Flexibilität hat in der Arbeitswelt während der vergangenen Jahre stark an Bedeutung gewonnen. Arbeitgeber greifen daher zunehmend auf verschiedene Instrumente zurück, die diese gewährleisten – darunter vermehrt auf befristete Arbeitsverträge. Das zeigt eine aktuelle Studie des Ifo-Instituts, die im Auftrag des Personaldienstleisters Randstad durchgeführt wurde.
Darin gaben 26 Prozent der befragten Unternehmen an, die Anzahl ihrer Befristungen künftig ausbauen zu wollen. Noch im dritten Quartal 2025 lag dieser Anteil bei lediglich 12 Prozent. Die Ergebnisse deuteten darauf hin, dass „Betriebe bei der langfristigen Bindung von Personal vorsichtiger werden“, so die Analyse. Gleichzeitig planen jedoch auch 18 Prozent der Unternehmen, befristete Arbeitsverträge wieder zu reduzieren.
Welche Branchen nutzen befristete Arbeitsverträge am häufigsten?
Insgesamt 30 Prozent der teilnehmenden Arbeitgeber gaben an, derzeit befristete Arbeitsverträge einzusetzen. Am häufigsten findet diese Form mit 42 Prozent in der Industrie Anwendung. Danach folgen der Dienstleistungssektor mit 24 Prozent sowie Handelsunternehmen, von denen lediglich 22 Prozent auf Befristungen zurückgreifen.
Der Einsatz dieses Instruments unterscheidet sich jedoch nicht nur hinsichtlich der verschiedenen Branchen, sondern auch mit Blick auf die Unternehmensgröße. Während 59 Prozent der Großunternehmen (ab 500 Mitarbeitende) befristete Verträge anbieten, sind es bei kleinen und mittleren Unternehmen (50-249 Mitarbeitende) nur 27 Prozent. Bei Betrieben mit einer Anzahl zwischen 250 und 499 Mitarbeitenden liegt der Anteil der Befristungen bei 30 Prozent.
Neben befristeten Arbeitsverträgen greifen 22 Prozent der befragten Arbeitgeber auf Zeitarbeit zurück, um Flexibilität sicherzustellen. Darüber hinaus nutzen 35 Prozent der Unternehmen innerbetriebliche Umsetzungen – welche Maßnahmen konkret darunterfallen, lässt die Untersuchung offen. 49 Prozent setzen auf Überstunden und die Hälfte der Unternehmen nutzt den Daten zufolge Arbeits- und Gleitzeitkonten. Bei Outsourcing (17 Prozent) und freier Mitarbeit (17 Prozent) ist hingegen ein rückläufiger Trend zu verzeichnen.
Bundesregierung plant Reform sachgrundloser Befristungen
Befristungen sind derzeit ein viel diskutiertes Thema. Im Juli hatte der Koalitionsausschuss der Bundesregierung ein „Programm für Aufschwung und Beschäftigung“ vorgestellt, das unter anderem die Reform der sachgrundlosen Befristung vorsieht. Die geplanten Änderungen sehen in derartigen Fällen konkret eine verlängerte Befristungsdauer von bis zu vier Jahren, die Möglichkeit mehrfacher Verlängerungen (sogenannte Kettenbefristungen) sowie die Option einer erneute Ersteinstellung nach Ablauf der Befristung vor.
Ziel der Reform ist es, Unternehmen eine schnellere und flexiblere Reaktion auf unsichere Marktbedingungen zu ermöglichen. „Das ist besonders für junge Unternehmen, für Start-ups, aber auch für Betriebe, die expandieren wollen, eine wichtige Möglichkeit, auch neue Beschäftigung zu ermöglichen“, kommentierte Bundeskanzler Friedrich Merz die Reformvorhaben im Juli. So attraktiv das klingen mag – die Reform bringt nicht nur Vorteile mit sich. Für Arbeitnehmer bedeutet sie vor allem eines: erhöhte Unsicherheit und eingeschränkte Planbarkeit.
Wie bewertet der Startup-Verband die Reformpläne?
Doch auch der Startup-Verband sieht in den Reformvorhaben eine positive Entwicklung. Neben weiteren Punkten im Programm, etwa dem Rentenaspekt und der Flexibilisierung des Kündigungsschutzes für Spitzenverdiener, könnten die geplanten Befristungsregeln aus seiner Sicht zu einem positiven Effekt auf dem Arbeitsmarkt führen. Das teilte der Verband im Juli als Reaktion auf das Programm der Bundesregierung mit.
Info
Die Randstad-ifo-HR-Befragung des dritten Quartals 2026 umfasst die Antworten von 469 HR-Verantwortlichen.
Die Teilnehmenden stammen aus den folgenden Branchen:
- Verarbeitendes Gewerbe: 37 Prozent
- Handel: 24 Prozent
- Dienstleistungssektor: 39 Prozent
Hinsichtlich der Unternehmensgröße teilen sich die Befragten wie folgt auf:
- Kleinunternehmen: 42 Prozent
- Kleine und mittelständische Unternehmen: 38 Prozent
- Mittelgroße Unternehmen: 10 Prozent
- Großunternehmen: 10 Prozent
Paula Heidemann ist Volontärin bei der Personalwirtschaft.

