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Der HR-Jahresrückblick 2021: Teil 2

Auch in der zweiten Jahreshälfte von 2021 hat sich viel in der Welt der Personalerinnen und Personaler getan. (Foto: Pixi:Adobe Stock)
Auch in der zweiten Jahreshälfte von 2021 hat sich viel in der Welt der Personalerinnen und Personaler getan. (Foto: Pixi:Adobe Stock)

Aus der ersten Jahreshälfte gingen Personalerinnen und Personaler recht hoffnungsvoll heraus. Die Impfung war im Betrieb angekommen und HR hatte vielerorts endlich mehr Spielraum, konnte sich überlegen, wie die künftige Arbeitswelt ohne Covid, aber mit mehr Flexibilität gestaltet werden kann (hier geht’s zum Teil 1 des Jahresrückblicks). Doch die Situation spitze sich wieder zu.

Juli – Zwischen Urlaubsgefühlen und Desastern den Blick aufs Ganze nicht verlieren

Mit der neu gewonnenen Flexibilität des Arbeitsorts in vielen Unternehmen träumten einige Mitarbeitende von der Arbeit im Warmen am Strand. Es kam der Wunsch auf, das Homeoffice ins Ausland zu verlagern. Gleichzeitig warben Reiseanbieter mit Workations. Doch bei der Organisation des Homeoffice im Ausland gibt es einige Stolperfallen, wie HR spätestens dann herausfand.

In ihre persönliche Krise fielen die Menschen bei den verheerenden Überschwemmung im Ahrtal. Für HR stellte sich dabei die Frage: Wie kann ich Betroffene und Helfer freistellen?

Um sich nicht in einzelnen Problemen und Schicksalsschlägen zu verlieren, kann der Blick aufs Ganze hilfreich sein. Den sollten Personaler laut HR-Expertinnen auch beim Einsatz von Key Performance Indicators (KPIs) im Recruiting haben. Denn es geht nicht mehr nur darum, Recruiting-KPIs zu messen, sondern sie in Beziehung zueinander zu setzen, wie die Personalwirtschafts-Titelstrecke im Juli zeigte. Recruiterinnen und Recruiter standen 2021 zudem vor der Herausforderung, Kandidaten über Online-Kanäle für sich zu gewinnen und das Onboarding virtuell zu gestalten.

August – Mit Fingerspitzengefühl Stellung beziehen

Im August vertiefte sich die Diskussion zu den Themen Präsenzarbeit und Diversity. Sollen die Büros reduziert und Desksharing Normalität werden? Ist ein “Full Flex Office”, wie es Vodafone plante, einzuführen (und wenig später auch erfolgreich tat), sinnvoll für das eigene Unternehmen? Mit diesen Fragen beschäftigten sich viele Personalerinnen und Personaler im Sommer. Was Diversity betraf, so kam die Debatte übers Gendern in Stellenausschreibungen und der unternehmensinternen Kommunikation wieder auf.

Generell hat die Kommunikation von HR durch die Pandemie an Wichtigkeit gewonnen, wie unsere Titelstrecke des Monats mit dem Schwerpunkt HR-Kommunikation deutlich machte. Für Personalerinnen und Personaler bedeutete dies auch, selbstbewusster bei der Unternehmensstrategie mitzureden.

September – Pioniere

Die Personalwirtschaft-Titelstrecke im September schloss an die Diskussion zur Gestaltung des “passenden” zukünftigen Arbeitsortes an. Was wird das New Normal hinsichtlich Arbeitszeit- & -ort? Während sich Personalerinnen und Personaler austauschten, brüteten und sich ausprobierten, wurde das Zelebrieren der eigenen Erfolge nicht vergessen. Am 16. September wurde dafür der Deutsche Personalwirtschaftspreis an 18 herausragende HR-Projekte vergeben, der Personalerinnen und Personalern vielleicht auch ein Stück weit Selbstbewusstsein und Inspiration beschert hat. Auch in Sachen Corona hat sich etwas getan: Der Gesetzgeber beschloss, dass es ab sofort keine Lohnfortzahlung für Ungeimpfte geben wird.

