Work Life Balance und Vereinbarkeit haben einen signifikanten Einfluss darauf, wie hoch der Antrieb der Mitarbeitenden ist, den Job zu wechseln. Zu diesem – zugegebenermaßen nicht besonders überraschenden – Ergebnis kommt der aktuelle Jobwechselkompass von Königsteiner und Stellenanzeigen.de, der der Personalwirtschaft exklusiv vorliegt. Demnach bescheinigt sich gut die Hälfte der Befragten, zu viel zu arbeiten, etwa genauso viele sind unzufrieden mit ihrer Work Life Balance.
Und genau bei diesen Befragten liegt die Wechselbereitschaft besonders hoch. Von denen, die mit ihrer Work Life Balance unzufrieden sind, sagt die Hälfte, dass der eigene Antrieb, den Job zu wechseln, sehr oder zumindest eher hoch sei. Schaut man sich nur jene Befragten an, die zufrieden sind, ist der Anteil der Wechselbereiten nur halb so groß. In der Tendenz ähnliche Ergebnisse erhält man auch, wenn man sich anschaut, wer nach eigenen Angaben zu viel arbeitet oder wer die Vereinbarkeit von Arbeit und Familie beim eigenen Arbeitgeber als gut bewertet.
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Ebenfalls keinen Unterschied macht bei der Betrachtung dieser Zusammenhänge das Alter. Ältere nehmen zwar deutlich häufiger für sich in Anspruch, Arbeit und Privatleben gut voneinander trennen zu können, als Jüngere. Allerdings sind es in allen Altersgruppen vor allem jene mit schlechten Bewertungen der Work Life Balance, die kurz vor einem Jobwechsel stehen – oder sich diesen zumindest gut vorstellen können.
Wer will wechseln?
Die Fragen nach der Work Life Balance bilden in der neuesten Ausgabe des Jobwechsel-Kompasses den immer wechselnden Schwerpunkt, während nach Zufriedenheit und Wechselbereitschaft in jeder Ausgabe der vierteljährlich durchgeführten Befragung gefragt wird. Dadurch sind auch Auswertungen der Entwicklungen im Lauf der Zeit möglich: Demnach ist der Anteil derer, die eine eher oder sehr hohe Wechselbereitschaft angeben, mit 32 Prozent relativ konstant. In den Vorquartalen hatte ihr Anteil bei 29 beziehungsweise 34 Prozent gelegen.
Rückblick auf den vorherigen Jobwechselkompass:
Besonders interessant ist auch ein Vergleich der Selbsteinschätzung bezüglich der eigenen Jobchancen auf der einen und der Wechselmotivation auf der anderen Seite. Denn hier zeigt sich: Wer seine eigenen Chancen auf dem Arbeitsmarkt als „sehr schlecht“ ansieht, will – das ist erwartbar – in mehr als der Hälfte der Fälle auf gar keinen Fall den Job wechseln. In dieser – zugegebenermaßen kleinen – Gruppe sagen allerdings mit 23 Prozent auch sehr viele Befragte, dass ihr Wechselwunsch ausgeprägt ist.
Umgekehrt liegt bei den Befragten, die ihre eigenen Chancen als „sehr gut“ einschätzen, der Anteil derer, die auf gar keinen Fall wechseln wollen, mit 34 Prozent ebenfalls deutlich über dem Durchschnitt. Sie haben einen Jobwechsel vielleicht einfach nicht nötig.
Matthias Schmidt-Stein war bis Oktober 2025 Redaktionsleiter Online der Personalwirtschaft und leitete gemeinsam mit Catrin Behlau die HR-Redaktionen bei F.A.Z. Business Media. Thematisch beschäftigte er sich insbesondere mit den Themen Recruiting und Employer Branding.

