Frage: Hilft mir die Mitarbeit an einer HRMS-Implementierung bei meiner Karriere wirklich weiter?
Viele HR-Manager stehen früher oder später vor dieser Entscheidung: Das Unternehmen führt ein neues HR-Management-System ein und sucht Mitarbeitende für das Projektteam. Die Reaktionen sind unterschiedlich. Manche sehen darin eine spannende Entwicklungschance, andere befürchten zusätzliche Arbeit, endlose Workshops und einen zeitlichen Mehraufwand neben dem Tagesgeschäft.
Lohnt sich ein solches Projekt für die eigene Karriere?
Die kurze Antwort lautet: Ja – wenn man die richtige Rolle übernimmt und sich bewusst macht, welche Kompetenzen dabei entstehen.
Wer an einer HRMS-Implementierung mitarbeitet, lernt weit mehr als die Bedienung eines neuen Systems.
Plötzlich stehen Fragen im Mittelpunkt wie: Welche HR-Prozesse sind wirklich sinnvoll? Welche Informationen benötigen Führungskräfte? Wo können Abläufe vereinfacht oder automatisiert werden? Wie verändern digitale Prozesse die Zusammenarbeit zwischen HR und Business?
Eine Implementierung zwingt dazu, bestehende Arbeitsweisen zu hinterfragen und HR konsequent aus der Perspektive der Nutzenden und des Unternehmens zu denken.
Genau diese Fähigkeit wird für moderne HR-Manager immer wichtiger.
Die wertvollsten Kompetenzen entstehen nebenbei
Viele Teilnehmende gehen mit dem Ziel in ein Projekt, ein neues System kennenzulernen. Der eigentliche Mehrwert liegt jedoch an anderer Stelle, denn während einer Implementierung entwickelt man Kompetenzen, die weit über das Projekt hinaus gefragt sind:
- Prozessmanagement
- Projektsteuerung
- Stakeholder-Management
- Change Management
- Kommunikation
- Zusammenarbeit mit IT, Finance und Fachbereichen
- Verständnis für Daten, Digitalisierung und Automatisierung
Hinzu kommt ein deutlich besseres Verständnis dafür, wie Unternehmen Veränderungen erfolgreich umsetzen.
Diese Erfahrungen lassen sich später in nahezu jeder HR-Rolle einsetzen – vom Recruiting über Talent Management bis hin zum HR Business Partner.
Den Horizont erweitern
HRMS-Projekte gehören zu den wenigen Initiativen, bei denen unterschiedlichste Bereiche eng zusammenarbeiten.
HR trifft auf IT, Datenschutz, Finance, externe Beratende und Führungskräfte aus dem Business. Dadurch entsteht ein Netzwerk, das im normalen Arbeitsalltag häufig nicht aufgebaut werden kann.
Viele HR-Manager berichten im Rückblick, dass gerade diese bereichsübergreifende Zusammenarbeit ihren Blick auf das Unternehmen nachhaltig verändert hat.
Business- und Prozessverständnis entsteht eben nicht nur im Seminar, sondern vor allem in gemeinsamen Projekten.
Der Karrierevorteil hat seinen Preis
So wertvoll die Mitarbeit an einer HRMS-Implementierung sein kann – sie bringt auch Herausforderungen mit sich.
In vielen Unternehmen werden Projektaufgaben zusätzlich zum Tagesgeschäft übernommen. Das bedeutet: Workshops vorbereiten, Prozesse dokumentieren, Tests durchführen oder Entscheidungen abstimmen, während gleichzeitig Recruiting, Talent Management oder operative HR-Aufgaben weiterlaufen.
Wer ein solches Projekt übernimmt, sollte deshalb frühzeitig das Gespräch mit der eigenen Führungskraft suchen:
- Welche Aufgaben können während der Projektphase reduziert werden?
- Gibt es eine teilweise Freistellung?
- Welche Prioritäten gelten?
- Wie wird die Projektarbeit in den persönlichen Zielen berücksichtigt?
Nur wenn ausreichend Zeit und organisatorische Unterstützung vorhanden sind, wird aus einer Entwicklungschance keine dauerhafte Überlastung.
Nicht jede Rolle im Projekt bringt den gleichen Nutzen
Innerhalb eines HRMS-Projekts gibt es zudem unterschiedliche Lernmöglichkeiten. Wer ausschließlich Daten migriert oder Testfälle dokumentiert, sammelt andere Erfahrungen als jemand, der Soll-Prozesse entwickelt, Workshops moderiert oder gemeinsam mit dem Business zukünftige Arbeitsweisen gestaltet.
Es lohnt sich deshalb, bewusst Aufgaben zu übernehmen, die über die reine Projektadministration hinausgehen und den Blick auf Strategie, Prozesse und Zusammenarbeit erweitern.
Mit der Zunahme von KI-Einsatz werden solche Erfahrungen noch wertvoller
Mit zunehmender Automatisierung werden operative HR-Aufgaben effizienter erledigt. Gleichzeitig steigt der Bedarf an HR-Managerinnen und -Managern, die Veränderungen gestalten, Prozesse neu denken und Business-Anforderungen in digitale Lösungen übersetzen können.
Genau diese Kompetenzen werden in einer HRMS-Implementierung aufgebaut.
Vielleicht liegt der größte Karrierevorteil deshalb gar nicht im neuen System selbst, sondern in der Fähigkeit, Transformation aktiv zu gestalten.
Fazit
Die Mitarbeit an einer HRMS-Implementierung ist weit mehr als ein IT-Projekt. Sie bietet die Chance, Businessverständnis, Prozesskompetenz, Change Management und bereichsübergreifende Zusammenarbeit gleichzeitig zu entwickeln.
Wer die Projektarbeit organisatorisch gut absichert und bewusst eine aktive Gestaltungsrolle übernimmt, erweitert sein Kompetenzprofil deutlich – unabhängig davon, ob der weitere Karriereweg später ins Recruiting, Talent Management, HR Business Partnering oder in eine Führungsrolle führt.
Vielleicht ist genau das die eigentliche Karrierechance: Nicht das neue HR-System kennenzulernen, sondern zu lernen, wie moderne HR-Arbeit und erfolgreiche Transformation zusammenwirken.
Info
Antworten auf Fragen zur und Tipps für die Karriere im Job HR liefert die Kolumne von Heike Gorges. Sie berät Personalerinnen und Personaler als HRblue-Vorstand zu Karrierethemen.
Zur Kolumne von Heike Gorges „HR-Karriere-Coach“.