Oktober – Werte als Orientierung in unsicheren Zeiten

Dass man Mitarbeitende nicht ausnutzen sollte, zeigte sich erneut an den Streiks der Gorillas-Beschäftigten im Oktober. Anstatt eine friedliche Lösung zu finden, ging das Unternehmen auf Konfrontationskurs und kündigte 350 Streik-Teilnehmenden. Eine heikle Situation aus der HR viel lernen konnte. Wie die Personalarbeit generell in Scale-ups aussieht, nahm die Personalwirtschaft im Oktober-Heft genauer unter die Lupe.

Einzelne HR-Vertreterinnen und -Vertreter waren auch beim 12. HR-Summit anwesend. Bei diesem stand die Frage im Zentrum, wie Personalerinnen und Personaler ihre Unternehmen durch unsichere Zeiten navigieren können. Die Veranstaltung ermöglichte der HR-Szene zudem nach langer Zeit des Online-Netzwerkens einen Face-to-face-Austausch.

November – Neue Pläne

Im November hat eine Studie von Stepstone, New Work SE und Kienbaum das bestätigt, was seit einiger Zeit spürbar ist und gefürchtet wird: Die “Arbeiterlosigkeit” verstärkt sich zukünftig. Denn die Baby-Boomer-Generation geht schrittweise in den Ruhestand, womit der Fachkräftemangel größer wird. Die Wandlung ging auch mit einem neuen Verständnis im Recruiting einher: Erste Arbeitgeber haben sich bei den Talenten beworben und nicht umgekehrt. Hoffnung für eine Erleichterung der Situation legten Teile von HR in die neue Ampelregierung und deren Koalitionsvertrag, der im November unterzeichnet wurde und auch arbeitsrechtliche Änderungen beinhaltet.

Neue Pandemieregelungen wurden zudem verabschiedet. Der Gesetzgeber führte 3G am Arbeitsplatz sowie die Homeoffice-Pflicht ein. Umstritten ist allerdings bis heute, ob in Unternehmen der Impfstatus abgefragt werden darf – ausgenommen davon sind die Bundeswehr und Pflege- und Gesundheitseinrichtungen. Womit wir auch schon im Dezember wären.

Dezember – Wieder am Anfang?

In der Vorweihnachtszeit wurde nach langen Diskussionen entschlossen, dass ab März 2022 alle Beschäftigten in Pflege- und Gesundheitseinrichtungen gegen das Corona-Virus geimpft sein müssen. Ob die Impfpflicht auf mehr Berufe ausgeweitet werden soll, wird diskutiert. Im Gespräch sind die Gesetzgeber auch über die Umsetzung von Vereinbarungen im Koalitionsvertrag, wie etwa die Einführung einer Väterfreistellung nach der Geburt ihres Kindes.

Parallel ist die Zahl der Covid-Infizierten so groß gewesen, wie nie zuvor. Viele fühlten sich, als stünden sie wieder dort, wo sie Anfang 2021 waren. Allerdings mit einer Ausnahme: Personalerinnen und Personaler haben gelernt, wie sie mit den aktuellen Herausforderungen bestmöglich umgehen. Das zeigt auch unsere Hybrid-HR-Studie – ein Gemeinschaftsprojekt mit dem HR-IT-Dienstleister Empleox, den Talent-Experten von milch & zucker sowie der Personalberatung PageGroup. Demnach sind die Key Learnings von HR, was das hybride Arbeiten angeht, wie folgt: Eine Spaltung der Belegschaft durch virtuelle und vor Ort Zusammenarbeit muss vermieden werden. Kommunikation und das Aufrechterhalten und Vermitteln einer Unternehmenskultur sollte Priorität sein, genauso wie der Aufbau von Führung und die Begleitung des Leaders. Zudem sollte der Fokus bei der Mitarbeiterauswahl auf einzelnen Kompetenzen und Fähigkeiten liegen und weniger auf Zertifikaten und Stationen im Lebenslauf.

Ende 2021 ist HR folglich immer noch ein Stück weit Krisenmodus. Nur haben Personalerinnen und Personaler durch ihre Erfahrungen nun die Tool-Box, um damit umzugehen und vielerorts die Basis dafür gebaut, die Zukunft der Arbeitswelt neu zu gestalten.

Ist Redakteurin der Personalwirtschaft. Ihre inhaltlichen Schwerpunkte sind die Themen Diversity, Gleichberechtigung und Work-Life-Balance.