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Sechs Zahlen zum Equal Pay Day 2021

Zwei unterschiedliche große Münztürm, auf dem kleineren Frauen- und auf dem größeren Männersymbol
Der Gender Pay Gap ist in Deutschland immer noch höher als der in den meisten anderen Ländern Europas. Foto: © Fokussiert-stock.adobe.com

Bei 19 Prozent …

lag der Gender Pay Gap in Deutschland nach Angaben des Statistischen Bundesamts im Jahr 2019. In den letzten 15 Jahren hat sich die geschlechtsspezifische Lohnlücke kaum verändert. Deutschland hat einen der höchsten Gender Pay Gaps in Europa. Auch wenn man die Frauenerwerbsquote berücksichtigt, die hierzulande 74,3 Prozent beträgt, schneidet Deutschland schlecht ab: Im Vergleich der 14 europäischen Länder, deren Frauenerwerbsquote zwischen 70 und 80 Prozent liegt, ist die Gehaltslücke nur in Österreich und Estland noch größer. Das geht aus einer aktuellen Analyse der > Forschungsgruppe Gender Economics des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) hervor.

Versiebenfacht …

hat sich zwischen 2014 und 2018 die Anzahl der Erwähnungen des Themas Gender Pay Gaps in den deutschen Medien, wie die > DIW-Studie außerdem zeigt. Nachdem das Thema vorher nur selten aufgegriffen wurde, erhöhten sich die Nennungen von 63 im Jahr 2014 auf 455 in 2018. Das gestiegene Interesse an ungleicher Bezahlung spiegelt sich auch darin wider, dass die Google-Suchanfragen zum Begriff “Gender Pay Gap” deutlich zugenommen haben. Die meisten Anfragen gab es im März 2019, aber auch in den beiden Vorjahren war die Zahl der Suchen jeweils im März am höchsten. Das hängt laut DIW vermutlich mit dem Equal Pay Day zusammen, der seit 2008 einmal im Jahr auf die Verdienstunterschiede zwischen Männern und Frauen hinweist.

16.264 Euro mehr …

als ihre Kolleginnen verdienen männliche Personalleiter in Deutschland. Sie kommen auf durchschnittlich 104.000 Euro, während Frauen lediglich 87.736 Euro erhalten. Das ist ein Ergebnis einer Analyse von > Gehalt.de in Zusammenarbeit mit der Initiative Finanz-Heldinnen anlässlich des diesjährigen Equal Pay Days. Ermittelt man den bereinigten Gender Pay Gap, der Faktoren wie Branche, Firmengröße, Berufserfahrung und Qualifikation herausrechnet, ergibt sich eine Differenz von 2,3 Prozent. Damit stehen Personalleiterinnen deutlich besser da als der Schnitt aller Führungskräfte, bei denen die bereinigte Entgeltdifferenz 7,04 Prozent beträgt. Bei Fachkräften liegt die unbereinigte Gehaltslücke bei 5,15 Prozent. Die Untersuchung nach Branchen ergibt, dass Frauen vor allem in einigen Sparten des Einzelhandels deutlich schlechter bezahlt werden als Männer. Das gilt vor allem für den Lebensmitteleinzelhandel, der im Zuge der Corona-Krise als systemrelevant hervorgehoben wird: Dort fällt die Vergütung von Frauen um zwölf Prozent niedriger als bei männlichen Mitarbeitern – die höchste geschlechtsspezifische Lücke aller Branchen.

Eine Lücke von rund 150.000 Euro …

zu Ungunsten der Frauen ergibt sich, wenn man den gesamten Verdienst im Laufe ihres Berufslebens mit dem der Männer vergleicht – und das bei vergleichbarer Qualifikation und Position. Zu dieser Erkenntnis kommt der neueste > Gehaltsreport von Stepstone.

Für 90 Prozent …

der weiblichen Berufstätigen ist das Gehalt einer der wichtigsten Faktoren bei der Entscheidung für eine Arbeitsstelle. Laut einer Sonderauswertung der > Stepstone-Studie “Der Bewerbungsprozess ist Erfolgsfaktor im Wettbewerb um Talente” zum Eqal Pay Day wünschen sich acht von zehn Frauen schon bei der Jobsuche Informationen zur Bezahlung. Fast alle befragten Frauen (96 Prozent) würden sich eher auf ein passendes Jobangebot bewerben, wenn es konkrete Gehaltsangaben enthalten würde. Tatsächlich erwähnt aber nur etwa jeder fünfte Arbeitgeber in seinen Jobinseraten die Bezahlung – und wenn, dann meistens nur mit vagen Formulierungen wie “marktüblich” oder “überdurchschnittlich”. Die Jobplattform will in Zukunft bei allen Stellenangeboten eine – im Zweifelsfall geschätzte – Gehaltsspanne angeben.

11,5 Prozent weniger …

Frauen als Männer erhielten bislang in der Corona-Krise eine Aufstockung des Kurzarbeitergelds: Bei den Männern waren es 48 Prozent, bei den Frauen nur 36,5 Prozent. Das ergibt eine neue > Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung im Vorfeld des Internationalen Frauentags am 8. März. Die Differenz erklärt sich unter anderem damit, dass Frauen seltener in tarifgebundenen Betrieben arbeiten, für die Gewerkschaften häufig eine Aufstockung durch den Arbeitgeber vereinbaren konnten. Die Gehaltslücke zwischen den Geschlechtern könnte sich durch die Krise zwar kurzfristig etwas verkleinert haben, weil anfangs mehr Männer in Kurzarbeit gehen mussten, die Studienautoren warnen jedoch vor einer möglichen negativen Entwicklung für Frauen. So wirke sich Kurzarbeit auf lange Sicht bei weiblichen Beschäftigten oft negativer auf den Verdienst aus bei männlichen. Dazu komme, dass sich in einigen Familien derzeit die traditionelle Verteilung der unbezahlten Kinderbetreuung verfestigt, was zu einer dauerhaften Verschlechterung der Arbeitszeitsituation von Frauen führen könne – mit entsprechenden Folgen auf die Verdienstsituation. (Mehr zur Studie finden Sie auch bei unserem Schwesterportal Total Rewards.)

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.