Kurz vor der heutigen Hauptversammlung von Volkswagen hat die ehemalige Renkchefin Susanne Wiegand ihren Rücktritt aus dem Aufsichtsrat des Wolfsburger Automobilkonzerns erklärt. Die 54-jährige Managerin zog ihre Kandidatur am gestrigen Abend nach einer Sitzung des Kontrollgremiums zurück, so berichten es Beteiligte. Mit ihrem Ausscheiden verliert der die Volkswagen AG die bislang einzige unabhängige Vertreterin im Aufsichtsrat.
Wiegand gehörte dem Aufsichtsrat von Volkswagen seit Juli 2025 an und war dort Vorsitzende des Prüfungsausschusses. Ihr Mandat wurde der Porsche SE zugeordnet, die 53,3 Prozent der Stammaktien hält. Darüber hinaus sitzt sie im Aufsichtsratsmitglied des Chemikalienhändlers Brenntag sowie des Rüstungs-Start-ups Quantum Systems.
Wiegand sorgte für Widerstand im Aufsichtsrat
Von Beginn an soll es zu Spannungen im Aufsichtsrat gekommen sein. Wiegand stellte Finanzvorstand Arno Antlitz im Prüfungsausschuss kritische Detailfragen, was den Manager aus Wolfsburg sichtlich genervt habe. Darüber hinaus widersetzte sie sich der Wiederwahl von Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch. Pötsch sei bereits zu lange im Amt und durch seine gleichzeitige Rolle als CEO der Porsche SE zu oft befangen, argumentierte Wiegand. Dem Manager Magazin teilte sie mit, dass sie „nach sorgfältiger Abwägung der Gesamtumstände“ entschieden habe, nicht zu kandidieren.
Das Ausscheiden von Wiegand reiht sich in eine Phase wachsender Spannungen beim Wolfsburger Autobauer. Zuletzt hatte eine interne Umfrage ergeben, dass Vorstandsmitglieder und Aufsichtsräte die Lage beim Autobauer als existenzgefährdet einschätzen. Das ergab eine Recherche des Manager Magazin.
Rücktritt vor entscheidender Aufsichtsratssitzung
Am 9. Juli steht zudem eine entscheidende Aufsichtsratssitzung an, in der über das Transformations- und Sanierungskonzept des Vorstands diskutiert und möglicherweise eine Entscheidung getroffen wird. Ohne eine gerichtlich bestellte Nachfolgerin fehlt auf der Kapitalseite somit eine Stimme. Die Arbeitnehmervertreter hätten in der Folge die Mehrheit.
Frauenquote auf Kapitalseite nicht mehr erfüllt
Auch die Frauenquote gerät mit Wiegands Rücktritt ins Wanken. Der Konzern hat sich verpflichtet, die gesetzlich geregelte Frauenquote von 30 Prozent zu erreichen, und sich vorgenommen, diese auf Arbeitnehmer- und Kapitalseite unabhängig zu erfüllen. Auf der Kapitalseite sitzen nun jedoch nur noch zwei Frauen.
Mara Marx ist Volontärin bei der Personalwirtschaft.

