Die Gehälter stagnieren derzeit in fast allen Branchen. Das sagt Goran Barić, Regional Managing Director der Page Group, im Interview mit Personalwirtschaft. Er beruft sich dabei auf zwei Auswertungen, den Gehaltsreport 2024/2025 und die Talent Trends 2024, die sein Unternehmen jetzt veröffentlicht hat. Demnach trägt die schwache konjunkturelle Lage dazu bei, dass Unternehmen sich weitere Lohnerhöhungen derzeit in der Regel nicht leisten können.
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Für die Talent Trends hat die Page Group 50.000 Menschen in 37 Ländern befragt. 16.000 davon aus Europa und 2.200 aus Deutschland.
Für einzelne Gruppen müssen Unternehmen aber wohl schon bald Erhöhungen vornehmen. Denn hierzulande muss im Rahmen der EU-Richtlinie zur Lohntransparenz bis spätestens 2026 ein angepasstes Gesetz in Kraft treten. Ziel der EU ist es, damit allgemeiner Lohndiskriminierung entgegenzuwirken und das Lohngefälle zwischen den Geschlechtern zu verringern. Dazu sollen Unternehmen ihre Gehaltsstruktur offenlegen und bei Lohngefällen über fünf Prozent handeln, um diese abzubauen. „Die EU-Richtlinie sagt Lohndiskriminierung den Kampf an“, erklärt Goran Barić, Regional Managing Director der Page Group im Interview mit Personalwirtschaft.
Diese Kampfansage scheint auch nötig, denn in Deutschland liegt die Lohndiskrepanz zwischen Männern und Frauen bei 18 Prozent. Zum Vergleich: In der Europäischen Union liegt der Unterschied im Durchschnitt bei 13 Prozent. „Da hat man in Deutschland noch einiges nachzuholen. Fünf Prozentpunkte sind ein gravierender Unterschied“, so Barić.
Mehr Arbeit für HR?
Trotzdem wird es Zeit für gerechtere Gehälter und mehr Transparenz. Dass Betriebe nun ihre Lohnstruktur offenlegen sollen, geht auch mit tiefgreifenderer Offenlegung einher: „Unternehmen müssen auch ihre Aufstiegschancen transparent machen“, erklärt Barić. Vor allem aber müssten Firmen ihre Gehaltsstrukturen kritisch analysieren, um subjektive Faktoren bei der Entgelteinstufung auszuschließen. „Fehlendes Verhandlungsgeschick darf beispielsweise kein Grund sein, jemandem weniger zu bezahlen“, sagt der Managing Director.
Die Analyse der Lohnstruktur und die Garantie von Transparenz im Unternehmen könnte, so Barić, einen Mehraufwand für die Personalabteilungen in Unternehmen bedeuten. Sicher ist jedenfalls, dass sich in der EU künftig alle Betriebe mit diesen Themen auseinandersetzen müssen. Egal, ob das in der Finanz- oder in der Personalabteilung geschieht.
Dass mehr Entgelttransparenz anstatt zu allgemein höheren Gehältern zu niedrigerer Bezahlung für Berufseinsteiger führen könnte, glaubt Barić nicht. „Um das Niveau nach unten zu setzen, ist das Angebot an gut ausgebildeten, jungen Menschen nicht hoch genug.“ Gerade für Einsteiger seien die Gehälter in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich stark gestiegen.
Volontärin im Sommer 2024

