Ein neuer Höchststand an Fehltagen durch psychische Erkrankungen im Jahr 2022 sowie der höchste Stand an Krankmeldungen seit einem Vierteljahrhundert lassen das Thema Gesundheit in Unternehmen immer wichtiger werden. Dabei geht es nicht nur um die Gesundheit des Einzelnen. Auch Teams geraten unter dem Anpassungsdruck der sich ständig verändernden Rahmenbedingungen aus dem Gleichgewicht. Gleichzeitig sind sie angesichts der zunehmenden Komplexität der Aufgaben für die Innovations- und Leistungsfähigkeit von Unternehmen wichtiger denn je. Da sie aber nur dann ihr volles Potenzial entfalten können, wenn sie gesund sind, ist es umso wichtiger, in einer Studie der Frage nachzugehen, welcher Beitrag auf den drei Ebenen Individuum, Team und Führungskraft zur Förderung und Erhaltung der Gesundheit von Teams geleistet werden kann.
Die Studie wird von Prof. Dr. Katrin Winkler und Prof. Dr. Sandra Niedermeier am Institut für Digitale Transformation in Arbeit, Bildung und Gesellschaft der Hochschule Kempten durchgeführt. Ihr Ziel ist es, angesichts der aufgezeigten Bedeutung des Themas, für das es bisher kaum weiterführende Untersuchungen gibt, einen Beitrag zur besseren Erforschung zu leisten. Dieser soll Anhaltspunkte für die Ableitung konkreterer Handlungsempfehlungen zur Förderung der psychischen Gesundheit von Teams liefern.
Info
Die Ergebnisse der oben angekündigten Studie des Instituts für Digitale Transformation in Arbeit, Bildung und Gesellschaft der Hochschule Kempten werden zuerst auf www.personalwirtschaft.de veröffentlicht.
Die Studie möchte sich auf die erlebte Teamdynamik und mentale Stärke zur gemeinsamen Bewältigung von Herausforderungen, die unter dem Begriff Teamgesundheit zusammengefasst wird, fokussieren. So richtet sich Teamgesundheit auch auf Bereiche wie Motivation, psychologische Sicherheit, Rollen- und Aufgabenklarheit oder die Art und Weise der Interaktion im Team. Als weitere wichtige Kennzeichen der Gesundheit eines Teams sind des Weiteren unter anderem die Aspekte Spaß und Kreativität, Zielklarheit, Vertrauen sowie gemeinsame Unterstützung und ein übergeordneter Sinn und Zweck zu betrachten.
Die Wettbewerbsfähigkeit erhalten
Die Auseinandersetzung und Förderung von Teamgesundheit stellen keinen Selbstzweck dar, sondern sind vielmehr als Notwendigkeit zum Erhalt der langfristigen Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen zu begreifen. So helfen weniger Krankentage etwa beim Reduzieren der Personalkosten und wirken positiv auf die Zufriedenheit und Motivation der Mitarbeitenden, die wiederum mit der Teamgesundheit in Verbindung gebracht werden können. Ein weiterer wichtiger Nutzen für die Unternehmen ist auch die Steigerung der Attraktivität als Arbeitgeber mit der Sorge um die Gesundheit der Mitarbeitenden sowie die Erhöhung der Widerstandsfähigkeit, der Resilienz, des Teams. Diese wiederum ermöglicht es dem Team, dem Anpassungsdruck in einer sich ständig verändernden und unsicheren Welt besser standzuhalten.
Eine bewusste und gezielte Förderung der Teamgesundheit in Unternehmen ist herausfordernd, besonders die häufig noch fehlende Sensibilisierung für das Thema und damit einhergehend die dafür eingeräumte Zeit zur Auseinandersetzung mit Teamgesundheit im Unternehmen. Im Vergleich zu körperlichen Beeinträchtigungen sind psychische Belastungen nach wie vor häufig tabuisiert, so dass hier oft erst eine Akzeptanz und Offenheit für die Auseinandersetzung geschaffen werden muss.
