Cawa Younosi verlässt SAP

Artikel anhören
Artikel zusammenfassen
Teilen auf LinkedIn
Teilen per Mail
URL kopieren
Drucken

Update 12. April 2024: Younosi hat mitgeteilt, dass er mit der PR-Agentur The Trailblazers zusammenarbeiten wird.

UPDATE 13. Februar 2024: Der Herausgeber des Personalmagazins, Reiner Straub, bringt sich mit einem Kommentar in die Debatte darüber ein, warum Cawa Younosi SAP verlassen hat. „Es gab mehrere Gründe dafür, Younosis Führungsverhalten war nicht ausschlaggebend“, schreibt er. Stattdessen habe Younosi für eine HR-Arbeit gestanden, die das Softwareunternehmen so nicht mehr weiterführen wolle – siehe Rückkehr zu drei Tagen Präsenzarbeit und dem Zurückziehen der „Partnerzeit“, und stehe im Vergleich zur eigentlichen CHRO zu sehr im Rampenlicht. Straub kritisiert auch die Berichterstattung vom Business Insider und Managermagazin als „reißerisch“ und nicht gut recherchiert.

UPDATE 12. Februar 2024: Der Business Insider hat mit ehemaligen Kolleginnen und Kollegen von Younosi über seinen Führungsstil gesprochen. Einzelne werfen ihm vor, seine Macht missbraucht und eine „Kultur der Angst“ bei der Zusammenarbeit verbreitet zu haben. Andere tun Kund: Sie hätten die direkten Diskussionen wertgeschätzt. SAP und Younosi selbst schweigen weiterhin zu den Anschuldigungen.

UPDATE 27. Oktober 2023: In einem Interview mit der Zeitung Mannheimer Morgen spricht der ehemalige Personalchef sehr vage über seine Beweggründe SAP zu verlassen und die Vorwürfe. Es habe einen Strauß an Gründen gegeben, um seine Arbeit beim Softwarekonzern niederzulegen. Zu den Anschuldigen sagt er: „Ich habe diese Spekulationen leider auch zur Kenntnis genommen und zeitgleich die hunderten, öffentlichen Reaktionen der Kolleginnen und Kollegen auf Linkedin gelesen.“

Cawa Younosi ist jahrelang das Aushängeschild von SAP gewesen. Er verkörperte die Arbeitgebermarke auf eine solch attraktive Art und Weise, dass Talente nur wegen ihm beim Softwarekonzern ihre Arbeit aufnahmen. Doch das gehört nun der Vergangenheit an. Am heutigen Freitag gab der Personalchef Deutschland und Global Head of People Experience seinen Rücktritt und sein sofortiges Ausscheiden aus dem Konzern auf Linkedin bekannt. Es sei nun an der Zeit, „sich anderen Möglichkeiten außerhalb SAP zu widmen“. Er wolle eine kurze Pause einlegen, sich mehr Keynotes und HR-Beratertätigkeiten widmen und dann – so deutete er zumindest im Linkedin-Post an – einen neuen Arbeitgeber finden. Laut einem SAP-Sprecher wird Traci Hughes, Head of Global People Success Services, interimsmäßig seinen nun ehemaligen Job übernehmen.

Seinen Abschied gab Younosi via Linkedin bekannt. (Screenshot: Linkedin/Personalwirtschaft)


Ein paar Monate zuvor besetzte SAP das Amt über Cawa Younosi, nämlich das des Chief People Officers, mit Gina Vargiu-Breuer. Ob die Tatsache, dass Younosi beim Ausscheiden seiner ehemaligen Chefin Sabine Bendiek nicht besagtes Amt erhielt, ein Grund für seine Kündigung ist, scheint naheliegend, wurde von Younosi aber nicht bestätigt. Das Manager-Magazin sowie die Rhein-Neckar-Zeitung bringen einen weiteren möglichen Grund auf: Younosis fragwürdiger Führungsstil. Mehrere Betriebsratsmitglieder seien mit dem Personalchef derart aneinandergeraten, dass sie gehen mussten. „Der Personalchef sei gefürchtet gewesen und habe viele Opfer hinterlassen“, berichtete am Freitag ein ehemaliger Arbeitnehmervertreter gegenüber der Rhein-Neckar-Zeitung. Laut dem Managermagazin habe es interne Untersuchungen wegen Younosi Verhalten gegeben. Weder SAP noch Younosi wollten sich zunächst dazu äußern.

Younosi kam 2009 als Senior Legal Councel zu SAP. Von dort aus arbeitete er sich vom Director Corporate Affairs zum Global Head of People Experience hoch. Seine berufliche Laufbahn begann der promovierte Jurist im Vertrieb. Nach seinem Staatsexamen war er Spezialist für Arbeitsrecht beim Logistiker TNT Express und Leiter Arbeitsrecht beim IT-Dienstleister Atos Origin.

Ohne seine Tätigkeit bei SAP wird Younosi wahrscheinlich immer noch sehr aktiv in der HR-Szene sein. So ist er außerdem Präsidiumsmitglied im Bundesverband der Personalmanagerinnen und -manager sowie im Beirat bei Socialbee, eine Plattform zur Integration Geflüchteter in den deutschen Arbeitsmarkt. In der HR-Szene ist er nicht mehr wegzudenken. Mit seiner Einstellung und seiner Herangehensweise an moderne HR-Arbeit gab er in den vergangenen Jahren zahlreichen Personalerinnen und Personalern Orientierung und Inspiration. Das zeigt sich auch an seiner großen Followerschaft auf Linkedin – aktuell hat er mehr als 99.000 Follower.

Info

(Der Beitrag wurde ursprünglich am 13. Oktober 2023 veröffentlicht und am 13. Februar 2024 upgedatet.)

Lena Onderka ist redaktionell verantwortlich für den Bereich Employee Experience & Retention – wozu zum Beispiel auch die Themen BGM und Mitarbeiterbefragung gehören. Auch das Thema Diversity betreut sie. Zudem ist sie redaktionelle Ansprechpartnerin für den Deutschen Human Resources Summit und das HR Forum Banking.