Fast alle Unternehmen werben mit flexiblen Arbeitsmodellen um Beschäftigte. Bei vielen scheint dies jedoch nur Makulatur zu sein. Das legt eine repräsentative Umfrage unter Mitarbeitenden mit kleinen Kindern nahe. Demnach geben fast drei Viertel (71 Prozent) der Eltern an, es handle sich bei flexiblen Arbeitszeiten oder Homeoffice-Regelungen um falsche Versprechungen. Für die Studie im Auftrag von Remote, einem Anbieter von Personallösungen für globale Teams, wurden zwischen dem 26. März und dem 3. Mai dieses Jahres 1.507 Eltern in Deutschland befragt, die mindestens ein Kind unter fünf Jahren haben.
Flexibles Arbeiten wichtiger als Jobsicherheit
Wenn es um die Topkriterien bei der Arbeitsplatzwahl von Vätern und Müttern mit Kindern im Vorschulalter geht, rangieren flexible Arbeitszeiten mit einem Anteil von 35 Prozent auf Platz eins, noch vor Jobsicherheit und Gehalt mit je 28 Prozent. Es folgen Unterstützung bei der Kinderbetreuung und ortsunabhängiges Arbeiten (jeweils 26 Prozent). Eine große Mehrheit der befragten Eltern (84 Prozent) gibt auch an, dass in ihrem Unternehmen flexible Arbeitsmodelle existieren. Häufig scheint es sich jedoch nur um Bekenntnisse zu handeln.
Arbeitgeber gehen nicht immer auf Elternwünsche ein
Gut zwei Drittel der Befragten (69 Prozent) geben an, bereits am Arbeitsplatz getadelt worden zu sein, weil sie sich ungeplant frei nehmen mussten, als ihr Kind krank oder die Kita ungeplant geschlossen wurde. Drei Viertel der Eltern (76 Prozent) haben sich schon einmal schuldig oder ängstlich gefühlt, wenn sie eine Auszeit für die Kinderbetreuung beantragten. Auch berichtet jeder fünfte Befragte (21 Prozent) davon, bei der Beantragung von flexibleren Arbeitszeiten für die Kinderbetreuung eine Absage erhalten zu haben. Weitere zwölf Prozent haben sich nicht einmal getraut, ihren Arbeitgeber danach zu fragen.
Präsenzpflicht löst Wechselgedanken aus
Auch die in letzter Zeit von vielen Unternehmen wieder verschärften Anwesenheitsregeln mit vollständigen oder teilweisen Präsenzpflichten haben sich nach Ansicht von drei Vierteln der Eltern (76 Prozent) für sie negativ ausgewirkt. Fast alle (92 Prozent) sagen, der Zwang zu mehr Tagen im Büro habe bei ihnen Wechselgedanken ausgelöst. Rund ein Viertel (24 Prozent) würde sogar kündigen, ohne eine neue Stelle zu haben. Diejenigen, die zumindest teilweise oder voll von zuhause aus arbeiten können, haben nach eigener Aussage mehr Qualitätszeit für Kinder, Partner und sich selbst als jene, die ausschließlich vom Firmenbüro aus tätig sind.
Betreuungsmöglichkeiten für Kinder reichen nicht aus
Die Befragung zeigt deutlich, dass es hierzulande immer noch an genügend Kinderbetreuungsmöglichkeiten mangelt und dies für sie berufliche Nachteile mit sich bringt. Immerhin drei von vier Eltern (76 Prozent) haben wegen fehlender Angebote bereits eine Gehaltskürzung oder eine Verringerung der Arbeitszeit in Kauf genommen. Fast genauso viele haben ihren Partner schon einmal dazu ermutigt, den Job zu kündigen (70 Prozent) oder die Arbeitszeit zu reduzieren (71 Prozent), weil sie Probleme mit der Kinderbetreuung hatten. Insofern verwundert es nicht, dass gut drei Viertel (78 Prozent) der Eltern der Ansicht sind, die Politik müsse noch mehr tun, um ausreichende und bessere Betreuungsangebote zu schaffen. 83 Prozent wünschen sich Gesetze, die flexibles Arbeiten für Eltern noch besser ermöglichen.
Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.

