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Noch viel Spielraum für Frauen

In den Vorständen von DAX- und MDAX-Unternehmen ist für Frauen noch Luft nach oben.
Bild: © Leo Lintang/Fotolia.de
In den Vorständen von DAX- und MDAX-Unternehmen ist für Frauen noch Luft nach oben.
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In der Hälfte aller DAX-Unternehmen gibt es nach wie vor keine Frauen im Vorstand. Aktuell sitzen in zehn der Firmen weibliche Vorstände, fünf davon – Allianz, Deutsche Bank, Lufthansa, Munich Re und Siemens – haben jeweils zwei Frauen im Vorstand. Daimler will 2017 mit der Berufung von Britta Seeger zum Vertriebsvorstand nachziehen.

Operative Geschäftsbereiche knapp vor dem Personalressort

Acht der Vorstandsfrauen und damit eine knappe Mehrheit leiten operative Geschäftsbereiche. Zum Beispiel verantwortet Lisa Davis das USA-Geschäft bei Siemens, Erica Mann leitet die Division Consumer Health bei Bayer und Helga Jung das Spanien- und Lateinamerikageschäft bei der Allianz. Das Personalressort rangiert mit sieben weiblichen Vorständen an zweiter Stelle der Vorstandsbereiche, die mit Frauen besetzt sind. Der einzige CFO in DAX-Vorständen ist Simone Menne bei der Lufthansa, sie wechselt in Kürze das Unternehmen. Ab Oktober wird Melanie Kreis von der Deutschen Post der einzige weibliche Finanzvorstand im DAX sein. Auch einen COO gibt es unter den weiblichen Vorständen nur einmal: Kim Hammonds bei der Deutschen Bank. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Analyse von > Korn Ferry. Untersucht wurden die Vorstände der im DAX-gelisteten Unternehmen mit Stichtag 16. August 2016.

Fast 90 Prozent der MDAX-Vorstandsmitglieder sind männlich

DAX-Unternehmen, die bereits einen weiblichen Vorstand haben, seien bestrebt, den Frauenanteil zu vergrößern und damit für eine größere Diversität im obersten Führungsgremium sorgen, sagt Floriane Ramsauer, Partner von Korn Ferry. Der MDAX allerdings hinkt dem DAX noch hinterher, was die Besetzung von Vorstandsposten mit Frauen betrifft: Aktuell sind 88 Prozent der Vorstände männlich. Lediglich sechs MDAX-Firmen haben weibliche Vorstandsmitglieder berufen. Immerhin findet sich dort mit Anke Schäferkordt der einzige weibliche CEO der 80 größten deutschen an der Börse gelisteten Unternehmen. Außerdem in den Vorstand der 50 MDAX-Unternehmen geschafft haben es Dagmar Knopek und Christiane Kunisch-Wolff bei der Aareal Bank, Ute Wolf als CFO von Evonik, Anke Giesen als Leiterin Personal und Operations bei Fraport, Dagmar Steinert, bei Fuchs Petrolub zuständig für Finanzen, IT und Recht, sowie Claudia Hoyer als COO bei TAG Immobilien.

Eine aktuelle Studie des Korn Ferry Institutes in den USA hat dort die Positionierung von Frauen im Top-Management von 1000 der größten US-amerikanischen Firmen untersucht. Danach ist knapp ein Viertel dieser Frauen auch in der “C-Suite” zu finden. Die deutschen Unternehmen dürften nicht den Anschluss an die internationalen Entwicklungen verlieren, mahnt Ramsauer. Globale Unternehmen verstünden zunehmend, welch positiven Einfluss die richtigen Frauen auf das Geschäft hätten, obwohl oder gerade weil sie meist anders führten als Männer.