Die Zahl der Menschen, die selbstständig in freien Berufen arbeiten, ist in den letzten Jahren kontinuierlich angestiegen. Laut einer Analyse des Verbands der Gründer und Selbstständigen arbeiten heute dreimal mehr so viele Menschen als Freelancer als noch vor 30 Jahren. Die Analyse wird im neuen Freelancer-Kompass 2024 erwähnt. Der Kompass zeigt auch, warum es so viele Talente zur Selbstständigkeit gezogen hat: Besonders schätzen Menschen an der Selbstständigkeit die Entscheidungsfreiheit, die freie Zeiteinteilung und ein höheres Einkommen. Doch nicht nur für die Freelancerinnen und Freelancer selbst bringt die Selbstständigkeit Vorteile mit sich. Auch Unternehmen können von deren Einsatz profitieren. Denn: „Freiberufler sind eine gute Option für spezialisierte Aufgaben“, wird Oliver Grün, Präsident des Bundesverbands IT-Mittelstand, im Freelancer-Kompass zitiert. Außerdem können sie eine frische Perspektive in das Unternehmen bringen.
Info
Der Freelance-Kompass ist laut eigenen Angaben die größte Umfrage unter Freelancern, Freiberuflern und Selbstständigen im deutschsprachigen Raum. Die Datenerhebung fand vom 16. Januar 2024 bis zum 29. Februar 2024 statt. Während des Zeitraums wurden insgesamt 3.042 Freelancer, Freiberufler und Selbstständige befragt.
Unternehmenskultur ist wichtig für Selbstständige
Um die richtigen Freelancerinnen und Freelancer für das eigene Unternehmen zu gewinnen, spielt laut Oliver Grün die Unternehmenskultur eine entscheidende Rolle. Unternehmen könnten seiner Meinung nach damit punkten, sich für Nachhaltigkeit und den Klimaschutz einzusetzen. Aber Arbeitgeber, die sich aktiv auf Chancengleichheit, flexible Arbeitsmodelle und eine gute Work-Life-Balance ausrichten, können attraktiv für Selbstständige sein. Das scheinen auch die aus dem Freelancer-Kompass gewonnenen Daten widerzuspiegeln. Die Befragten sollten die Werte Nachhaltigkeit, Equal Pay, Diversity, weibliches Management und Incentives in der Wichtigkeit für sich ordnen, wobei Nachhaltigkeit und Equal Pay am wichtigsten für die Befragten waren. Incentives hingegen scheinen eine eher untergeordnete Rolle bei der Entscheidung für ein Unternehmen zu spielen. Abgelehnt werden Projekte hingegen, wenn es beispielsweise keine Möglichkeiten zur Remotearbeit gibt (59 Prozent) oder ein vergleichsweise niedriger Stundensatz gezahlt wird (79 Prozent). Welcher Stundensatz üblich ist, kann hierbei von verschiedenen Faktoren beeinflusst werden. Dinge wie der Bildungsabschluss, Geschlecht oder die Branche, in welcher die Freelancerinnen und Freelancer eingesetzt werden, können einen Einfluss auf den Lohn haben.
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Hat man dann den optimalen Selbstständigen für sich gewonnen, stellt sich die Frage, wie man ihn oder sie in das eigene Unternehmen integriert. Tipps dafür gibt Anne Kukereit in unserer HR-Werkstatt. Sie ist als People & Culture Lead bei For Sale Digital tätig und arbeitet im Agenturalltag oft mit Freiberuflern zusammen. Essenziel sei es, die Freelancerinnen und Freelancer nicht zu isolieren. Vielmehr sollte man diese als vollwertige Kolleginnen und Kollegen sehen und nicht nur als Dienstleister. Das gehe meist schon ohne großen Aufwand. Dem externen Teammitglied eine persönliche Unternehmens-E-Mail-Adresse anzulegen, sei zum Beispiel schon ein guter Anfang. Aber auch der Zugang zum Intranet, zu Kommunikationskanälen und Dokumentationstools könne das Wir-Gefühl auf einem einfachen Weg stärken. Dasselbe gilt für Einladungen zu Unternehmensevents wie Firmenfeiern.
Transparenz ist essenziell
Außerdem spielt laut Kukereit Transparenz innerhalb des Unternehmens eine wichtige Rolle bei der Beschäftigung von Freiberuflern: „Eine klare Kommunikation über Ziele, Erwartungen und Arbeitsweisen ist das A und O.“ Denn nur durch eine offene Informationskultur könne das volle Potenzial entfaltet und gemeinsam an den Unternehmenszielen gearbeitet werden. „Ebenso wichtig ist eine offenen Feedbackkultur“, sagt Kukereit. Das würde nicht nur einen Dialog zwischen Selbständigen und Festangestellten ermöglichen, sondern auch zwischen Selbstständigen und der HR-Abteilung. So könne die HR-Abteilung wertvolle Einblicke von außen auf die eigenen Strukturen bekommen und Prozesse gegebenenfalls überarbeiten.
Zu guter Letzt sollte ein professionelles Offboarding stattfinden, damit einer möglichen Zusammenarbeit in der Zukunft nichts im Weg steht. Denn ein gutes Offboarding kann den Selbstständigen zeigen, dass das Unternehmen sie trotz der temporären Rolle als wichtigen Teil des Unternehmens gesehen hat und zukünftig – wenn es passend ist – gerne wieder mit ihnen zusammenarbeiten möchte. Wenn Unternehmen also gute Grundvoraussetzungen für Selbstständige schaffen, dann steht einem Engagement, von dem beide Seiten profitieren können, in Zukunft nichts im Weg.
Frederic Haupt war Volontär der Personalwirtschaft.

