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Urlaubstag, Gutschein, Online-Veranstaltung: Alternativen zu Corona-Prämien

Viele Unternehmen möchten sich bei ihren Beschäftigten für den Einsatz während der Corona-Pandemie bedanken. Für unmittelbar von der Pandemie betroffene Betriebe hat die Politik die Möglichkeit einer steuerfreien Corona-Prämie geschaffen – und die entsprechende Regelung mehrfach verlängert. Aber nicht alle Unternehmen haben die Möglichkeit dazu – oder den Willen. Für sie gibt es Alternativen, mit denen sie ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gegenüber Dank und Wertschätzung ausdrücken können.

Wir haben uns drei dieser Möglichkeiten angeschaut:

1. Gutschein

Mitte März hat die Warenhauskette Real angekündigt, dass alle (tariflich) Beschäftigten einen Warengutschein über 150 Euro als “Dankesprämie” erhalten. Bereits im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen nach eigenen Angaben mehrere außerordentliche Prämien an die Beschäftigten ausgezahlt: Zwei Gutscheine in Höhe von je 100 Euro pro Person im März und Ende April sowie einen Gutschein in Höhe von 150 Euro pro Person im November. Insgesamt hat das Unternehmen demnach bislang für die Prämien rund 12,3 Millionen Euro bereitgestellt. Gerade im Lebensmitteleinzelhandel scheint diese Art der Prämie beliebt zu sein, denn auch die zur Schwarz-Gruppe gehörenden Lidl und Kaufland haben ihren Beschäftigten schon Prämien in Form von Warengutscheinen ausgezahlt. Für die Unternehmen hat das natürlich den Vorteil, dass die Prämie im eigenen Haus ausgegeben wird und damit zumindest die Marge der gekauften Produkte wieder dem Unternehmen zufließt.

Robin Große, Steuerberater bei Ecovis in Ahlbeck. (Foto: ecovis.com)
Robin Große, Steuerberater bei Ecovis in Ahlbeck. (Foto: ecovis.com)

“Steuerrechtlich ist ein Sachlohn, wozu auch Gutscheine zählen, grundsätzlich wie Barlohn zu behandeln”, sagt Robin Große, Steuerberater bei Ecovis in Ahlbeck – mit einigen Besonderheiten: Bis 44 Euro pro Monat kann ein Sachlohn steuerfrei bleiben, wenn die Freigrenze nicht überschritten wird und der Sachlohn zusätzlich zum Lohn gewährt wird. “Auf Sachbezüge lässt sich aber auch der Corona-Bonus anwenden, soweit er noch nicht ausgeschöpft ist, da dieser sowohl für einen Barlohn als auch für Sachbezüge gilt”, sagt der Experte.

2. (Online-)Veranstaltung

Sommerfeste, Weihnachtsfeiern oder auch nur der gemeinsame Drink nach Feierabend: In der Pandemie leidet ganz besonders das kollegiale Beisammensein. Zumindest ein wenig Linderung versprechen hier Online-Veranstaltungen wie Escape-Games, Weinproben oder ähnliches. Dort können die Beschäftigten dann zumindest in virtueller Gesellschaft etwas “erleben”, was im Idealfall das Gemeinschaftsgefühl steigert. “Unter den Voraussetzungen der entsprechenden Regelung im Einkommenssteuergesetz (§ 19 Abs. 1 Nr. 1a EstG) können solche Aktionen als Betriebsveranstaltungen gelten”, sagt Steuerberater Robin Große. Dann gilt ein Freibetrag von 110 je Arbeitnehmer Euro, bis zu dem die Kosten steuerfrei sind. “Die Betriebsveranstaltungen müssen allerdings einen geselligen Charakter haben und allen im Betrieb offen stehen”, ergänzt der Experte. Letzteres lasse sich etwa anhand einer Einladungsliste nachweisen.

3. Zusätzlicher Urlaub

Anne-Franziska Weber, Rechtsanwältin bei Ecovis in München. (Foto: ecovis.com)
Anne-Franziska Weber, Rechtsanwältin bei Ecovis in München. (Foto: ecovis.com)

Es läuft zwar unter dem Titel “Mental Health Day”. Das, was SAP am 27. April veranstaltet, ist effektiv aber nichts anderes als ein zusätzlicher Urlaubstag. Alle weltweit rund 100.000 Beschäftigten des Softwareunternehmens haben an diesem Tag frei – bei voller Bezahlung. Auch andere Unternehmen haben so etwas angekündigt, Linedin-Beschäftigte hatten sogar die komplette Woche nach Ostern frei – von einer kleinen Rumpfmannschaft abgesehen. Und nicht zuletzt das hin-und-her um die “Ruhetage” veranlasste manches Unternehmen, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an Gründonnerstag kurzerhand freizugeben. Aus steuerlicher und sozialversicherungsrechtlicher Sicht gibt es hier laut Steuerberater Robin Große keine Besonderheiten. Der geschenkte Urlaubstag würde wie normaler Urlaub abgerechnet, soweit Arbeitgeber und Arbeitnehmer nichts anderes vereinbaren, der Arbeitgeber entsprechend Urlaubsentgeld für diesen Tag fortzahlen. “Arbeitgeber sind hier gut beraten, wenn sie das mit einer schriftlichen Vereinbarung regeln”, ergänzt Anne-Franziska Weber, die bei Ecovis in München als Rechtsanwältin tätig ist. “Daraus sollte klar hervorgehen, dass es sich um einen einmaligen zusätzlichen Urlaubstag aufgrund der derzeitigen Lage handelt und dass für die Zukunft kein Rechtsanspruch auf einen zusätzlichen Urlaubstag besteht.”

Ist Chef vom Dienst der Personalwirtschaft Online und kümmert sich unter anderem um die Themenplanung der Webseite. Texte schreibt er vor allem über Themen aus den Bereichen Arbeitsrecht, Digitalisierung und dem Mittelstand.