vor der EU-Parlamentswahl im Juni soll es ein Gesetz geben, in dem entsprechende Mindeststandards festgelegt werden.

Bereits im vergangenen Juni forderten die Abgeordneten die Europäische Kommission dazu auf, einen Entwurf zu erstellen. Die Begründung: „Unbezahlte Praktika sind eine Form von Ausbeutung junger Menschen und verstoßen gegen ihre Rechte.“ Praktika seien für junge Menschen ein wichtiges Sprungbrett in den Arbeitsmarkt, so das EU-Parlament. Dass sie hierfür Geld investieren müssen, statt etwas zurückzubekommen, sei nicht akzeptabel. Laut einer Studie des „Europäischen Jugendforums „kostet“ ein unbezahltes Praktikum einen jungen Menschen in Europa rund 1000 Euro pro Monat.

In Deutschland gilt bisher: Auch Praktikanten und Praktikantinnen haben das Recht, für ihre Arbeit vergütet zu werden. So steht im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) Paragraph 612 Absatz 1: „Eine Vergütung gilt als stillschweigend vereinbart, wenn die Dienstleistung den Umständen nach nur gegen eine Vergütung zu erwarten ist.“ Doch es gibt Einschränkungen. Liegt ein Vertrag für ein Pflichtpraktikum vor, können Praktikantinnen und Praktikanten keine Vergütung fordern. Bei einem freiwilligen Praktikum hingegen, das länger als drei Monate dauert, haben sie Anspruch auf den gesetzlichen Mindestlohn.

Gesetz bereitet Schlupflöchern ein Ende

Das geplante Verbot wird in Deutschland vermutlich nicht den Großteil der Praktika betreffen, da die meisten sowieso vergütet werden. Jedoch würde das Gesetz den vorhandenen Schlupflöchern ein Ende bereiten. Ohnehin können es sich Unternehmen in Branchen, in denen ein Kampf um Young Talents stattfindet, nicht erlauben ihre Praktikanten und Praktikantinnen gar nicht oder nur schlecht zu bezahlen, da sie sonst zur Konkurrenz weiterziehen.

Das EU-Parlament geht übrigens mit gutem Beispiel voran: 2019 hat das Präsidium des Europäischen Parlaments eine Regelung verabschiedet, die unbezahlte Praktika in den Büros der europäischen Abgeordneten verbietet. Zuvor konnten Abgeordnete die Bezahlung ihrer Praktikantinnen und Praktikanten frei festlegen. Mit der Regelung wurde ein einheitlicher Maßstab für alle europäischen Parlamentarier und Parlamentarierinnen gesetzt.

Sven Frost betreut das Thema HR-Tech, zu dem unter anderem die Bereiche Digitalisierung, HR-Software, Zeit und Zutritt, SAP und Outsourcing gehören. Zudem schreibt er über Recruiting und Employer Branding. Er verantwortet weiterhin die redaktionelle Planung verschiedener Sonderpublikationen der Personalwirtschaft.

Frederic Haupt war Volontär der Personalwirtschaft.