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FKi Global Forum: Wohin bringt uns die Evolution der Arbeit?

Die Arbeitswelt ist im Wandel – einen, den man nicht aufhalten kann. Davon ist Barbara Lutz, Geschäftsführende Gesellschafterin des FKi Diversity for Success überzeugt. Um herauszufinden, wie Unternehmen mit dieser stetigen Entwicklung umgehen können, hat sie die Veranstaltung FKi Global Forum ins Leben gerufen. Am 2. Dezember tauschen sich dort Wissenschaftler, Geschäftsführerinnen, Personalleiter und Aufsichtsrätinnen sowie Diversity-Experten virtuell aus.

„Wir haben in den vergangenen Jahren vor allem eine Digitalisierung und eine Flexibilisierung beobachtet“, sagt Stephan Böhm, Professor für Diversity Management und Leadership an der Universität St. Gallen. Böhm wird bei dem Event Erkenntnisse aus seiner Studie „Better Normal“ vorstellen, die gemeinsam mit dem Automobilkonzern AUDI durchgeführt wurde. Weil viele Geschäftsprozesse nun digital ablaufen, verdichte sich die Arbeit und werde komplexer. Sprich: Es geschieht mehr auf einmal und Mitarbeitende widmen sich komplexeren Tätigkeiten, denn die sich wiederholenden, standardisierten Aufgaben können KI oder Robotics übernehmen. Gleichzeitig wurden Zeit- und Raumstrukturen aufgebrochen. Remote Work und Homeoffice zu jeglichen Tageszeiten gehören in vielen Unternehmen mittlerweile dazu. Doch so richtig definieren oder greifen kann man das New Normal laut dem Wissenschaftler noch nicht. „Wir befinden uns auf der Suche nach dem neuen Normal“, sagt Böhm.

Gemeinsam herausfinden, was funktioniert

Das sieht auch Barbara Lutz so. „Es gibt viele Glaubenssätze darüber, warum eine bestimmte Arbeitsform gut oder schlecht ist. Die Überzeugungen sind aber nicht bestätigt“, sagt sie. „Wir sind in einer Entwicklungsphase, in der Unternehmen Konzepte ausprobieren. Keiner hat die Wahrheit, deswegen ist derzeit der Austausch zwischen Arbeitgebern essenziell.“

So sei bis heute noch unklar, welche Auswirkungen die Arbeit im Homeoffice wirklich hat. Es gebe zwar zahlreiche Studien, doch diese seien aufgrund der wissenschaftlichen Herangehensweise nicht sehr aussagekräftig, sagt Professor Böhm. Wird das Grenzmanagement zwischen Privat- und Berufsleben durch die Arbeit aus dem Homeoffice schwieriger? Wird die Inklusion im Team durch das Homeoffice negativ beeinflusst? Und führt die Arbeit von Zuhause aus zu einer erhöhten Stresswahrnehmung und emotionalen Erschöpfung? Auf all diese Fragen müssten noch valide Antworten gefunden werden, wofür longitudinale oder experimentelle Studien notwendig sind.

„Wer in alten Strukturen verharrt, ist raus“

Und dennoch rät Barbara Lutz den Arbeitgebern nicht, sich gegen die Evolution der Arbeitswelt zu stellen und abzuwarten, bis Antworten gefunden wurden. „Es geht für Unternehmen vielmehr darum, proaktiver Teil der Veränderung zu werden, die Entwicklung dafür zu nutzen, um monotone Strukturen aufzubrechen“, sagt Lutz. „Wer in alten Strukturen verharrt, ist zukünftig raus.“

Stattdessen solle das New Normal auch beispielsweise für die Produktion gedacht werden. Denn die Evolution finde in allen Bereichen der Arbeitswelt statt. Ein Beispiel, wie das gelingen kann, nennt Böhm: „Gute Erfahrungen haben wir mit der Einführung von stärkenbasiertem Jobcrafting in Partnerorganisationen gemacht“, sagt der Professor. „Dabei gilt es, sich zu fragen: Wie können wir Jobs so gestalten, dass jeder mehr von seinen Stärken einbringen kann?“ HR müsse dafür nicht mehr in Jobprofilen denken, sondern in individuellen Rollen. Das sorge für einen Motivationsschub und eine Gesundheitssteigerung bei den Mitarbeitenden und sei auch im Blue-Collar-Bereich möglich. Auch selbstorganisiertes Arbeiten könne in allen Unternehmensbereichen eingeführt werden.

Ob und wie dies bei Audi gelebt wird, wird der dortige Personalchef Xavier Ros beim Global Forum erzählen. Neben ihm werden unter anderem auch Ugur Erenoglu, Member of the Regional Executive Board Dassault Systèmes Eurocentral, Hiroki Hiramatsu, Chief Human Resources Officer beim japanischen IT-Konzern Fujitsu, Diversity-Expertin Irène Kilubi sowie Lilian Tschan, Staatssekretärin im Bundesministerium für Soziales und Arbeit in den Austausch miteinander und mit den virtuell zugeschalteten Gästen gehen.

Lena Onderka ist redaktionell verantwortlich für den Bereich Employee Experience & Retention – wozu zum Beispiel auch die Themen BGM und Mitarbeiterbefragung gehören. Auch Themen aus den Bereichen Recruiting, Employer Branding und Diversity betreut sie. Zudem ist sie redaktionelle Ansprechpartnerin für den Deutschen Human Resources Summit.