HR ohne Grenzen?

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Unsere Welt wird immer globalisierter – und damit nimmt die Bedeutung der internationalen Personalarbeit stetig zu. Das zieht auch nach sich, dass HR-Prozesse komplexer werden. Es braucht innovative Lösungen und Technologien, um mit dieser Komplexität umzugehen und die Chancen nutzen zu können, die sich durch die Vernetzung ergeben. 

Wie sieht diese Globalisierung der Arbeitswelt aktuell bereits aus? Laut der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) gab es im Jahr 2021 weltweit rund 169 Millionen internationale Arbeitsmigrantinnen und -migranten. Dies entspricht etwa 4,9 Prozent der globalen Erwerbsbevölkerung. Auch lokale Arbeitsmärkte werden also durch die globale Vernetzung beeinflusst – und machen so internationale HR-Lösungen immer notwendiger.

Gleichzeitig stellt die internationale Mobilität der Mitarbeitenden einen zentralen Aspekt der modernen Personalpolitik dar. Eine Studie der Deutschen Gesellschaft für Personalführung (DGFP) aus dem Jahr 2020 ergab, dass 83 Prozent der befragten Unternehmen Auslandseinsätze als festen Bestandteil ihrer Personalentwicklung betrachten. Diese beiden Trends gilt es für HR zu managen und die Personalarbeit entsprechend anzupassen. Dabei sollte auf folgende Aspekte ein Augenmerk gelegt werden. 

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Die Herausforderungen der internationalen Personalarbeit

1. Rechtliche und regulatorische Unterschiede

Die globalen Unterschiede in den Arbeitsgesetzen und -vorschriften stellen eine der größten Herausforderungen für internationale HR-Teams dar. Jedes Land hat seine eigenen Arbeitsgesetze, Steueranforderungen und Arbeitszeitregelungen, die eingehalten werden müssen. Dies erfordert detaillierte Kenntnisse der lokalen Bestimmungen und die Fähigkeit, diese in globale HR-Strategien zu integrieren. 

2. Kulturelle Unterschiede und Vielfalt

Wer eine vielfältige Belegschaft aus verschiedenen Kulturen fördern und zum Erfolg verhelfen möchte, muss sensibel für kulturelle Unterschiede sein und diese verstehen. Diese Sensibilität muss sich in der Kommunikation und Zusammenarbeit zeigen, aber auch generell in der HR-Strategie. Nur so kann HR den Bedürfnissen und Erwartungen der Mitarbeitenden in verschiedenen Ländern gerecht werden. 

3. Technologische Integration und Datenmanagement

Die Integration verschiedener HR-Technologiesysteme und die Verwaltung von Daten über verschiedene Regionen hinweg ist eine komplexe Aufgabe. Unterschiedliche Systeme und Plattformen müssen kompatibel sein und reibungslos ineinander übergehen, um eine internationale Belegschaft effektiv zu managen. Dies erfordert erhebliche Investitionen in Technologie und Datenmanagement. 

Chancen durch HR-Tech

Das Gute ist: In den vergangenen Jahren sind immer mehr HR-Technologien auf den Markt gekommen, die bei diesem Datenmanagement helfen. Und zahlreiche Unternehmen greifen darauf zurück.  Eine Studie von Deloitte aus dem Jahr 2021 zeigt, dass 75 Prozent der befragten Unternehmen weltweit planen, ihre Investitionen in HR-Technologien zu erhöhen. Diese Technologien reichen von cloudbasierten HR-Systemen bis hin zu fortschrittlichen Analysetools, die es ermöglichen, Daten aus verschiedenen Regionen und Märkten in Echtzeit zu analysieren und darauf zu reagieren.

Eine Untersuchung des McKinsey Global Institute aus dem Jahr 2022 verdeutlicht, wie hilfreich diese Tools sein können. Unternehmen, die auf digitale HR-Lösungen setzen, erreichen eine um 25 Prozent höhere Effizienz in ihren HR-Prozessen. Das wiederum erhöht die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens gegenüber der Konkurrenz. 

Die Zukunft der internationalen Personalarbeit

Aus meiner Sicht liegt die Zukunft der internationalen Personalarbeit in der Kombination von technologischen Innovationen und zwischenmenschlicher Expertise. Nur so können wir die Herausforderungen der Globalisierung erfolgreich bewältigen. 

Das Gute daran – auch für alle HR-Tech-Start-ups: Die großen Herausforderungen und die damit verbundene Komplexität bieten immense Chancen. In einer immer stärker vernetzten Welt können innovative HR-Technologien der Schlüssel sein, um die steigende Komplexität zu bewältigen und gleichzeitig die Potenziale der Globalisierung voll auszuschöpfen. Unternehmen, die auf diese Entwicklungen setzen, werden in der Lage sein, ihre globale HR-Strategie erfolgreich zu gestalten und sich einen Wettbewerbsvorteil zu sichern.

Also Start-ups, auf geht’s! 

Euer Benjamin Visser 

Alles zum Thema

In seiner Kolumne „Ben’s People Perspective“ schreibt Benjamin Visser, der CEO und Founder von allygatr, über HR Tech und die Arbeitswelt. Allygatr ist ein Venture Capitalist, der mehr als ein Dutzend HR-Start-ups aufbaut. Dabei teilt Visser seine einzigartige Sicht auf alles, was Unternehmen und ihre Mitarbeitenden verbindet.