Fehlzeiten: Barmer-Studie zeichnet anderes Bild als Politik 

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Die Debatte über Fehlzeiten in Unternehmen reißt nicht ab. Immer häufiger steht der Vorwurf im Raum, Arbeitnehmer seien zu faul und meldeten sich zu schnell krank. Doch genau dort liegt eine Grauzone: Fehlzeiten werden erst ab dem dritten Tag erfasst, weshalb kürzere Ausfälle in Krankenkassen-Fehlzeiten-Analysen bisher unberücksichtigt geblieben sind. 

Nun hat die Barmer (Eigenschreibweise BARMER) Krankenkasse gemeinsam mit der F.A.Z. Business Media GmbH die Studie „Gesunde Arbeit“ veröffentlicht. In der Untersuchung wurden insgesamt 550 Entscheidungsträger mittelständischer Unternehmen befragt, darunter zu Krankmeldungen und Fehlzeiten.  

Die Zahlen zeigen: Die Meinungen der Befragten zur Aussage, Arbeitnehmer ließen sich „zu schnell bei Kleinigkeiten krankschreiben“, sind gespalten. Fast die Hälfte der Teilnehmenden stimmte ihr in unterschiedlichem Maße zu (Kategorien „stimme zu“ und „stimme eher zu“), während 28 Prozent sie verneinten und 23 Prozent unentschieden blieben. 

Sind Kurzzeit-AUs ein Problem für zunehmende Krankheitsstände? 

Auch in der Politik ist das Thema präsent, weshalb der Koalitionsausschuss Anfang Juli im Rahmen eines „Programms für Aufschwung und Beschäftigung“ schärfere Regeln für die Krankschreibung an den Tag gelegt hat. In dem Papier forderte die Regierung unter anderem die „verpflichtende Vorlage der AU-Bescheinigung ab dem ersten Tag der Erkrankung“. Bundeskanzler Friedrich Merz begründete die geplante Reform mit den „nach Corona exorbitant gewachsenen Krankenständen in Unternehmen“.   

Doch die Barmer-Studie zeichnet ein anderes Bild. Demnach seien Kurzzeit-Aus selten ein Problem, da 44 Prozent der Befragten angaben, dass die Anzahl dieser Krankmeldungen seit 2023 unverändert geblieben ist. Lediglich 33 Prozent stellten einen Anstieg fest, während jeder fünfte Teilnehmer sogar einen Rückgang verzeichnete. 

BGM hat positive Effekte auf Fehlzeiten 

Die Studie zeigt zudem, was sich – jenseits politischer Maßnahmen – positiv auf Fehlzeiten auswirken kann: Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM). Den Angaben zufolge tragen Gesundheitsmaßnahmen bei fast einem Drittel der Befragten zu geringeren Fehlzeiten bei.  

BGM umfasst dabei weit mehr. Zwar sind Gesundheitsangebote in Unternehmen mit höheren Kosten und gesteigertem Verwaltungsaufwand verbunden, doch erzielen sie sowohl für Arbeitgeber als auch für Arbeitnehmer positive Effekte. Die Mehrheit der Teilnehmenden berichtet von einem besseren Betriebsklima (59 Prozent) sowie einer höheren Arbeitszufriedenheit (56 Prozent). Darüber hinaus steigt offenbar die Arbeitgeberattraktivität (40 Prozent) und die Produktivität im Unternehmen (34 Prozent), so die Antworten.    

Wie ernst nehmen Führungskräfte die Gesundheit ihrer Mitarbeitenden?   

Gesundheit belegt mit 94 Prozent den dritten Platz unter den Erfolgsfaktoren eines Unternehmens – knapp hinter Produkt- und Dienstleistungsqualität (96 Prozent) sowie Kundenzufriedenheit (97 Prozent). Zugleich wächst die Relevanz des Themas: Mehr als ein Drittel der Befragten gibt an, dass Gesundheit für ihr Unternehmen in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen hat. 

BGM ist damit bereits in der Unternehmenswelt angekommen. Auffällig ist dabei der Unterschied zwischen den Geschlechtern: Weibliche Führungskräfte interessieren sich mit 73 Prozent stärker für das Thema als ihre männlichen Kollegen (66 Prozent) – obwohl sich Letztere mit 35 Prozent häufiger persönliche Sorgen um ihr eigenes Wohlergehen machen als Frauen (23 Prozent).   

Zugleich offenbart die Studie eine kritische Lücke: Führungskräfte priorisieren ihre eigene Gesundheit deutlich stärker als die ihrer Mitarbeitenden. Während körperliche und mentale Gesundheit für sie selbst jeweils 74 bzw. 72 Prozent als uneingeschränkt wichtig einstufen, sinken diese Werte mit Blick auf die Belegschaft auf 68 bzw. 61 Prozent. Die Studie benennt den Handlungsbedarf klar: „Wer Gesundheit im Unternehmen verankern will, muss lernen, das Wohlbefinden anderer genauso ernst zu nehmen wie das eigene – auch wenn es sich nicht unmittelbar zeigt.“ 

Info

Paula Heidemann

Paula Heidemann ist Volontärin bei der Personalwirtschaft.