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Rekord-Krankenstand: 2022 fielen viele Arbeitnehmer aus

Ende 2022 waren wohl so viele Menschen krankgeschrieben wie noch nie. Darauf deuten erste Zahlen mehrerer großer deutscher Krankenkassen hin. Zwar sind die finalen Daten noch nicht ausgewertet. Allerdings zeigen etwa bei der Techniker Krankenkasse (TK) schon die Daten bis Anfang Dezember einen Rekordkrankenstand bei den eigenen rund 5,5 Millionen Versicherten. Rund  5,14 Prozent der bei der TK-versicherten Menschen waren durchschnittlich in den  ersten gut elf Monate des Jahres krank. Das sind 29 Prozent mehr als im Vorjahr (3,98 Prozent).Bisheriger „Rekordhalter“ war das Jahr 2018 mit einem Krankenstand von 4,25 Prozent.

„Hauptgrund für den deutlichen Anstieg der Fehlzeiten in diesem Jahr sind Atemwegsinfekte und Erkältungskrankheiten“, kommentierte der TK-Vorstandsvorsitzende Jens Baas die Zahlen in einer Pressemitteilung. Auffällig sei vor allem, dass die Erkältungswellen auch in saisonal untypischen Zeiträumen eine Rolle spielten – etwa im Juli und im Oktober.

6 Prozent mit Atemwegserkrankungen zu Hause

Auch die Barmer hat die finalen Zahlen zum Krankenstand im Jahresverlauf noch nicht veröffentlicht. Allerdings lassen sich auf der Webseite des unternehmenseigenen Instituts für Gesundheitssystemforschung (bifg) Zahlen einsehen, die auf Rekordwerte bei Atemwegserkrankungen hinweisen. So waren in der 50. Kalenderwoche (also in der Woche ab dem 12. Dezember) alleine 60 von 1000 (also 6 Prozent) der versicherten Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen sowie ALG-I-Empfänger und -Empfängerinnen wegen einer Erkältung oder anderer Atemwegserkrankungen nicht arbeitsfähig. Schon im Jahresverlauf hatte es immer wieder Wochenwerte gegeben, die mindestens seit 2018 nicht erreicht wurden – auch nicht während der verschiedenen Coronawellen in den vergangenen knapp drei Jahren.

Auch die Zahlen der TK zeigen, dass der Krankenstand Ende 2022, nach dem Ende der meisten Corona-Schutzmaßnahmen deutlich höher war als in den Vorjahren, als das Land unter hohen Covid-Infektionszahlen litt. So lag er im November 2022 bei 5,77 Prozent, nach 4,92 Prozent im Jahr 2021 und 4,34 Prozent 2020. Für Dezember werden die Zahlen, sobald sie ausgewertet sind, wohl ähnlich aussehen, vermutet TK-Chef Baas: „Aufgrund der Ende November ansteigenden Zahlen ist auch im Dezember 2022 mit außergewöhnlich hohen Krankenständen zu rechnen.“

In den vergangenen zweieinhalb Jahren hatte es – mutmaßlich auch aufgrund der Corona-Schutzmaßnahmen – keine Grippewellen in Deutschland gegeben, auch andere Infektionskrankheiten waren wohl nicht so häufig aufgetreten wie normalerweise. Das ist in diesem Winter anders: „Derzeit kämpfen wir gegen sehr breit gefächerte Krankheitsbilder: Grippe, RS-Virus, Corona und andere Atemwegserkrankungen“, sagte der Intensivmediziner Christian Karagiannidis Mitte Dezember der Rheinischen Post. In mehreren Krankenhäusern hatte dies zu Überlastungen geführt, nicht zuletzt, weil auch das Klinikpersonal von einem hohen Personalausfall betroffen war. Auch der krankheitsbedingte Ausfall zahlreicher Busse und der hohe Krankenstand in Schulen und Kindertagesstätten hatte vielerorts für Aufsehen gesorgt.

Matthias Schmidt-Stein koordiniert als Chef vom Dienst die Onlineaktivitäten der Personalwirtschaft und leitet die Onlineredaktion. Thematisch beschäftigt er sich insbesondere mit dem Berufsbild HR und Karrieren in der Personalabteilung sowie mit Personalberatungen. Auch zu Vergütungsthemen schreibt und recherchiert er.