Neben diesen Beispielen für interne Herausforderungen zeigen sich veränderte Teamstrukturen und Formen der Teamzusammenarbeit als weitere Herausforderung. So liegen beispielsweise bei der Zusammenarbeit in hybriden Teams, wie sie immer häufiger zu beobachten ist, besondere Herausforderungen für das Thema Teamgesundheit darin, dass sich Mitarbeitende in der hybriden Zusammenarbeit meist nur „zweidimensional“, das heißt nur am Bildschirm, als Team erleben, wodurch viele Intuitionen verborgen bleiben. Auch Rollenkonflikte und das Gefühl der sozialen Isolation sind besondere Herausforderungen im Zusammenhang mit multiplen Teammitgliedschaften.
Die Teamgesundheit fördern
Die genannten Herausforderungen zeigen, dass wir bezogen auf das Thema Teamgesundheit erst am Anfang stehen, ein tieferes Bewusstsein für die Bedeutung des Themas zu schaffen und schließlich den Schritt zur Planung und Umsetzung konkreter Maßnahmen zur Förderung und Erhaltung der Teamgesundheit zu machen. Hierfür ist eine umfassendere Forschung zu dem Thema unerlässlich. Wichtig in der Umsetzung ist gleichzeitig das Verständnis, Teamgesundheit als Gemeinschaftsaufgabe zu sehen – mit vielen kleinen Stellschrauben, die auf unterschiedlichen Ebenen liegen und letztlich, wenn alle gemeinsam an einem Strang ziehen, zu einer guten Teamgesundheit führen können. So kann Teamgesundheit beispielsweise konkret auch durch regelmäßige Retrospektiven und Feedback-Schleifen gefördert werden, in denen man Routinen im Team hinterfragt und immer wieder auf den Prüfstand stellt, wie gut das gelebt wird, was als gemeinsame Vereinbarungen beschlossen wurde.
Den Nährboden dafür bildet eine Kultur des gegenseitigen Respekts und der Wertschätzung, geprägt von einer Haltung, in der die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als Menschen mit individuellen Stärken und Schwächen, Bedürfnissen und dem Recht auf Fehler anerkannt werden. Aufbauend auf einem solchen Verständnis kann, durch das Schaffen entsprechender Strukturen, dann auf den verschiedenen Ebenen an konkreten Schritten zur Förderung der Teamgesundheit gearbeitet werden.
Für jedes Unternehmen gilt es, unter Berücksichtigung der spezifischen Gegebenheiten seinen individuellen Weg zur Förderung von Teamgesundheit zu gestalten. Auch wenn es einige Ansatzpunkte gibt, die den Unternehmen als Unterstützung auf diesem Weg an die Hand gegeben werden können, so kann doch kein Patentrezept für gesunde und damit leistungs- und innovationsfähige Teams als Motor erfolgreicher und wettbewerbsfähiger Unternehmen gegeben werden. Klar muss sein: Jeder ist gefragt – der Einzelne, aus Selbstwertschätzung heraus, mit der Fürsorge für die eigene Gesundheit, das Team mit der gemeinsamen Arbeit an einer gesunden Kommunikationskultur und einem sicheren Umfeld und schließlich die Führungskraft als wichtiges Vorbild und Unterstützer für das Team.
Jedoch ist es notwendig, um solche wesentlichen Elemente auf eine breitere wissenschaftliche Basis zu stellen und einen Rahmen für die Identifikation konkreter Handlungsempfehlungen zur Förderung der Teamgesundheit zu etablieren, das Konzept weiter zu erforschen. Die Durchführung dieser Studie ist somit ein wichtiger Schritt zur Generierung von Aufmerksamkeit für dieses Thema und kann als Impuls für zukünftige Forschungen dienen. Diese können schrittweise ein immer genaueres Verständnis des Konzepts der Teamgesundheit entwickeln. Interessant könnten in diesem Zusammenhang zum Beispiel auch die Teamdiversität und die Teamgröße als Determinanten der Teamgesundheit sein. Eine genauere Untersuchung des Konzepts als Bestandteil eines umfassenderen Verständnisses von Teameffektivität kann ebenso eine bedeutende Perspektive für zukünftige Betrachtungen darstellen.
Autor
Svenja König ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für digitale Transformation in Arbeit, Bildung und Gesellschaft an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Kempten.
