Aktuelle Ausgabe

Newsletter

Abonnieren

Aufklärung tut not

Der Aufschrei war groß, als ein bayerischer Zahnarzt seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unlängst buchstäblich die Pistole auf die Brust setzte: Wer sich nicht gegen das Corona-Virus impfen ließe, könne nicht mehr für ihn arbeiten. Der Mediziner aus dem oberbayerischen Landkreis Pfaffenhofen wörtlich: “Es werden alle Mitarbeitenden geimpft. Wer die Impfung nicht möchte, wird ohne Gehalt von der Arbeit freigestellt.” Ob Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sich von dem streitbaren Mediziner zu seiner Forderung nach einer Impfpflicht für Pflegekräfte hat inspirieren lassen, ist nicht überliefert. Fakt ist jedenfalls, dass das Thema hochbrisant und strittig ist. Und ungeachtet der Frage nach dem indiskutablen Führungsstil des Zahnarztes bringt seine knallharte Ansage auch zahlreiche rechtliche Unsicherheiten mit sich. Wie also umgehen als Arbeitgeber mit der Corona-Impfung?

Die Meinungen sind geteilt, zumindest im medizinischen Bereich. Während der deutsche Ethikrat eine Impfpflicht nicht vollständig ausschließen will, lehnen Ärzte den Vorstoß derzeit ab. “Es wäre sehr sorgsam zu prüfen, ob eine Situation besteht, in der es keine andere Möglichkeit gibt, als über eine solche Impfpflicht nachzudenken”, sagte die Ethikrat-Vorsitzende Alena Buyx. Der stellvertretende Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Stephan Hofmeister, sieht die Pflicht dagegen als “unnötig und kontraproduktiv”. Auch der KBV-Vorsitzende Andreas Gassen lehnte sie ausdrücklich ab. Eine gute Durchimpfung werde man auch ohne Zwang erreichen.

Was die rechtliche Bewertung einer verpflichtenden Impfung angeht, sind derzeit noch gewisse Unsicherheiten abzuwägen. Sollte sich nämlich herausstellen, dass man trotz Impfung sich und andere anstecken kann, wäre die Impfung primär eine Frage der persönlichen Gesundheitsvorsorge, zu der Arbeitgeber keine Vorschriften machen dürfen. Zwar gibt es ein Interesse des Arbeitgebers an gesunden Mitarbeitenden mit möglichst wenig krankheitsbedingten Ausfällen. Eine rechtliche Verpflichtung, gesund zu leben und sich vor jedweden Krankheitsrisiken zu schützen, leitet sich daraus allerdings nicht ab. Anders sieht es aus, wenn sich herausstellen sollte, dass Geimpfte nicht mehr ansteckend sind: Dann würde man mit der Impfung nicht nur sich selbst, sondern auch andere vor einer Infektion schützen. Das könnte die Voraussetzung für Eingriffe in die persönlichen Freiheitsrechte sein. Wer bei seiner Arbeit häufig mit hochgradig gefährdeten Menschen in Kontakt kommt, wäre im Falle einer schwer einzudämmenden Pandemie eine Gefahr für andere, solange er sich nicht impfen lässt.

Auch wenn sich angesichts des derzeitigen (Noch-)Mangels die Frage, ob sich Mitarbeitende impfen lassen sollen, nur bedingt stellt, werden sich Unternehmen in Zukunft wohl oder übel mit der Frage der Impfung auseinandersetzen müssen – auch wenn sie nicht in einem medizinischen Bereich tätig sind.

Schließlich geht es um den Schutz der eigenen Mitarbeitenden.

Warum aber wie der eingangs beschriebene bayerische Zahnarzt direkt so rigoros? Denkbar wären beispielsweise auch eine (Gesundheits-)Prämie oder zusätzliche freie Tage. Ein Beispiel: Kaspar Pfister, Chef der Benevit-Gruppe, zu der insgesamt 26 Alten- und Pflegeheime gehören, will den Mitarbeitenden 1000 Euro Bonus zahlen, wenn sie sich impfen lassen. Die Flasche Eierlikör, die Pfister noch obendrauf legt, wäre da gar nicht mehr nötig gewesen.

Die Möglichkeiten, seine Mitarbeitenden von der Notwendigkeit einer Impfung zu überzeugen, sind vielfältig. Warum nicht auch (virtuelle) Informationsveranstaltungen durchführen, bei denen sich die Angestellten ein umfassendes Bild über die Vorteile und (geringen) Risiken einer Impfung informieren können? Weiterbildung als BGM-Maßnahme sozusagen. Wie so oft, wäre es hier an der HR-Zunft, Brücken zu bauen zwischen Unternehmensinteressen und Angestellten. Kompromisslose Strenge wird nicht zum Ziel führen. Ein Aufklärungs- beziehungsweise Bonusprogramm mit Augenmaß dafür umso eher.

›› Dieser Beitrag ist zuerst in unserer Februar-Ausgabe erschienen. Ein Abonnement können Sie hier abschließen.

Ist Redakteur der Personalwirtschaft. Er ist spezialisiert auf die Themen Arbeitsrecht und Outsourcing und verantwortlich für die redaktionelle Planung verschiedener Sonderpublikationen der Personalwirtschaft.

Themen
Ihre Meinung zählt!
An Nutzerbefragung teilnehmen & Prämie sichern
Jetzt mitmachen »
ihre meinung zählt!
An Nutzerbefragung teilnehmen & Prämie sichern
Jetzt mitmachen »